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Irak Talabani will Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz

13.09.2005 ·  Nach Ansicht des irakischen Präsidenten Talabani könnte Washington bis zum Jahresende 50.000 Soldaten aus dem Irak abziehen. Binnen zwei Jahren wird der Irak in der Lage sein, sich selbst zu verteidigen, sagte Talabani vor seinem Besuch im Weißen Haus.

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Die Vereinigten Staaten könnten nach Ansicht des irakischen Präsidenten Dschalal Talabani bis zum Jahresende bis zu 50.000 ihrer Soldaten aus dem Irak abziehen.

Inzwischen gebe es ausreichend irakische Sicherheitskräfte, die die Kontrolle über Teile des Landes übernehmen könnten, sagte Talabani in einem Interview der „Washington Post“ vom Dienstag.

„Durch unsere eigenen Kräfte ersetzen“

„Die Vereinigten Staaten haben unserer Ansicht nach das volle Recht, einige Truppen aus dem Irak nach Hause zurückzuholen, weil wir sie durch unsere eigenen Kräfte ersetzen können“. Beim heutigen Treffen mit dem amerikanischen Präsidenten George W. Bush werde er über eine Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz sprechen, die sofort beginnen könne. Bis zum Jahresende könnten dann mindestens 40.000 bis 50.000 amerikanische Soldaten den Irak verlassen.

Der irakische Präsident rechnet nach eigenem Bekunden damit, daß sein Land binnen zwei Jahren in der Lage sein wird, sich selbst zu verteidigen. Dies würde die amerikanischen Truppen entlasten, sagte Talabani schon am Sonntag dem Fernsehsender CNN. Er verwies auf die wachsende Zahl irakischer Polizisten und Soldaten. Mit dem fortschreitenden Aufbau der Sicherheitskräfte werde die Last verringert, die die Vereinigten Staaten derzeit zu tragen hätten.

Talabani hatte noch am Freitag vor den Folgen eines sofortigen Abzugs der Truppen gewarnt und sich für eine schrittweise Reduzierung der amerikanischen Militärpräsenz über einen Zeitraum von zwei Jahren ausgesprochen.

Kein konkreter Zeitplan

Die Vereinigten Staaten haben zurzeit etwa 140.000 Soldaten im Irak stationiert und bilden irakische Sicherheitskräfte aus. Das Militär hat jedoch kürzlich die Einsatzfähigkeit der irakischen Truppen in Frage gestellt. Die amerikanische Regierung sieht sich verstärkt Druck aus dem Inland ausgesetzt, die Truppen möglichst schnell nach Hause zu bringen.

Talabani habe keinen konkreten Zeitplan vorschlagen wollen, sagte ein hochrangiger Berater des irakischen Präsidenten der „Washington Post“. Bush hat es bisher abgelehnt, einen Zeitplan für die Truppenreduzierung im Irak festzulegen.

Bei dem Treffen im Weißen Haus dürfte es zudem schwerpunktmäßig um die irakische Verfassung gehen, über die am 15. Oktober in einem Referendum abgestimmt werden soll. Talabani gehört der kurdischen Bevölkerungsgruppe an, die ebenso wie die Schiiten den vorliegenden Verfassungsentwurf unterstützt.

Erheblichen Widerstand dagegen gibt es allerdings unter den Sunniten. Sie kritisieren die vorgesehene Autonomie der Schiitengebiete, weil sie fürchten, von den Ölvorkommen des Irak abgeschnitten zu werden. Nach seinem Besuch in Washington wird Talabani an dem UN-Gipfel in New York teilnehmen.

150 Tote bei Militäroffensive

Am Sonntag waren bei einer Offensive des amerikanischen und irakischen Militärs in der Rebellenhochburg Tall Afar rund 150 mutmaßliche Extremisten getötet worden. Ein amerikanischer Militärsprecher sagte am Sonntag in Bagdad, spätestens Donnerstag werde es keine „Terroristen“ mehr in der nordwestirakischen Stadt geben, die ein Stützpunkt für die Einschleusung ausländischer Kämpfer aus dem benachbarten Syrien sein soll.

Syrien streitet unterdessen jede Verantwortung für die Gewalt im Irak ab. Die Führung in Damaskus reagierte auch empört auf eine Äußerung des irakischen Präsidenten. Talabani hatte der Regierung von Präsident Baschar al-Assad gedroht: „Das Feuer wird wie ein Bumerang zu Euch zurückkommen.“ Die syrische Regierungszeitung „Al-Thawra“ schrieb daraufhin am Sonntag: „Das irakische Volk beschwert sich weniger über die Politik der Nachbarn als über diejenigen, die die Ideen der Besatzer verwirklichen.“

Im Südirak wurde unterdessen ein britischer Soldat bei einem Bombenanschlag getötet. Drei weitere wurden verletzt, teilte das Verteidigungsministerium in London am Sonntag mit. Die Soldaten waren in einem Konvoi unterwegs, als eine Bombe am Straßenrand gezündet wurde.

Quelle: FAZ.NET mit Material von Reuters/AFP/dpa
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