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Irak Hohe Strafen für Kriegsverbrechen amerikanischer Soldaten

05.08.2007 ·  Amerikanische Militär- und Zivilgerichte sind seit Monaten mit Kriegsverbrechen von Soldaten im Irak beschäftigt. Mord und Vergewaltigung werden mit hohen Haftstrafen geahndet - und vielleicht sogar mit der Todesstrafe für den Hauptangeklagten.

Von Matthias Rüb, Washington
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Die Verbrechen einer Einheit der 101. Luftlandedivision des amerikanischen Heeres in Mahmudija südlich von Bagdad beschäftigen die Militär- und Zivilgerichte im amerikanischen Bundesstaat Kentucky und die irakische Öffentlichkeit seit Monaten. Am Samstag wurde der 22 Jahre alte Gefreite Jesse Spielman von einem Militärgericht in Fort Campbell zu 110 Jahren Haft wegen seiner Beteiligung an dem Massaker verurteilt. Im November war der Gefreite James Barker wegen der Vergewaltigung und Ermordung eines 14 Jahre alten Mädchens zu 100 Jahren Haft verurteilt worden.

Der 23 Jahre alte Soldat hatte sich als erster seiner Einheit schuldig bekannt und sich zur Aussage gegen drei weitere Angeklagte bereit erklärt, um der drohenden Todesstrafe zu entgehen. Als zweiter Angehöriger der Einheit wurde im Februar der 24 Jahre alte Feldwebel Paul Cortez zu 90 Jahren Gefängnis verurteilt. Er hatte mit der Anklage eine ähnliche Übereinkunft geschlossen wie Barker und damit erreicht, dass auf die Forderung nach der Todesstrafe verzichtet wurde.

Teilgeständnis, um der Todesstrafe zu entgehen

Spielman hatte sich zunächst als nicht schuldig bekannt, war aber später auf die gleiche Verhandlungslinie wie seine beiden zuvor schon von einem militärischen Geschworenengericht verurteilten Kameraden eingeschwenkt und legte ein Teilgeständnis ab. Nach Aussagen seines Anwaltes war er weder an der Vergewaltigung des Mädchens noch an dessen Ermordung und am Massaker an deren Familienangehörigen beteiligt.

Weiterhin als nicht schuldig bezeichnet sich der vierte Soldat der Einheit, der frühere Gefreite Steven Green. Dem 21 Jahre alten Green, der wegen „Persönlichkeitsstörungen“ aus den Streitkräften entlassen worden war, droht im Falle einer Verurteilung durch ein Zivilgericht die Todesstrafe. Seine drei von Militärgerichten verurteilten ehemaligen Kameraden werden bei dem Verfahren gegen den Rädelsführer Green aussagen.

Vergewaltigung und Mord einer ganzen Familie

Ihm wird zur Last gelegt, am 12. März 2006 in Mahmudija ein 14 Jahre altes Mädchen vergewaltigt und ermordet zu haben. Auch die Eltern und die sechs Jahre alte Schwester des Mädchens haben die Soldaten ermordet und deren Leichen zur Vertuschung der Tat verbrannt. Sie sollen das Verbrechen geplant haben, als sie Whiskey tranken und Karten spielten. Green soll das Mädchen als erster vergewaltigt und später sie und ihre Angehörigen erschossen haben.

Das Justizministerium hat wissen lassen, dass es in dem Verfahren gegen Green bei einem Schuldspruch an der Forderung nach der Todesstrafe festhalten werde. Im Irak zeigten sich Verwandte der getöteten Familie enttäuscht über das jüngste Urteil. „Wir hatten die Todesstrafe für diese Verbrecher erwartet, und der Ort, um sie zu vollstrecken, hätte der Ort des Verbrechens sein müssen“, sagte ein Cousin des vergewaltigten Mädchens der Nachrichtenagentur Reuters.

Schon in zehn Jahren Aussicht auf Bewährung

Bürgermeister Muaid al Aamiri begrüßte das Urteil, weil es abschreckende Wirkung haben werde. Auch er forderte die Todesstrafe. Das Massaker hatte international Empörung hervorgerufen. Der irakische Ministerpräsident Maliki hatte gefordert, die Immunität der ausländischen Soldaten aufzuheben und sie den irakischen Behörden zu übergeben.

Obschon das Strafmaß hoch erscheinen mag, haben die drei Männer Aussicht, bei guter Führung nach zehn Jahren Gefängnis auf Bewährung freigelassen zu werden. Allein Green, sollte ihm die Todesstrafe erspart bleiben, dürfte bei seiner als sicher erwarteten Verurteilung für den Rest seines Lebens im Gefängnis bleiben.

Beginn der Anhörungen über das Massaker in Haditha

Am Freitag wurde mit der Verhängung von 15 Jahren Haft gegen den Feldwebel Lawrence Hutchins das Verfahren wegen der Ermordung eines irakischen Zivilisten in Hamdanija abgeschlossen. Der 23 Jahre alte Marineinfanterist hatte zusammen mit einem anderen Soldaten nach der erfolglosen Suche nach einem Terrorverdächtigen den elffachen Vater und vierfachen Großvater im Nachbarhaus des verschwundenen Verdächtigen aufgegriffen und erschossen. Danach legten sie ein Sturmgewehr neben die Leiche und vertuschten ihren Mord mit der erfundenen Geschichte, der Tote sei ein Aufständischer gewesen und auf der Flucht erschossen worden.

In ihren Zeugenaussagen berichteten weitere Marineinfanteristen aus der Einheit, Hutchins solle vor seinen Kameraden anschließend geprahlt haben: „Wir sind soeben mit Mord durchgekommen.“ In den kommenden Tagen beginnen die Anhörungen gegen einen Soldaten im Zusammenhang mit einem mutmaßlichen Massaker in Haditha, wo amerikanische Marineinfanteristen am 19. November 2005 24 irakische Zivilisten ermordet haben sollen, darunter Alte, Frauen und Kinder.

Quelle: F.A.Z., 06.08.2007, Nr. 180 / Seite 1
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Jahrgang 1962, politischer Korrespondent für Nordamerika mit Sitz in Washington.

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