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Irak Saddam Hussein bezichtigt Weißes Haus der Lüge

22.12.2005 ·  Im Prozeß gegen Saddam Hussein hält der frühere irakische Diktator den Vorwurf aufrecht, im amerikanischen Gewahrsam mißhandelt worden zu sein. Saddam wurde abermals von Zeugen belastet, Folter befohlen zu haben.

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Der frühere irakische Machthaber Saddam Hussein erhält den Vorwurf aufrecht, in amerikanischen Gewahrsam geschlagen und mißhandelt worden zu sein. Vor dem Sondergericht in Bagdad sagte Saddam Hussein am Donnerstag, wenn das Weiße Haus in Washington dies bestreite, lüge es genauso wie vor dem Irakkrieg, als es Bagdad des Besitzes von Chemiewaffen beschuldigt habe.

„Sie haben gesagt, daß ich Verbindungen zum Terrorismus hatte und später eingestanden, daß ich keine hatte“, fügte der frühere Präsident hinzu. Die von den Mißhandlungen stammenden Verletzungen habe er von drei amerikanischen Ärzteteams untersuchen lassen.

Washington nennt Saddams Foltervorwürfe „zynisch“

Das amerikanische Präsidialamt hatte am Mittwoch die Foltervorwürfe Husseins als „absurd“ zurückgewiesen. „Das ist eines der absurdesten Dinge, die ich von Saddam Hussein in letzter Zeit gehört habe“, sagte Präsidialamtssprecher McClellan in Washington. „Saddam Hussein wird völlig anders behandelt als jene, die er inhaftieren und foltern ließ, nur weil sie ihre Meinung geäußert haben.“ Angesichts der Grausamkeit des Saddam-Regimes sei es „hochgradig zynisch“, daß der frühere Staatschef nun derartige Beschuldigungen erfinde.

Schon am Mittwoch hatte Saddam Hussein vor Gericht gesagt: „Jede Stelle meine Körpers ist geschlagen worden, und die Male sind auf meinem ganzen Körper zu sehen.“

Foltervorwürfe gegen Saddam

In Bagdad wird der Prozeß gegen ihn und sieben weitere Angeklagte im Zusammenhang mit einem Massaker an Schiiten fortgesetzt. Saddam hatte sich noch Anfang Dezember geweigert, weiter vor Gericht zu erscheinen, das er als illegal betrachtet. Er ist wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt. Ihm droht bei einer Verurteilung der Tod durch den Strang.

Die Angeklagten waren am Mittwoch mit den bislang eindringlichsten Aussagen in dem Prozeß um das Massaker an mehr als 148 Bewohnern in dem schiitischen Dorf Dudschail von 1982 konfrontiert worden. Der Zeuge Ali Hassan al Haidari war damals nach eigener Darstellung 14 Jahre alt. Er sagte aus, daß unter Saddam sein Bruder hingerichtet und seine Familie verhaftet worden sei. Er sei in das Hauptquartier von Saddams Baath-Partei in Dudschail gebracht worden, vor dem neun Leichen gelegen hätten. Von dort habe man ihn in Saddams berüchtigte Geheimdienstzentrale in Bagdad verlegt, wo er schreckliche Folterungen beobachtet habe. Unter anderem hätten die Wächter die Gefangenen mit Elektroschocks gequält. Ferner hätten sie Plastikschläuche geschmolzen, den flüssigen Kunststoff auf die Körper ihrer Opfer tropfen und dort hart werden lassen.

Saddam distanzierte sich von Foltervorwürfen, die sich gegen ihn selbst richteten. Diejenigen, die die Zeugen mißhandelt hätten, müßten bestraft werden, sagte er. „Wenn ich höre, daß einem Iraker Schmerz zugefügt wurde, schmerzt es mich.“

„Mache Saddam direkt verantwortlich“

Den Folterungen habe der Mitangeklagte und gefürchtete frühere Geheimdienstchef Barsan Ibrahim al Tikriti beigewohnt, sagte Haidari. Saddam sei jedoch mitschuldig, da er die Taten angeordnet habe. „Zu der Zeit hat niemand von sich aus gehandelt, außer es gab Befehle von Saddam. Ich mache Saddam direkt dafür verantwortlich, mich und meine Familie gefangengehalten und meine Zukunft ruiniert zu haben.“

Ein weiterer Zeuge berichtete, er sei mit Elektroschocks malträtiert worden. Während er in der Folterkammer der Geheimdienstzentrale in Todesangst geschrien habe, habe Barsan daneben gesessen und Trauben gegessen. Begonnen hatte der Prozeß gegen Saddam am 19. Oktober. Er war aber seitdem dreimal vertagt worden. Die Sicherheitsvorkehrungen sind enorm, nachdem zwei Anwälte von Saddam getötet worden waren.

Richter verteidigt seinen Verhandlungsstil

Der Vorsitzende Richter, der Kurde Risgar Mohammed Amin, sah sich derweil genötigt, seinen von vielen Irakern als zu nachgiebig empfundenen Stil im Gerichtssaal zu verteidigen. „Wenn ich im Gericht sitze, geht mir nur sehr wenig durch den Kopf, denn meine Gedanken kreisen alleine darum, wie man der Gerechtigkeit Genüge tun kann, denn Gott beobachtet das Tun des Richters“, sagte er der irakischen Zeitung „Al-Bajina Al-Jadida“. Er bemühe sich stets um Neutralität und es sei für ihn auch nichts Außergewöhnliches, über Saddam Hussein zu urteilen. „Diejenigen, die meinen Stil bei der Prozeßführung kritisieren, wissen nichts darüber, wie sich ein Richter zu benehmen hat.“

Amin betonte, auch wenn er es Saddam erlaube, sich im Gerichtssaal zu politischen Themen zu äußern, so halte er sich selbst von der Politik fern. „Wenn der Richter die Tür zur Politik betritt, dann verläßt er automatisch die Tür, die zur Justiz führt.“

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