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Irak Irakische Nationalkonferenz schickt Delegation nach Nadschaf

16.08.2004 ·  In Nadschaf gehen die Kämpfe zwischen Anhängern des radikalen Predigers Al Sadr und amerikanischen Truppen weiter. Die irakische Nationalkonferenz will eine Delegation in die umkämpfte Stadt schicken.

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Die irakische Nationalkonferenz hat am Montag in Bagdad beschlossen, eine Delegation in das umkämpfte Nadschaf im Südirak zu schicken. Sie soll den aufständischen Schiitenprediger Muqtada Sadr davon überzeugen, seine Kämpfer aus dem Schrein des Imam Ali abzuziehen und seine sogenannte Mahdi-Miliz in eine politische Partei zu verwandeln.

Der Vorschlag zu einer solchen Initiative war von dem schiitischen Kleriker Hussein Sadr aus Bagdad eingebracht worden, einem entfernten Verwandten Muqtadas. Er wurde durch eine Abstimmung per Handzeichen angenommen. Der arabische Nachrichtensender Al Dschazira zitierte Hussein Sadr mit den Worten: "Es gibt unverletzbare Bedingungen in zivilisierten Ländern, insbesondere, daß kein Platz für bewaffnete Milizen ist."

Anwendung von Gewalt verurteilt

Die Nationalkonferenz, die am Sonntag zusammengetreten war, soll bis Dienstag einen Nationalrat wählen, der als vorläufiges Parlament fungiert, Wahlen im Januar vorbereitet und - zumindest teilweise - die Übergangsregierung kontrolliert. Schon am Sonntag waren die Beratungen der mehr als 1100 Delegierten jedoch von der Krise in Nadschaf geprägt worden, wo sich Sadrs Milizen in der vergangenen Woche harte Gefechte mit irakischen und amerikanischen Einheiten geliefert hatten.

Die Zeitung "Washington Post" berichtete, viele Sprecher hätten die Anwendung von Gewalt gegen Sadr verurteilt. Ein Delegierter habe zum Ausdruck gebracht, daß die Ereignisse in Nadschaf wesentlich wichtiger seien als die Konferenz in Bagdad; ein anderer habe das Vorgehen gegen Sadr mit der Niederschlagung von Schiitenaufständen durch Saddam Hussein verglichen. Protest sei nicht nur von Schiiten gekommen, sondern auch von sunnitischen Teilnehmern.

An der Konferenz nehmen Vertreter von Parteien, Religionen, Stämmen und Nichtregierungsorganisationen aus allen irakischen Provinzen teil. Ursprünglich waren 1000 Delegierte geladen. Die Vereinten Nationen hatten aber die Einladung von 300 weiteren Personen erreicht, die aus Gruppen stammen, die als unterrepräsentiert galten. Eine Gruppe von mehr als 100 Delegierten, die die Konferenz zunächst aus Protest gegen die Vorgänge in Nadschaf verlassen wollten, blieb zunächst doch am Tagungsort.

Politischen Dialog gefordert

Am Sonntag hatte sich schon eine vierköpfige Delegation der Konferenz mit Ministerpräsident Allawi getroffen, die ihm einen von schiitischen und nichtschiitischen Teilnehmern verfaßten Brief präsentierte, in dem ein Waffenstillstand und ein politischer Dialog in Nadschaf gefordert wurden. Das schien die Regierung, die noch am Wochenende ein hartes Vorgehen gegen Sadr angekündigt hatte, dazu bewegt zu haben, noch einmal Raum für Verhandlungen zu lassen.

Wael Abdul Latif, der Minister für regionale Angelegenheiten, wurde mit den Worten zitiert, es gebe Zeit für eine friedliche Lösung, die Tür dazu sei aber nicht lange offen. Der UN-Sondergesandte für den Irak, Ahraf Qazi, sagte der BBC, die Vereinten Nationen seien zu einer Vermittlung bereit, wenn sie darum gebeten würden. Der iranische Außenminister Charrasi ersuchte UN-Generalsekretär Annan in einem Telefonat um ein Einschreiten der UN. Auch der Vatikan bot seine Dienste an.

Die Regierung hatte am Wochenende wissen lassen, daß fortan irakische Einheiten, insbesondere die neue Armee des Landes, die Kämpfe in Nadschaf anführen würden. Die amerikanischen Truppen, die in Nadschaf stationiert sind, sollen insbesondere nicht bei möglichen Kämpfen in der Moschee zum Einsatz kommen. Es wird befürchtet, daß dies zu Aufruhr in der islamischen Welt führen könnte, da der Schrein des Imam Ali eines der größten Heiligtümer des Schiitentums ist. Aus dem gleichen Grund wollen die Amerikaner nun offenbar auch davon absehen, Sadr gezielt zu töten oder gefangenzunehmen.

Ausländischer Journalist vermißt

Nach einem Bericht der "New York Times" hatten die Befehlshaber der amerikanischen Truppen in Nadschaf zunächst vor, ihren Belagerungsring um die Altstadt und die Moschee enger zu ziehen. Am Montag wurde gemeldet, amerikanische Panzer seien näher auf den Schrein vorgerückt; es sei zu Kämpfen gekommen. Bei vereinzelten Gefechten waren am Sonntag zwei amerikanische Soldaten in Nadschaf getötet worden, ein weiterer kam in der Provinz Anbar um. Die Agentur Reuters berichtete, Tausende Demonstranten hätten sich Sadr als "menschliche Schutzschilde" angeboten.

In Nassirija wurde ein ausländischer Journalist vermißt, der die amerikanische und französische Staatsbürgerschaft haben soll; womöglich wurde er entführt. Der irakische Präsident Ghasi el Jawar reiste unterdessen in die Türkei. Es war sein erster Auslandsbesuch seit der Machtübernahme. Der Irak wolle die Beziehungen "zum Bruderland Türkei" auf allen Ebenen ausbauen, sagte der irakische Präsident in Ankara.

Quelle: nbu. / Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.08.2004, Nr. 190 / Seite 2
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