26.02.2006 · Sunnitische und schiitische Geistliche rufen im Irak vergeblich auf zum Verzicht auf Gewalt und Angriffen auf heilige Stätten. Am Wochenende kamen bei etlichen Anschlägen mehr als 80 Menschen ums Leben.
Trotz intensiver Bemühungen um ein Ende der jüngsten Gewaltwelle im Irak sind bei Anschlägen am Wochenende mehr als 80 Menschen ums Leben gekommen.
Bei einem Granatenangriff auf eine von Sunniten und Schiiten gemeinsam veranstaltete Demonstration in Bagdad sind am Sonntag abend mindestens elf Menschen getötet worden. Nach Angaben von Ärzten in der irakischen Hauptstadt wurden 34 Demonstranten verletzt, mehrere schwebten in kritischem Zustand.
Vertreter der Schiiten und der sunnitischen Minderheit im Irak hatten gemeinsam zu der Kundgebung im Süden der irakischen Hauptstadt aufgerufen, um nach der Zerstörung der Goldenen Moschee von Samarra am vergangenen Mittwoch die nationale Einheit zu demonstrieren. Zunächst bekannte sich niemand zu dem Angriff.
Angriffe auf heilige Stätten verurteilt
Sunnitische und schiitische Geistliche verständigten sich auf ein Verbot von Tötungen und machten die internationalen Truppen im Land für die Gewalt verantwortlich. In einer gemeinsamen Erklärung verurteilten und verboten sie zudem die Angriffe auf heilige Stätten, die vom Anschlag auf die Goldene Moschee in Samarra am Mittwoch verursacht wurden und bei denen bislang etwa 200 Menschen ums Leben gekommen waren.
Der radikale Schiitenführer Muqtada Sadr rief die Iraker am Sonntag zu Einigkeit auf. Ministerpräsident Dschaafari empfing zudem die Führer der wichtigsten politischen Parteien, nachdem diese zuvor einzeln vom amerikanischen Präsidenten Bush angerufen worden waren, wie der Sender CNN berichtete.
In der Provinz Dijala waren am Samstag 13 Mitglieder einer schiitischen Familie getötet worden. In Kerbela wurden bei einem Autobombenanschlag fünf Menschen getötet. In der Nähe einer sunnitischen Moschee in Bagdad wurden die Leichen von 14 irakischen Polizisten gefunden. Bei einem Anschlag in Bagdad kamen drei Zivilisten um. Bei einem Bombenanschlag auf dem Busbahnhof von Hilla wurden am Sonntag vier Menschen getötet. Für Sonntag verhängte die Regierung ein Fahrverbot in Bagdad.
Sunniten erwägen Rückkehr zu Regierungsverhandlungen
Die sunnitische Eintrachtsfront teilte unterdessen mit, sie werde ihren Rückzug aus den Verhandlungen mit Schiiten und Kurden zur Bildung einer Regierung überdenken. Bedingung sei aber, daß Ministerpräsident Dschaafari sein Versprechen zur Überwindung der Krise wahr mache und die in den vergangenen Tagen zerstörten Moscheen wieder aufbauen lasse.