12.07.2005 · Der irakische Ministerpräsident hat einen Rückzug der Koalitionstruppen aus einzelnen Städten vorgeschlagen. Unterdessen verteidigt Terrorführer Zarqawi die Anschläge auf Schiiten.
Der irakische Ministerpräsident Ibrahim al Dschaafari hat am Dienstag einen Rückzug der Koalitionstruppen aus ausgewählten Städten vorgeschlagen. Die ausländischen Truppen könnten damit beginnen, einzelne Städte in die Verantwortung der irakischen Sicherheitskräfte zu übergeben, sagte Dschaafari bei einem Treffen mit dem stellvertretenden amerikanischen Außenminister Robert Zoellick.
Zugleich sprach sich der irakische Außenminister gegen einen Zeitplan für einen vollständigen Abzug der Koalitionstruppen aus. In vielen der 18 irakischen Provinzen sei die Lage inzwischen aber so sicher, daß die irakischen Sicherheitskräfte dort die Kontrolle in den Städten übernehmen könnten.
Serie von Anschlägen im Irak dauert an
Die Serie von Anschlägen im Irak hat auch am Dienstag wieder mehrere Menschen das Leben gekostet. Drei Bewohner der nordirakischen Stadt Kirkuk wurden bei der Explosion einer Autobombe getötet. Auf einem Markt in Bagdad wurde ein Polizeioffizier erschossen, und in Tal Afar kam ein Passant bei der Explosion einer Bombe ums Leben.
Tal Afar, rund 400 Kilometer nördlich von Bagdad, ist das Ziel einer Offensive der amerikanischen Truppen, bei der seit Sonntag nahezu 20 mutmaßliche Rebellen erschossen wurden. Ein amerikanischer Soldat erlag nach Militärangaben vom Dienstag seinen Verletzungen, die er bei der Explosion einer Landmine in der Nähe Bagdads erlitten hatte. Seit Beginn des Irak-Kriegs im März 2003 kamen mindestens 1.756 amerikanische Soldaten ums Leben.
Das irakische Innenministerium leitete eine Untersuchung zum Tod von zehn Sunniten ein. Eine Organisation sunnitischer Geistlicher beschuldigte eine Sondereinheit des Innenministeriums, die Männer in ein Gefangenenlager gebracht, gefoltert und in einen Container eingesperrt zu haben. Die Leichen wurden am Montag in das Jarmuk-Krankenhaus von Bagdad gebracht.
Zarqawi verteidigt Anschläge auf Schiiten
Der im Irak gesuchte Jordanier Abu Mussab al Zarqawi hat Anschläge seiner Terrorgruppe auf Schiiten im Irak verteidigt. In einem Zarqawi zugeschriebenen Brief an seinen ehemaligen Mentor Abu Mohammed al Maqdissi erklärt er, seine Gruppe habe zwar Schiiten angegriffen, aber keine irakischen Christen oder Angehörige anderer Minderheiten, „weil diese nicht die gleiche üble Rolle gespielt haben wie die Ablehnenden (die Schiiten)“.
Die Schiiten hätten den Kampf begonnen, indem sie die Sunniten angegriffen hätten, weshalb seine Gruppe nun schiitische Milizionäre töte. In dem Brief, der am Dienstag in einem Islamistenforum im Internet auftauchte, wehrt Zarqawi sich gegen Maqdissis Kritik an den Gewalttaten seiner Gruppe gegen Zivilisten im Irak. Er habe vor Beginn der Anschläge Religionsgelehrte konsultiert, „die in den Gefängnissen der Tyrannen sitzen, und deren Wissen (über den Islam) die Kenntnisse von Abu Mohammed übersteigen“.
Der radikale Rechtsgelehrte Abu Mohammed Al Maqdissi hatte in Jordanien einst zusammen mit Zarqawi im Gefängnis gesessen. Anfang Juli war er aus der Haft entlassen worden. Nach Interviews in arabischen Medien, in denen er Zarqawis Terroranschläge verurteilte, war er abermals wegen angeblicher Kontakte zu Terrorgruppen in Jordanien inhaftiert worden.
Zarqawi, dessen Gruppe zahlreiche blutige Anschläge im Irak verübt hat und die sich zu mehreren Geiselmorden bekannt hat, schrieb in dem Brief: „Ich bin jetzt ein Soldat in der Armee von Scheich Usama“. Er hatte im Oktober 2004 seine Loyalität zu Usama bin Ladin, dem Anführer des Al-Qaida-Terrornetz bekundet.