16.02.2007 · Von den beiden entführten Deutschen im Irak soll es nach Medieninformationen ein Lebenszeichen gegeben haben. Zudem hätten die Entführer den wirtschaftlichen Boykott des Irak gefordert und mit dem Tod der Geiseln gedroht.
Die Entführer der beiden Deutschen im Irak stellen nach einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ angeblich politische Forderungen. Das Magazin berichtete außerdem von Lebenszeichen der Entführten.
Das Auswärtige Amt gehe Hinweisen nach, denen zufolge die Geiselnehmer aus Kreisen der irakischen Widerstandsbewegung stammen könnten. Die Kidnapper hätten während der Entführung erklärt, sie gehörten zum „Dschaisch al-Islam“, zur Islamischen Armee. Diese Untergrundgruppe bekenne sich im Internet regelmäßig zu Aktionen gegen amerikanische Soldaten, meldete das Magazin weiter.
Lebenszeichen der Geiseln?
In mehreren Telefonaten mit Angehörigen der Familie in Deutschland hätten die Entführer Anfang vergangener Woche ein Lebenszeichen der Geiseln übermittelt. Zudem stellten sie politische Forderungen wie einen wirtschaftlichen Boykott des Irak. Sollten die Forderungen nicht erfüllt werden, drohe der 60jährigen Frau und ihrem Sohn der Tod. Weil solche politischen Parolen bislang Bestandteil fast jeder Verschleppung waren, halte der Krisenstab allerdings weiterhin auch einen rein kriminellen Hintergrund für möglich.
Die im Umland von Berlin geborene Frau, die seit mehr als 20 Jahren im Irak lebt, war vor 10 Tagen aus ihrem Haus in Bagdad verschleppt worden, als sie und ihr Sohn gerade zur Arbeit gehen wollten. Ein halbes Dutzend Männer war dabei dem Bericht zufolge in die Wohnung in einem überwiegend von Sunniten bewohnten Viertel eingedrungen und hatte die Familie in Schach gehalten.
Weil die Bewaffneten sehr ruhig agiert und sich sogar mit Anwohnern unterhalten hätten, gingen Sicherheitsexperten davon aus, dass es sich um eine Gruppe mit guten Beziehungen zu lokalen sunnitischen Milizen handele. Den Mann der Deutschen, einen irakischen Professor, hätten die Kidnapper zurückgelassen. Der Kontakt zwischen einer Tochter der entführten Deutschen in Berlin und den Entführern laufe seitdem über das Handy eines der Opfer. Die Entführten besitzen die deutsche und die irakische Staatsbürgerschaft.
Der Sprecher des Auswärtigen Amtes, Martin Jäger, sagte am Freitag in Berlin, die Regierung könne zum Schutz der Betroffenen keine Einzelheiten nennen. Allen solle bewusst sein, dass das Leben der Geiseln zu jedem Zeitpunkt unbedingte Priorität habe. Er bat die Medien um „Umsicht, Verantwortungsbewusstsein und Taktgefühl gegenüber den Angehörigen“. Der Krisenstab des Auswärtigen Amtes bemühe sich intensiv, die beiden Deutschen unversehrt zurückzuholen.