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Irak Saddam-Prozeß nach Tumult vertagt

13.02.2006 ·  Nach seinem Verfahrensboykott ist der frühere irakische Diktator Saddam Hussein unter Zwang dem Sondertribunal in Bagdad vorgeführt worden. Er störte daraufhin den Prozeß mit Zwischenrufen und Beschimpfungen. Das Gericht vertagte den Prozeß auf Dienstag.

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Das irakische Sondertribunal hat das Verfahren gegen den ehemaligen Machthaber Saddam Hussein auf Dienstag vertagt. Zum Prozeßtag am Montag war Saddam zuvor unter Zwang vorgeführt worden. Auch zwei hochrangige Mitarbeiter seiner damaligen Regierung erklärten, zum Erscheinen vor dem Sondertribunal gezwungen worden zu sein. Sie weigerten sich als Zeugen auszusagen.

Der Prozeß gegen den früheren Machthaber und die sieben Mitangeklagten hatte mit chaotischen Szenen begonnen. Saddam schrie „Nieder mit Bush!“ und „Gott ist groß, lang lebe der Irak!“. Dem Richter Rauf Raschid Abdul Rahman, der dagegenhielt, rief er zu: „Schande über dich, Rauf!“. Saddams Halbbruder, der diesmal in einem zerknitterten, langärmeligen, weißen T-Shirt erschien, störte mit Zwischenrufen. „Setz dich, setz dich!“, schrie ihn der Richter an.

Die Anwälte sind nicht gekommen

„Üben Sie ihr Recht aus, in Abwesenheit über mich zu richten“, forderte Saddam Hussein den Vorsitzenden Richter Rauf Abdul Rahman auf. Seine Verteidiger hatten angekündigt, den Prozeß so lange zu boykottieren, bis Rahman durch einen anderen Richter ersetzt werde. „Kann ein Gericht einen Angeklagten zwingen, ohne Anwälte an einer Verhandlung teilzunehmen?“, fragte Hussein. Rahman verwies auf die vom Gericht bestellten Pflichtverteidiger. „Das Gericht hat Ihre Anwälte nicht hinausgeworfen. Sie sind nicht gekommen.“

Die Verteidigung hält Rahman, der erst im Januar seinen überforderten Vorgänger ersetzt hatte, für befangen. Zum letzten Verhandlungstermin am 2. Februar war keiner der Angeklagten vor Gericht erschienen, nachdem es schon bei der ersten Sitzung unter Leitung Rahmans zum Eklat gekommen war: Saddam Hussein und drei weitere Angeklagte verließen unter Protest den Verhandlungssaal, weil Rahman einen Verteidiger wegen Gerichtsbeleidigung hinausgeworfen hatte.

Untergebene sagen aus

Am Montag saßen sie alle wieder auf der Anklagebank. Sie müssen sich in dem ersten Verfahren des Sondertribunals für die Verbrechen des alten Regimes wegen der Hinrichtung von 148 Bewohnern der schiitischen Kleinstadt Dudschail im Jahr 1982 verantworten.

In dem Prozeß sollen nun auch erstmals Untergebene des ehemaligen Diktators aussagen. Der Fernsehsender Al-Irakija berichtete, unter den geladenen Zeugen seien ein früherer Chef des Präsidentenbüros sowie ein ehemaliger Geheimdienstchef.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, AFP
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