Home
http://www.faz.net/-gq5-u868
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Irak-Strategie Al-Qaida-Führer verhöhnt Bush

23.01.2007 ·  Bin Ladins Stellvertreter Al Zawahiri hat in einer Videobotschaft die Strategie des amerikanischen Präsidenten verhöhnt, den Irak mit mehr Truppen befrieden zu wollen: „Die irakischen Hunde warten ungeduldig darauf, die Überreste Ihrer Soldaten zu verschlingen?“

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Der Terroristenführer Ayman al Zawahiri hat in einer Videobotschaft an die Vereinigten Staaten die neue Strategie von Präsident George W. Bush verhöhnt, den Irak mit mehr Truppen befrieden zu wollen. Zawahiri gehört dem Terrornetz Al Qaida an und gilt als Stellvertreter Usma Bin Ladins. In seiner am Dienstag im Internet veröffentlichten Botschaft schlug er vor, Bush solle statt der 21.500 zusätzlichen Soldaten doch gleich die ganze Armee in den Irak schicken. „Der Irak, das Land des Kalifats und des Heiligen Krieges, ist in der Lage, Grab für zehn Ihrer Armeen zu sein.“ Auch in Afghanistan und Somalia würden die Vereinigten Staaten scheitern, prophezeite Zawahiri.

„Warum entsenden Sie nicht 50.000 oder 100.000 Soldaten“, fragt Zawahiri in der 15 Minuten dauernden Aufnahme. „Wissen Sie nicht, dass die irakischen Hunde ungeduldig darauf warten, die Überreste Ihrer Soldaten zu verschlingen?“

„Die Sicherheit muss geteilt werden“

Präsident Bush hatte vor kurzem seine neue Irak-Strategie vorgestellt, die die Entsendung von 21.500 zusätzlichen Soldaten vorsieht. In seiner jährlichen Rede zur Lage der Nation vor beiden Häusern des Kongresses will Bush am Dienstag (Ortszeit) um Zustimmung für seine Pläne werben, die selbst von republikanischen Parteifreunden scharf kritisiert werden.

Al Qaida und die Taliban hätten dafür gesorgt, dass die Vereinigten Staaten nicht auf einen „sicheren Hafen“ in Afghanistan zählen könnten, sagte Zawahiri weiter. „Die Sicherheit muss geteilt werden: Wenn wir sicher sind, werden sie es auch sein. (...) Wenn wir getroffen und getötet werden, werden sie unausweichlich auch getroffen und getötet werden.“ Heutzutage sei es die Pflicht eines jeden Muslims, „Waffen zu tragen, oder die zu unterstützen und ihnen zu dienen, die Waffen tragen“.

Zawahiri warf den Vereinigten Staaten zudem vor, hinter der Stationierung äthiopischer Truppen in Somalia zu stehen. Die islamistischen Milizen würden den Äthiopiern „das Rückgrat brechen“, kündigte er an. Bush habe seine „äthiopischen Sklaven in ein wahres Desaster“ geführt. In einer Anfang Januar veröffentlichten Botschaft hatte Zawahiri die somalischen Islamisten aufgefordert, wie die Aufständischen im Irak und Afghanistan vorzugehen. Die Vereinigten Staaten hatten vor kurzem ein mutmaßliches Al-Qaida-Versteck in Somalia bombardiert. Dabei waren nach amerikanischen Angaben mindestens acht Menschen getötet worden.

Zunächst war unklar, wann das Video mit Zawahiri aufgenommen wurde. Auch die Authentizität der Aufnahme konnte von unabhängiger Seite zunächst nicht bestätigt werden. Der Stellvertreter Bin Ladins meldet sich immer wieder auf diese Weise zu Wort. Der in Ägypten geborene Al-Qaida-Vize gilt als ideologischer Vordenker der Terrorgruppe. Auf Hinweise, die zu seiner Verhaftung oder seinem Tod führen, haben die Vereinigten Staaten ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt.

CNN: Amerikanischer Hubschrauber wurde abgeschossen

Unterdessen berichtete der amerikanische Fernsehsender CNN, dass der Absturz eines amerikanischen Kampfhubschraubers über Bagdad durch feindliches Feuer verursacht worden sei. Der Helikopter sei am Samstag höchstwahrscheinlich von einer tragbaren Flugabwehrrakete getroffen worden, zitierte der Fernsehsender am Montag nicht identifizierte Regierungsvertreter. Die Absturzursache werde zwar noch untersucht, doch deuteten die Trümmer auf Raketenbeschuss.

Zu dem Abschuss bekannte sich eine irakische Extremistengruppe, die in Verbindung zu Al Qaida steht. Das Schreiben wurde auf einer Internet-Seite veröffentlicht, die häufig von islamistischen Extremisten genutzt wird. Die Echtheit konnte jedoch zunächst nicht festgestellt werden.

Bei dem Absturz des Hubschraubers vom Typ „Black Hawk“ waren alle zwölf Soldaten an Bord getötet worden. Insgesamt waren am Samstag 25 amerikanische Soldaten ums Leben gekommen.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Von dir die Fregatte, von mir die Drohne

Von Thomas Gutschker

Verteidigung ist eine nationale Angelegenheit? Die Wirklichkeit hat sich längst geändert. Die Armeen der Nato-Partner müssen zusammenarbeiten. Kein Land ist mehr autark. Mehr 3