13.03.2006 · Im Prozeß gegen Saddam Hussein und sieben weitere Mitglieder der früheren irakischen Führung hat erstmals ein Angeklagter zugegeben, an der Hinrichtung von 148 Schiiten aus Dudschail beteiligt gewesen zu sein.
Im Prozeß gegen Saddam Hussein und sieben weitere Mitglieder der früheren Führung hat erstmals ein Angeklagter seine Beteiligung an der Hinrichtung von 148 Schiiten aus der irakischen Kleinstadt Dudschail zugegeben. Der frühere Richter des Revolutionsgerichts Awad al Bandar sagte am Montag vor dem Sondertribunal, er habe die Männer zum Tode verurteilt, weil sie an dem versuchten Attentat auf Saddam in Dudschail beteiligt gewesen seien.
Wie drei ehemalige Parteiführer, die zuvor ihre Aussage gemacht hatten, sagte auch der frühere Vizepräsident Taha Jassin Ramadan, er habe mit den Ereignissen in Dudschail nichts zu tun gehabt. Er beklagte sich zudem darüber, daß ihn amerikanische Ermittler nach seiner Festnahme geschlagen, mit eiskaltem Wasser übergossen und gezwungen hätten, stundenlang zu stehen.
Streit über die richtige Taktik
In der amerikanischen Militärführung gab es nach einem Bericht der Zeitung „New York Times“ in den ersten Tagen der Irak-Invasion im März 2003 erhebliche Meinungsverschiedenheiten über die Taktik. Der Oberbefehlshaber des Feldzugs, General Franks, habe mit der Entlassung des Generalleutnants gedroht, der die Truppen auf dem Marsch nach Bagdad befehligte, weil dieser den Vormarsch verzögern und zunächst die Fedajin-Milizen Saddams schlagen wollte, berichtete die Zeitung am Montag. Viele von ihnen hätten sich inzwischen den Aufständischen angeschlossen.
Nach der Anschlagsserie mit 58 Toten und mehr als 200 Verletzten im Bagdader Schiitenviertel Sadr City am Sonntag sind bei Bombenexplosionen am Montag weitere zehn Menschen ums Leben gekommen. Mehrere der Anschläge in Bagdad, Kirkuk und Takrit hatten Polizeipatrouillen zum Ziel.
Sadr: Wollen keinen Bürgerkrieg
Schiiten und Sunniten riefen unterdessen die Bevölkerung zu Ruhe und Einigkeit auf. Präsident Talabani sagte, Terroristen, die einen Bürgerkrieg herbeiführen wollten, versuchten, das Machtvakuum vor der anstehenden Regierungsbildung auszunutzen.
Der radikale Schiitenprediger Muqtada Sadr will auch nach den jüngsten Attentaten gegen seine Anhänger keine Angriffe auf sunnitische Extremisten anordnen. Zwar könnte er seiner Miliz befehlen, „Terroristen und Fundamentalisten aufzustöbern“, sagte Sadr am Montag. „Aber das würde uns in einen Bürgerkrieg führen, und das wollen wir nicht.“ Er mache die amerikanisch geführten Besatzungstruppen für die Anschläge verantwortlich.