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Irak „Kein Gefängnis im Irak entspricht internationalen Standards“

11.04.2005 ·  Meist ohne formale Anklage halten die amerikanische und die irakische Armee mehr als 17.000 Frauen und Männer im Irak gefangen. Der irakische Menschenrechtsminister Amin kritisiert die Haftbedingungen.

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Die amerikanischen und irakischen Streitkräfte halten im Irak mehr als 17.000 Frauen und Männer gefangen. Rund zwei Drittel dieser Häftlinge werden als „Sicherheitsgefangene“ eingestuft. Sie sitzen ohne offizielle Anklage in von den Vereinigten Staaten geführten Gefängnissen ein, sagte der für Gefangenenfragen im Irak zuständige Sprecher der amerikanischen Armee, Guy Rudisill.

Das andere Drittel sitze in irakisch geführten Gefängnissen ein. Nach Angaben des scheidenden irakischen Menschenrechtsministers Bachtiar Amin herrschen dort Bedingungen, die weit unterhalb internationaler Standards lägen und dringender Reformen bedürften.

Fälle von Gefangenen-Mißhandlungen

„Keine dieser Haftanstalten entspricht internationalen Standars für Sauberkeit, Essen und die Behandlung von Gefangenen“, sagte Amin. Auch die Gebäude entsprächen nicht den Normen. „Wir haben um internationale Hilfe gebeten.“ Amin gestand ein, daß es Fälle von Gefangenen-Mißhandlungen durch irakische Sicherheitskräfte gegeben habe, wie sie die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch und das amerikanische Justizministerium angeprangert hatten. Sein Ministerium werde demnächst einen Bericht dazu vorlegen.

Dem Minister zufolge zählen die 18 irakisch geführten Gefängnisse derzeit insgesamt rund 6.500 Insassen, sowohl „gewöhnliche Straftäter als auch Terroristen“. Von ihnen seien knapp 2.600 bereits verurteilt. Etwa 130 der Insassen seien Frauen. Die britische Armee im Irak halte lediglich 27 Menschen gefangen.

Bedeutende Häftlinge in Camp Cropper

In den amerikanischen Gefängnissen im Irak sitzen nach Angaben von Rudisill rund 10.700 Menschen ein. Rund 6.000 davon seien im Gefängnis Camp Bucca inhaftiert, wo Anfang April bei einem Aufstand 16 Insassen verletzt wurden. Knapp 3.500 weitere Häftlinge sitzen im Abu-Ghraib-Gefängnis ein, das wegen der dortigen Gefangenenmißhandlungen durch amerikanische Soldaten international bekannt wurde.

In anderen Gefängnissen sind noch einmal rund tausend Häftlinge untergebracht; 114 bedeutende Häftlinge wie der frühere Machthaber Saddam Hussein sind im Camp Cropper am Flughafen von Bagdad eingesperrt.

Verstärkte Einsätze

Vor den Kämpfen gegen Aufständische in der sunnitischen Widerstandshochburg Falludscha im vergangenen November hatte es in den irakischen Gefängnissen nach offiziellen Angaben 5.000 Insassen gegeben. Seit dem Bekanntwerden der Vorfälle in Abu Ghraib im Frühjahr 2004 waren zahlreiche Gefangene aus den überfüllten Haftanstalten entlassen worden.

Die jetzige hohe Zahl an Gefangenen ergibt sich nach Angaben des amerikanischen Leutnants Adam Rondeau aus den verstärkten Einsätzen vor den irakischen Wahlen Ende Januar und aus der gestiegenen Zahl irakischer Sicherheitskräfte. Die Gefängnisse würden ständig überprüft, um die Haftbedingungen zu verbessern, sagte Rondeau.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP
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