Home
http://www.faz.net/-gq5-utev
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Irak Streit nach Rettung von Waisenkindern aus Bagdader Heim

22.06.2007 ·  Amerikanische und irakische Soldaten hatten 24 fast verhungerte Kinder in einem Heim entdeckt und versorgt. Der irakische Minister Radi bezichtigt nun die Amerikaner, sie wollten sich dadurch lediglich in ein günstiges Licht rücken.

Artikel Bilder (11) Lesermeinungen (17)

Die Rettung von 24 verwahrlosten und fast verhungerten Kindern aus einem Waisenheim in Bagdad hat zu einem Streit zwischen der irakischen Regierung und den Vereinigten Staaten geführt. Der irakische Arbeits- und Sozialminister Mahmud Radi bezichtigte kurz nach Veröffentlichung der Bilder aus dem Waisenheim das amerikanische Militär der „Schamlosigkeit“ und „böser Absichten“.

Amerikanische und irakische Soldaten hatten die nackten und unterernährten Kinder am 10. Juni in dem Waisenheim entdeckt. Die erst am Mittwoch veröffentlichten Bilder von den auf einem harten Betonboden liegenden, zum Teil an ihr Bett gefesselten und apathischen Kindern hatten international Entsetzen und Empörung ausgelöst.

Sich selbst in ein günstiges Licht gesetzt?

Der irakische Minister sagte hingegen am Mittwoch: „Die amerikanischen Streitkräfte haben faktisch die Würde dieser Kinder verletzt. Jene, die diese Durchsuchung durchgeführt haben, gehören vor Gericht gestellt.“ Ihr einziges Ziel sei es gewesen, sich selbst als „Befreier“ in ein günstiges Licht zu rücken.

Radi, der dem regierenden Schiiten-Block Vereinigte Irakische Allianz angehört, kündigte eine „unverzügliche Untersuchung des Vorfalls“ an. Die Soldaten sollten zur Verantwortung gezogen werden. „Die Geschichte, die von den amerikanischen Streitkräften manipuliert wurde, erfordert eine objektive Analyse, gegründet auf logische Argumentation und frei von demagogisch geweckten Emotionen“, sagte der Minister.

Amerikanische und irakische Soldaten waren bei einer Patrouille im Bagdader Bezirk Fadschr auf das Waisenhaus gestoßen. Die zum Teil geistig behinderten Jungen im Alter zwischen 3 und 15 Jahren wurden in fensterlosen Räumen gehalten. Die in Nebenräumen reichlich gefundenen Lebensmittel und Kleider wollte das Personal des Heims anscheinend auf dem Schwarzmarkt verkaufen. Nach ärztlicher Behandlung kehrten die 24 Jungen wieder in ein Waisenheim im Bagdader Stadtteil Atafija zurück, wo sie zuvor schon einmal untergebracht waren.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3