Nach der Entführung der Leiterin der Iraker Sektion von Care International hat die Hilfsorganisation ihre Arbeit in dem Land ausgesetzt. Die sagte der Chef von Care International Australien, Robert Glasser, am Mittwoch im Fernsehen.
Care Australien, das die Arbeit der Organisation im Irak koordiniert, tue alles, um die Freilassung von Hassan zu erreichen, betonte Glasser. Er vermute, daß sie unverletzt sei. Die Entführung hat international Sorge und Entsetzen ausgelöst. EU-Entwicklungskommissar Poul Nielson sprach von einem schweren Schlag für die humanitäre Hilfe und die bedürftige Bevölkerung im Irak. Ein Motiv und mögliche Forderungen sind bislang nicht bekannt.
Video, aber kein Bekenntnis der Entführer
Die im irischen Dublin geborene Frau ist mit einem Iraker verheiratet. Im Irak leistet sie seit mehr als 25 Jahren humanitäre Hilfe. Hassan hat sowohl die britische als auch die irakische Staatsbürgerschaft. Der arabische Nachrichtensender Al Dschasira sendete Ausschnitte aus einem Video, das die Kidnapper gedreht hatten. Das Band zeigt Hassan in einem Zimmer, in einem Lehnstuhl sitzend, sowie Ausweise der Frau. Der Sender nannte weder den Namen der Entführer noch eventuelle Forderungen.
Care, eine der weltweit größten unabhängigen Hilfsorganisationen und im Nachkriegsdeutschland vor allem wegen der Care-Paket-Hilfsaktion in Erinnerung, unterhält in Bagdad ein Büro mit 30 Angestellten. Diese seien allesamt Iraker. Der britische Premierminister Tony Blair verurteilte die Entführung. Hassan habe sich im Irak aufgehalten, um den Menschen dort zu helfen, sagte Blair.
Erst vor drei Wochen waren zwei Mitarbeiterinnen einer italienischen Hilfsorganisation nach dreiwöchiger Entführung im Irak wieder freigekommen. Vor rund zwei Wochen hatten Aufständische im Irak eine britische Geisel enthauptet. In den vergangenen Monaten wurden im Irak immer wieder Ausländer entführt, mindestens 35 von ihnen wurden getötet.
