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Irak Saddam Hussein erscheint nicht vor Gericht

07.12.2005 ·  Der frühere irakische Machthaber weigert sich, weiter am Prozeß gegen ihn und sieben Mitangeklagte teilzunehmen. Mit den Worten „Fahrt zur Hölle“ soll Saddam Hussein seine Haftbedingungen beklagt haben.

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Der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein hat sich geweigert, am Mittwoch am Prozeß gegen ihn und sieben Mitangeklagte teilzunehmen. Nach Angaben von Reportern im Gerichtssaal beklagte er sich über schlechte Haftbedingungen und kündigte an, den Prozeß zu boykottieren. „Ich werde mich diesem ungerechten Tribunal nicht stellen! Fahrt zur Hölle!“ rief er.

Der Prozeß gegen ihn und seine ehemalige Getreuen verzögerte sich. Nach einer mehrstündigen Pause, in der sich die Anwälte berieten, wurden am Mittwoch zunächst weitere Zeugen vernommen. Das Verfahren kann auch ohne die Anwesenheit der Angeklagten stattfinden, so lange deren Verteidiger teilnehmen. Danach wurde die Verhandlung auf den 21. Dezember vertagt.

Saddams Halbbruder: „Fühle mit den Opfern“

Zuvor hatte ein Mann verborgen von einem Vorhang geschildert, wie ein Mitgefangener aus Dedscheel im Gefängnis von Abu Ghraib von Beamten des Saddam-Regimes zu Tode gefoltert worden sei. Saddam und sieben weitere frühere Funktionäre seines Regimes sind wegen eines Massakers in der schiitischen Kleinstadt Dedscheel 1982 angeklagt.

Video: Saddam erscheint nicht vor Gericht

Saddams Halbbruder Barsan al Takriti, der von den Einwohnern des Ortes als einer der Hauptverantwortlichen für das Massaker angesehen wird, sagte über die Opfer von Dedscheel: „Ich fühle mit ihnen.“ Er selbst habe mit den Hinrichtungen und Mißhandlungen nichts zu tun gehabt, „denn ich war weder für die Sicherheitskräfte noch für die Partei verantwortlich“.

Zeugen des Massakers berichten

Schon am Dienstag hatte das Gericht mehrere Stunden lang Zeugen angehört, die berichteten, wie sie einst von Saddams Schergen gefoltert worden waren. 148 Menschen wurden damals in dem Schiitendorf getötet.

In Saddams Heimatdorf Audscha demonstrierten am Mittwoch Angehörige seines Clans für die Freilassung des einstigen Gewaltherrschers. Dagegen versammelten sich in Bagdad Tausende von Anhängern des radikalen Schiiten-Predigers Muqtada Sadr zu einer Demonstration gegen Saddam Hussein. Unter dem Eindruck der Zeugenaussagen forderten sie seine sofortige Hinrichtung.

Neffe Saddams verurteilt

Das amerikanische Militär berichtete, ein Gericht in Bagdad habe einen Neffen von Saddam Hussein wegen Waffenbesitzes und illegalen Grenzübertritts zu 21 Jahren Haft verurteilt.

Ajman Sabawi war im vergangenen Mai in der Nähe seiner Heimatstadt Takritverhaftet worden. Sabawi hatte nach Einschätzung der Amerikaner eine wichtige Rolle bei der Unterstützung von Aufständischen gespielt.

Angriff von Aufständischen

Im nordirakischen Kirkuk stürmten 20 Aufständische ein Krankenhaus und töteten dabei drei Polizisten. Nach Polizeiangaben befreiten die Angreifer einen Mann, der an einem Attentatsversuch auf den Untersuchungsrichter Raed Juhi beteiligt gewesen sein soll. Juhi hatte die ersten Vernehmungen mit Saddam vor Prozeßbeginn geleitet.

Bei einem Selbstmordattentat in einem Teehaus südlich von Bagdad wurden drei Menschen getötet. Wie der Nachrichtensender Al-Arabija weiter meldete, wurden 20 weitere Iraker verletzt, als sich der Terrorist inmitten der Gäste in die Luft sprengte. Das amerikanische Militär berichtete derweil, ein amerikanischer Marineinfanterist sei am Dienstag bei einem Sprengstoffanschlag im Westirak getötet worden.

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