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Irak Die Fahndungsliste schrumpft

15.12.2003 ·  Die höchsten Karten sind nicht mehr im Spiel. 55 Karten umfaßte die auch als Spiel im April in Umlauf gebrachte amerikanische Fahndungsliste. Jetzt fehlen nur noch 14 hohe Funktionäre des früheren irakischen Regimes.

Von Hans-Christian Rößler
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Die höchsten Karten sind nicht mehr im Spiel. 55 Karten umfaßte die auch als Spiel im April in Umlauf gebrachte amerikanische Fahndungsliste - jetzt sind es nur noch 14: Von Pik-As (Saddam Hussein) bis Pik-König sind alle in Haft oder tot. Aus dem inneren Zirkel der Macht, auf den sich Saddam Hussein bis zuletzt stützte, ist nur noch einer auf freiem Fuß: Izzat Ibrahim al Duri war der langjährige Stellvertreter des irakischen Machthabers an der Spitze des Revolutionären Kommandorats. Er ist nun die ranghöchste Führungsfigur des alten Regimes, die sich noch in Freiheit befindet. Al Duri war mit Saddam Hussein aufgestiegen und wird von den amerikanischen Streitkräften im Irak als ein wichtiger Drahtzieher hinter den jüngsten Anschlägen vermutet - nicht ohne Grund wurde die Belohnung für Hinweise, die zu seiner Ergreifung führen, auf zehn Millionen Dollar erhöht.

Schon im Sommer hatte Saddam Hussein zwei Pfeiler seines Regimes verloren: Am 22. Juli erschossen amerikanische Soldaten in Mossul seine beiden Söhne Udai und Qusai. Auch Saddams Vetter Ali Hassan al Madschid al Takriti, mit dem er eng zusammenarbeitete, wurde am 21. August gefaßt. Fälschlicherweise war er Anfang April für tot erklärt worden. Er trug auch den Spitznamen "Chemie-Ali", weil er für die Giftgasangriffe auf Kurden im Nordirak sowie die blutige Niederschlagung des schiitischen Aufstands verantwortlich war. Ebenfalls im August nahmen Kurden Taha Jassin Ramadan in Mossul gefangen. Der frühere Vizepräsident gehörte zu den engsten Vertrauten des Machthabers. Jetzt stehen nur noch ein Halbbruder und ein Neffe Saddams auf der Fahndungsliste.

Verbindungsmann zwischen Saddam-Anhängern und Islamisten

Der Mann auf dem vorletzten Platz der Liste interessiert wohl die Amerikaner am meisten. Chamis Sirhan al Muhammad war Provinzchef der Baath-Partei in Kerbela. Nach einem Bericht der britischen Zeitung "Independent" soll er den Selbstmordanschlag auf das UN-Hauptquartier in Bagdad im August mitorganisiert haben. Al Muhammad sei zudem in letzter Zeit Verbindungsmann zwischen säkularen Unterstützern Saddam Husseins und ausländischen Islamisten, die in den Irak eingesickert sind. Für Tahir Dschalil Habbusch al Takriti interessiert man sich nicht zuletzt wegen der Anschläge am 11. September 2001. Der frühere Geheimdienstchef soll nach Informationen der "Sunday Times" Saddam Hussein über irakische Kontakte zu Al Qaida informiert haben. Denn im Sommer 2001 habe der palästinensische Terrorist Abu Nidal in Bagdad Mohammed Atta unterwiesen, der als Anführer der Attentäter gilt und eines der Flugzeuge ins World Trade Center steuerte. Darüber habe der Geheimdienstchef Saddam Hussein in einer streng geheimen Mitteilung informiert.

Saif al Din Fulajjih Hassan, der Stabschef der Republikanischen Garde, hatte die Koalitionsstreitkräfte im Sommer erfolgreich hinters Licht geführt. Er hatte sich für Tod erklären lassen und zum Schein eine Beerdigung organisiert. In Wirklichkeit soll er sich aber in der Wüste versteckt halten. Bei der Identifizierung Saddams wie seiner beiden Söhne hatte offenbar ein vor allem im Ausland bekannter Gefangener geholfen: Der früherere Außenminister Tariq Aziz habe dabei eine konstruktive Rolle gespielt, hieß es in Bagdad.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. Dezember 2003, Seite 2
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Jahrgang 1967, politischer Korrespondent für Israel und die Palästinensergebiete mit Sitz in Jerusalem.

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