24.01.2011 · Bei einem Anschlag auf schiitische Pilger im Irak sind am Montag 30 Menschen getötet worden. Wie die Behörden mitteilten, explodierte der Sprengsatz am frühen Morgen auf einem Parkplatz mit Bussen, die auf dem Weg in die Stadt Kerbala waren.
Am Montag sind im Irak abermals viele schiitische Pilger Opfer von Anschlägen geworden, die vermutlich von sunnitischen Extremisten verübt worden sind. Bei zwei Anschlägen nahe Kerbela wurden nach Polizeiangaben mindestens 18 Pilger getötet und 55 weitere verletzt. Schon in den Tagen zuvor waren in der Stadt Dutzende Pilger bei Anschlägen ums Leben gekommen. Ziele der Attentate, die sich anlässlich der hohen schiitischen Feiertage im Irak stets häufen, sind die von den Schiiten verehrten Gräber, etwa in Nadschaf und Kerbela. Al-Qaida-Terroristen betrachten schiitische Muslime als Ungläubige, die Verehrung der Heiligen der Schiiten gilt ihnen als Götzendienst. Zudem gelten ihnen die Schiiten als Parteigänger Irans.
Auch hinter den Anschlägen vom Montag vermutete die irakische Regierung - die 120.000 Polizisten aufgeboten hat, um die Sicherheit der Pilger landesweit zu garantieren - das Terrornetz Al Qaida. Eine erste Bombe detonierte auf einem Busbahnhof etwa 20 Kilometer außerhalb von Kerbela. Von dort werden die Pilger in die Innenstadt gebracht, wo die beiden verehrten Gräber liegen. Die andere Bombe galt Pilgern, die 15 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt in Richtung auf die Gräber marschierten. In einem der Gräber liegt Hussein begraben, im anderen dessen Halbbruder Abbas; beide wurden im Jahr 680 nahe Kerbela in einer Schlacht getötet. Die Schiiten begehen das Martyrium ihrer ersten Glaubensbrüder zunächst an „Aschura“, dann ein weiteres Mal, nach einer geheiligten Zeit der Trauer, 40 Tage danach an „Arbain“ - diesem Dienstag.
Bereits an den Tagen vor den Fest strömen bis zu eine Million Pilger in die heiligen Städte, so dass die Sicherheit der Pilger nicht mehr gewährleistet werden kann. Vor allem Pilger aus Iran sind an diesen Tagen in Kerbela. Am vergangenen Donnerstag wurden in Vororten der Stadt bei drei nahezu gleichzeitigen Anschlägen 45 Menschen getötet und mehr als 150 weitere verwundet. Ein Anschlag wurde von einem Selbstmordattentäter verübt, bei den beiden anderen Anschlägen detonierten Sprengstoffe in Minibussen. Am Freitag nahmen die Sicherheitskräfte der Stadt zwei Verdächtige fest, die zu Al Qaida gehören sollen. 2004 waren beim ersten Aschura nach dem Sturz Saddam Husseins in Kerbela bei einem Anschlag von Al Qaida mehr als 110 Menschen getötet worden.
Die gewöhnliche Kriminalität im Irak ist im vergangenen Jahr erheblich zurückgegangen. „Iraq Body Count“ zählte 2010 einen Rückgang der Getöteten um 15 Prozent und erstmals weniger als 4000 Opfer von Anschlägen und politisch motivierten Morden. Im Durchschnitt seien jeden Tag zwei Bomben explodiert. Einen weiteren Rückgang schließt die Gruppe aber vorläufig aus - denn nicht eingedämmt werden konnten die Anschläge von Al Qaida und Parteigängern des gestürzten Saddam Hussein. Nachdem sie zunächst mehr als neun Monate das Machtvakuum ausgenutzt hatten, das durch die lange Regierungsbildung entstanden war, versuchen sie nun, die Glaubwürdigkeit der neuen Regierung von Ministerpräsident Nuri al Maliki zu untergraben.
Neben Kerbela wurden in den vergangenen Tagen auch schiitische Stadtteile von Bagdad Ziel von Anschlägen. Fünf Autobomben töteten am vergangenen Sonntag in Bagdad sechs Menschen. Eine Bombe hatte iranische Pilger nahe des schiitischen Schreins im Stadtteil Kadhimiya zum Ziel. Das Innenministerium gibt die Zahl der in der vergangenen Woche Getöteten mit 110 an.