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Irak Warten auf Eigenständigkeit

30.12.2003 ·  Das wohl wichtigste der politischen Ziele der Amerikaner im Irak ist die Übergabe der Macht zum 1. Juli. Daran muß und wird Washington festhalten.

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Das wohl wichtigste der politischen Ziele der Amerikaner im Irak ist die Übergabe der Macht zum 1. Juli. Daran muß und wird Washington festhalten. Sonst würde es die Iraker, die beim Wiederaufbau mit Amerika zusammenarbeiten, gegen sich aufbringen. Gemäßigte Schiiten, wie die Familie al Hakim, waren nur nach dem amerikanischen Versprechen zu einer Zusammenarbeit bereit, so schnell wie möglich abzuziehen und die Macht in irakische Hände zu legen - und das heißt in die der schiitischen Mehrheit. Umstritten bleibt nur das Datum für die ersten freien Wahlen. Der vereinbarte Zeitplan sieht es für Ende 2005 vor. Die höchste schiitische Autorität im Irak, Großajatollah Sistani, fordert Wahlen aber schon 2004. Das Wahlergebnis muß aber nicht dazu führen, daß der Irak zu einer islamischen Republik wird. Da in der Bevölkerung jedoch keine Persönlichkeiten so bekannt und populär sind wie die führenden Geistlichen, werden diese im neuen Irak eine wichtige Rolle spielen. Die Kurden hatten schon deutlich gemacht, daß sie an einer islamischen Republik kein Interesse haben und dann lieber einen eigenen Staat gründen würden.

Erschwert wird der Wiederaufbau durch die anhaltende Unsicherheit. Die Zahl der Anschläge nahm zwar nach der Festnahme Saddam Husseins erheblich ab. Nach einer Pause zur Reorganisation hat sich der "Widerstand" aber in alter Stärke zurückgemeldet. Auffällig ist, daß die bewaffneten Übergriffe der "Loyalisten Saddams" und der Baathisten, über einen längeren Zeitraum gesehen, abnehmen. Dagegen nehmen die sorgfältig vorbereiteten Selbstmordanschläge mit Autobomben, eine Besonderheit des Terrornetzwerks Al Qaida, zu. Auch im kommenden Jahr werden sich die Angriffe wohl weiter von der baathistischen Guerrilla zu islamistischen Extremisten verschieben. Der baathistischen Guerrilla werden die Gelder zur Finanzierung der Anschläge ausgehen, und mit jeder neuen Verhaftung eines baathistischen Widerstandskämpfers wird deren Netz weiter zerschlagen. Das entstehende Vakuum füllen schon jetzt aus dem Ausland einsickernde islamistische Terroristen.

Quelle: Her., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.12.2003, Nr. 303 / Seite 8
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