07.09.2007 · Der Oberkommandierende der Truppen im Irak empfiehlt jedoch, zunächst als „politische Geste“ lediglich wenige tausend Soldaten abzuziehen. Seinen Bericht zur Lage im Golfstaat hat Präsident Bush als entscheidend für das weitere militärische Engagement dort bezeichnet.
Der Befehlshaber der amerikanisch geführten Streitkräfte im Irak, Heeresgeneral David Petraeus, will bei seinem am Montag in Washington erwarteten Lagebericht aus dem Irak eine schrittweise Reduzierung der im Irak stationierten Truppen von Anfang 2008 an empfehlen. Das berichteten amerikanische Medien unter Berufung auf Mitteilungen des Generals an verschiedene Zeitungen. Der Prozess werde einige Zeit dauern, „aber wir wollen sicher sein, dass der Gewinn an Sicherheit, für den die Truppen der Koalition und des Iraks so hart gearbeitet haben, gewahrt bleibt“, schrieb Petraeus demnach.
Nach Angaben aus der amerikanischen Regierung ist Petraeus gegen einen schnellen Truppenrückzug, weil nach seiner Einschätzung sonst Rückschläge in Bagdad, in der Provinz Anbar und in anderen Regionen zu befürchten seien, in denen es Fortschritte gegeben habe. Ranghohe Regierungsvertreter gaben an, der Heeresgeneral habe signalisiert, er sei zu einer Reduzierung um eine Brigade (etwa 3.500 bis 45.00 Soldaten) bereit.
Eine politische Geste
Es handle sich dabei um eine politische Geste an die Kritiker des Irak-Krieges im Kongress, die einen Zeitplan für einen zügigen Truppenabzug fordern, hieß es. General Petraeus wolle von den mehr als 160 000 Soldaten im Irak „so viele wie möglich so lange wie möglich behalten“, sagte ein ranghoher Militärvertreter. Nach Angaben aus der Regierung gibt es jedoch unter ranghohen Militärs des Zentralkommandos, das für den Irak zuständig ist, und unter Mitgliedern des Vereinigten Stabschefs der Streitkräfte auch Befürworter eines zügigeren Rückzugs der 30 000 amerikanischen Truppen, die in diesem Jahr im Zuge der Sicherheitsoffensive Präsident Bushs zusätzlich in den Irak gesandt worden waren.
Die Zahl der im Irak stationierten amerikanischen Soldaten ist derweil auf 168.000 gestiegen, das ist die höchste Zahl seit Beginn der amerikanisch geführten Invasion im März 2003. Wie der Planungsstab der Vereinigten Stabschefs am Freitag weiter mitteilte, werde wegen der Ankunft neuer Kampfbrigaden im Zuge der Truppenrotation das Gesamtkontingent in Kürze auf bis zu 172.000 Soldaten steigen. Im November oder Dezember werde die Zahl der im Zweistromland eingesetzten Soldaten dann wieder auf 160.000 zurückgehen.
Anschlag auf amerikanische Soldaten
Unterdessen wurden bei Kämpfen mit Aufständischen in der sunnitischen Westprovinz Anbar am Donnerstag vier amerikanische Soldaten getötet. Das teilten die amerikanischen Streitkräfte am Freitag in Bagdad mit. Am Montag hatte Präsident Bush den Luftwaffenstützpunkt Al Assad in Anbar besucht und die jüngsten Erfolge bei der Befriedung der einstigen Unruheprovinz gewürdigt. Weitere drei Soldaten wurden nach Angaben des amerikanischen Militärsprechers in Bagdad am Donnerstag bei einem Anschlag mit einem Sprengsatz auf ihr Fahrzeug in der nördlichen Provinz Ninive getötet.
Die irakische Regierung teilte mit, sie wolle der in einem Bericht an den Kongress in Washington geäußerten Empfehlung zur Auflösung der irakischen Polizei nicht folgen. Man respektiere die Sichtweise der amerikanischen Fachleute, stimme jedoch nicht mit deren Schlussfolgerung überein, wonach die nationale irakische Polizei wegen der Konflikte zwischen Schiiten und Sunniten aufgelöst und komplett neu aufgebaut werden sollte, sagte ein Sprecher des Innenministeriums in der Nacht zum Freitag in Bagdad. Die überwiegend schiitischen Polizeikräfte gelten als von schiitischen Milizen infiltriert.
„Chemie-Ali“ wird gehängt
Derweil wurde in Bagdad für diesen Samstag die Hinrichtung von Ali Hassan al Madschid am Galgen erwartet. Der als „Chemie-Ali“ bekannte Cousin des gestürzten und ebenfalls gehängten irakischen Diktators Saddam Hussein sowie der ehemalige Verteidigungsminister Sultan Haschim und der frühere Armee-Kommandeur Hussein Raschid waren im Juni wegen Völkermordes an den Kurden zum Tode verurteilt worden.
Die Berufungskammer des Sondertribunals für die Verbrechen des Regimes von Saddam Hussein hatte die drei Urteile am Dienstag bestätigt, die nach irakischem Recht nun binnen 30 Tagen vollstreckt werden müssen. Die Anklage hatte den ranghohen Mitarbeitern des Regimes Massenerschießungen, Folter und Vertreibung von Zivilisten im Nordirak vorgeworfen. Bei der sogenannten Operation Anfal waren in den Jahren 1987 und 1988 bis zu 180 000 Kurden getötet worden.