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Irak Extremisten entführen mehr als 20 Zivilisten

27.12.2007 ·  Bewaffnete Männer haben die Insassen zweier Kleinbusse entführt. Indessen hat das Parlament der kurdischen Autonomieregion ein Referendum über die Zukunft der Ölstadt Kirkuk verschoben. Vertreter der amerikanischen Streitkräfte zeigen sich trotzdem vorsichtig optimistisch über die Aussichten für den Irak.

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Bewaffnete Männer haben am Donnerstag auf der Landstraße von Bagdad nach Baquba zwei Kleinbusse mit insgesamt 22 Insassen entführt. Irakische und amerikanische Truppen stießen zudem in einem Dorf bei Baquba auf ein Massengrab mit 17 Leichen, gab die Polizei in der Stadt 60 Kilometer nördlich von Bagdad bekannt.

Das amerikanische Militär bombardierte indes in Kut, 170 Kilometer südlich von Bagdad, eine Stellung schiitischer Rebellen und tötete dabei nach eigenen Angaben elf Kämpfer. Das Kommando der Mahdi-Armee in Kut, der die Aufständischen angehörten, teilte dagegen mit, dass nur vier Kämpfer getötet und drei weitere verletzt worden seien.

Dem Luftangriff war ein Gefecht mit amerikanischen Soldaten vorausgegangen, die den Anführer der Aufständischen dingfest machen wollten. Das amerikanische Militär meldete keine Verluste. Laut Presseberichten verschob unterdessen das Parlament der kurdischen Autonomieregion im Nordirak das bis zum Jahresende vorgesehene Referendum.

Elf PKK-Kämpfer getötet

Das türkische Militär griff unterdessen nach Angaben aus Armeekreisen am Donnerstag Stellungen der verbotenen Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) im Südosten des Landes an. An den Einsätzen nahe der Grenze zum Irak seien Bodentruppen wie auch Kampfhubschrauber beteiligt gewesen, hieß es. Zudem seien Tausende Soldaten zur Verstärkung in die grenznahen Provinzen Sirnak, Hakkari und Tunceli entsandt worden.

Berichte über weitere Einsätze im Irak gab es nicht. An den Weihnachtsfeiertagen hatte die türkische Luftwaffe mehrere Angriffe auf vermutete Stellungen kurdischer Rebellen im Nordirak geflogen. Am Mittwoch teilte die Armee mit, bei Zusammenstößen in der Grenzprovinz Sirnak seien diese Woche elf PKK-Kämpfer getötet worden.

Vertrauen zu den Kämpfern aufbauen

Vertreter der amerikanischen Regierung und der Streitkräfte haben sich in Bagdad vorsichtig optimistisch über die Aussichten für den Irak im Jahr 2008 gezeigt. Ein Botschaftssprecher sagte am Mittwochabend, es sei „ziemlich klar, dass die Lage im Irak am Ende dieses Jahres deutlich besser ist als zu Beginn des Jahres“. Der signifikante Rückgang der Gewalttaten seit der Verstärkung der amerikanischen Truppen gebe der irakischen Führung die Möglichkeit, jene Probleme zu lösen, die einer dauerhaften Stabilität noch im Wege stünden.

Ein Sprecher der amerikanischen Truppen im Irak hob hervor, dass die Unterstützung von bis zu 70 000 Angehörigen sunnitischer Bürgerwehren beim Kampf gegen Al Qaida nach bisheriger Planung den geplanten Abzug von etwa 30 000 amerikanischen Soldaten bis Juli 2008 ermöglichen helfen werde. Wie in jeder Übergangssituation müsse erst das Vertrauen zu Kämpfern aufgebaut werden, die noch vor kurzer Zeit gegen die irakischen Streitkräfte oder gegen die Koalitionstruppen gefochten hätten und jetzt an deren Seite stünden.

Der Kommandeur der Koalitionstruppen im Süden von Bagdad, Generalmajor Rick Lynch, sagte, die sunnitischen Milizen müssten als legitime Mitglieder der irakischen Gesellschaft anerkannt und integriert werden. Wenn dies nicht gelinge, könnten die Erfolge, die in den vergangenen sechs Monaten dank der Sicherheitsoffensive erzielt worden seien, schon bald wieder verspielt werden.

Rekruten erhalten 300 Dollar monatlich

Die Mitglieder der sunnitischen Bürgerwehren sind in den vergangenen Tagen verstärkt ins Visier von Al Qaida geraten. Auf der anderen Seite bleibt die schiitisch dominierte irakische Regierung skeptisch angesichts der künftigen Rolle der Bürgerwehren. Sie fordert die baldige Entwaffnung der Milizen und deren Umwandlung in eine Art Nationalgarde oder Katastrophenschutz.

Die amerikanische und die irakische Regierung haben jeweils 155 Millionen Dollar für Ausbildung und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen für die Milizangehörigen bereitgestellt. Gegenwärtig werden die Bürgerwehren von den amerikanischen Streitkräften bezahlt, wobei Rekruten 300 Dollar monatlich erhalten, Offiziere verdienen bis zu 600 Dollar.

Wieder einmal vertagt: Der Streit um Kirkuk und sein Erdöl

Spätestens in diesen Tagen hätte über die Zukunft der nordirakischen Ölstadt Kirkuk entschieden werden sollen. Artikel 140 der neuen irakischen Verfassung sieht eine Volksabstimmung über die Frage vor, ob die Stadt und die gleichnamige Provinz, wo sich die größten Ölfelder im Norden befinden, der kurdischen Autonomieregion zugeschlagen werden oder weiter Teil des arabischen Iraks bleiben.

Jetzt beschloss das Parlament der kurdischen Autonomieregion, das vorgesehene Referendum um sechs Monate zu verschieben. Zuvor hatten sich - offenbar auf starkes amerikanisches Drängen hin - Kurden und Araber angenähert. Die Araber wollen nun an der Vorbereitung des Referendums mitwirken; dafür erhalten sie mehr Posten in der örtlichen Regierung und Verwaltung. Die Turkmenen halten ihren Boykott aufrecht.

Der frühere Diktator Saddam Hussein hatte in den siebziger Jahren die Kurden aus Kirkuk vertrieben und Araber aus anderen Landesteilen angesiedelt. Nach dem Ende des Baath-Regimes kehrten die Kurden zurück und wollen nun auch ihre Häuser und ihren Grundbesitz wiederhaben. Auch die Turkmenen beanspruchen Kirkuk für sich und erhalten dabei Unterstützung aus der Türkei. Ankara hatte schon mit einem Einmarsch gedroht, sollte Kirkuk kurdisch werden. Im vergangenen Sommer zogen sich offenbar zahlreiche Terroristen vor der Offensive im Großraum Bagdad in die Gegend um Kirkuk zurück und überzogen die Stadt mit einer neuen Welle der Gewalt, die mittlerweile abgeebbt ist. (hcr.)

Quelle: rüb/F.A.Z. mit dpa und Reuters
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