23.11.2005 · Amerikanische und irakische Truppen haben in Ramadi eine weitere Offensive gegen Aufständische begonnen. Zuletzt waren bei Kämpfen im Westen des Iraks 150 Menschen getötet worden. Dennoch will Washington in Kürze Tausende Soldaten abziehen.
Nach einem Selbstmordanschlag in der nordirakischen Stadt Kirkuk ist die Zahl der Toten bis Mittwoch morgen auf mindestens 21 gestiegen. 24 Menschen wurden nach Behördenangaben verletzt.
Aufständische hatten auf einer Straße am Stadtrand zunächst einen Polizisten erschossen. Nachdem zahlreiche weitere Beamte am Tatort eingetroffen waren, fuhr ein Selbstmordattentäter mit einem Auto in die Menschengruppe hinein und zündete einen Sprengsatz.
Washington erwägt Truppenreduzierung
Die Vereinigten Staaten erwägen nach den Worten von Außenministerin Condoleezza Rice eine Reduzierung ihrer Truppenstärke im Irak. Sie gehe davon aus, daß die amerikanischen Truppen in ihrer jetzigen Stärke nicht mehr sehr viel länger benötigt würden, sagte Rice dem Nachrichtensender CNN am Dienstag.
Irakische Kräfte seien zunehmend in der Lage, Aufgaben von amerikanischen Soldaten zu übernehmen. Die Bush-Administration ist in jüngster Zeit im eigenen Land wegen ihrer Irak-Politik zunehmend unter Druck geraten.
Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge plant das amerikanische Verteidigungsministerium, Anfang kommenden Jahres drei von derzeit 18 Kampfbrigaden aus dem Irak abzuziehen, sofern dem keine unvorhergesehenen Ereignisse entgegen stünden. Eine Brigade umfaßt zwischen 3.000 und 5.000 Soldaten. Der Zeitung zufolge will das Verteidigungsministerium 2006 mehrmals über weitere Truppenreduzierungen entscheiden. Einem „vorsichtig-optimistischen“ Szenario zufolge könnte die Zahl der amerikanischen Soldaten im Irak bis zum Jahresende von derzeit mehr als 150.000 auf unter 100.000 sinken.
150 Tote bei Operation „Eiserner Vorhang“
Amerikanische und irakische Truppen leiteten am Dienstag eine Offensive in der Stadt Ramadi ein, um die Aufständischen daran zu hindern, die Parlamentswahl dort zu stören. Ramadi, 115 Kilometer westlich von Bagdad, ist eine Hochburg der sunnitischen Aufstandsbewegung.
Bei ihrer jüngsten Offensive im Westirak hat die Truppe zehn ihrer Soldaten verloren. Nach amerikanischen Angaben vom Mittwoch starben bei der am Wochenende beendeten Operation „Eiserner Vorhang“ in mehreren Vororten der Stadt Al-Kaim insgesamt 139 „Terroristen“. Im Laufe der 17 Tage langen Offensive, für die auch lokale Hilfssoldaten rekrutiert worden waren, nahm die Armee 256 mutmaßliche Aufständische gefangen.
Das amerikanische Militärkommando berichtete außerdem, zwei US- Soldaten seien in Mossul bei einer Patrouillenfahrt von Aufständischen erschossen worden. Der Angriff ereignete sich bereits am vergangenen Samstag. Außerdem wurde am Montag bei Habanijah, rund 80 Kilometer westlich von Bagdad, ein amerikanischer Soldat bei der Detonation eines am Straßenrand versteckten Sprengsatzes getötet. Damit stieg die Zahl der getöteten amerikanischen Soldaten seit Kriegsbeginn im März 2003 nach offiziellen Angaben auf 2.100.
Sunnitischer Politiker fällt Mordanschlag zum Opfer
Ein sunnitischer Politiker in Bagdad ist am Mittwoch einem Mordanschlag zum Opfer gefallen. Die Täter erschossen auch seine drei Söhne und seinen Schwiegersohn, wie ein Sprecher des Innenministeriums mitteilte. Mehrere bewaffnete Männer brachen am Morgen in das am Rand der Hauptstadt gelegene Haus von Chadim Sarhid al Hemaijem ein. Sie hätten Uniformen der irakischen Armee getragen und sofort das Feuer aus Maschinengewehren eröffnet, sagte der Bruder des Attentatsopfers, Hima Sarhid al Hemaijem. Al Hemaijem war der Führer des sunnitischen Batta-Stammes und kandidierte für die Parlamentswahl am 15. Dezember.
Sein ältester Sohn wurde bereits vor einem Monat erschossen. Der Batta-Stamm ist eine der größten und einflußreichsten sunnitischen Gemeinschaften nördlich von Bagdad. Al Hemaijem folgte dem Aufruf der Vereinigteb Staaten an die Sunniten, sich an der bevorstehenden Parlamentswahl zu beteiligen.
Sunnitische Aufständische haben hingegen zum Boykott der Wahl aufgerufen und Politiker bedroht, die für ein Mandat kandidieren. Aufständische hatten am Dienstag auf einer Straße am Stadtrand zunächst einen Polizisten erschossen. Nachdem zahlreiche weitere Beamte am Tatort eingetroffen waren, fuhr ein Selbstmordattentäter mit einem Auto in die Menschengruppe hinein und zündete einen Sprengsatz.