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Irak Bush entschlossen zur Machtübergabe

18.05.2004 ·  Der amerikanische Präsident hat nach dem Attentat auf den Vorsitzenden des irakischen Übergangsrates, Izzaddin al Salim, die Entschlossenheit bekräftigt, Ende Juni die Souveränität an die Iraker zu übergeben.

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Der amerikanische Zivilverwalter im Irak, Paul Bremer, hat bei der Trauerfeier für den am Montag ermordeten Vorsitzenden des irakischen Regierungsrates, Izzaddin al Salim, die Entschlossenheit Amerikas zur Machtübergabe im Irak bekräftigt. Die von Amerika geführte Koalition wolle den politischen Prozeß fortführen, „der im kommenden Monat in der Entstehung einer Übergangsregierung münden wird“, sagte Bremer bei der Zeremonie am Dienstag morgen in der irakischen Hauptstadt Bagdad.

Salims Leichnam wurde - in die Landesflagge gehüllt - in einem Raum des irakischen Regierungsrates aufgebahrt. Salims sunnitischer Nachfolger Ghasi Adschil el Jawar würdigte den Ermordeten in einer Ansprache: „Seine Überzeugung und sein Wille werden bei uns bleiben.“ Der Irak-Gesandte der Vereinten Nationen, Lakhdar Brahimi, hob hervor, daß Salim sich stets für „ein vereintes und friedliches Irak“ ausgesprochen habe, das „mit den Tragödien der Vergangenheit“ brechen müsse.

Zuvor hatte der amerikanische Präsident Bush die Ermordung des turnusmäßig amtierenden Ratsvorsitzenden verurteilt. Die Machtübergabe an die Iraker werde am 30. Juni vollzogen, erklärte auch Bush bei einem Termin in Topeka im amerikanischen Bundesstaat Kansas. Salim und neun weitere Menschen waren am Montag morgen bei der Explosion einer Autobombe in Bagdad getötet worden.

Explosion im Irak setzt Nervengift Sarin frei

Bei einer Explosion in der Nähe eines amerikanischen Konvois im Irak ist am Montag eine kleine Menge des Nervengifts Sarin freigesetzt worden. Das hatte der amerikanische Militärsprecher Mark Kimmitt mitgeteilt. Der aus einer 155-Millimeter-Granate gebaute Sprengsatz sei vor einigen Tagen in Bagdad entdeckt worden und explodiert, bevor er entschärft werden konnte. Die Menge des Kampfstoffes bezeichnete Kimmitt als „sehr klein“. Zwei Sprengstoffexperten seien nach der Explosion wegen des Kontakts mit dem Gas behandelt worden.

Es war das erste Mal, daß einer jener Kampfstopffe im Irak aufgetaucht ist, deren vermeintliche Existenz zum Ausbruch des Krieges geführt hatte. Allerdings wird der Zwischenfall nicht als besonders gefährlich eingestuft. Er sei von der Irakischen Überwachungsgruppe gemeldet worden, sagte Kimmitt. Bei der Irakischen Überwachungsgruppe handelt es sich um eine amerikanische Organisation, die nach dem Sturz des Machthabers Saddam Hussein im vergangenen Jahr nach Massenvernichtungswaffen in Irak suchen sollte.

Kimmitt erklärte, der entdeckte Sprengsatz sei ein älteres Modell, bei dem zwei chemische Stoffe im Flug gemischt würden, um als Ergebnis das Nervengas zu erhalten. Die Granate werde für gewöhnlich von der Artillerie abgefeuert und gehöre zu den Waffen, die die Saddam-Regierung angeblich vor dem Golf-Krieg 1991 vernichtet habe. Wahrscheinlich hätten die Aufständischen, die den Sprengsatz gelegt hätten, aber nichts von den enthaltenen Chemikalien gewußt, erklärte Kimmitt weiter.

Äußerst giftiger Kampfstoff

Das Nervengas Sarin zählt zu den giftigsten Kampfstoffen, die Menschen je hergestellt haben. Es wurde Ende der dreißiger Jahre von dem deutschen Chemiker Gerhard Schrader entwickelt und im Zweiten Weltkrieg produziert, jedoch nicht angewendet. Die Substanz wird durch Einatmen und über die Haut aufgenommen: Sie kann schon bei einer Menge von einem Milligramm in Minuten zu Atemlähmung und Herzstillstand führen. Sarin ist mit relativ einfacher Technologie herstellbar.

Das irakische Regime des Ex-Diktators Saddam Hussein hatte nach langem Leugnen in den neunziger Jahren zugegeben, biologische und chemische Kampfstoffe produziert zu haben. Darunter war auch Sarin: Nach Angaben des Instituts für Strategische Studien in London hat der Irak insgesamt 795 Tonnen des Kampfstoffes produziert.

Das tödliche Gift wurde bei einem folgenschweren Anschlag der Aum-Sekte auf die Tokioter U-Bahn am 20. März 1995 eingesetzt. Bei dem Giftgasanschlag der Sekte um Gründer Shoko Asahara kamen zwölf Menschen ums Leben, Tausende wurden verletzt.

Kämpfe in Kerbela

Bei Kämpfen zwischen der von Amerika geführten Koalition und schiitischen Aufständischen in der irakischen Stadt Kerbela sind am Montag abend ein Iraker getötet und fünf weitere verletzt worden. Dies teilte ein Verwaltungsangestellter der Rettungsstelle im Krankenhaus von Kerbela am Dienstag mit.

In der westirakischen Provinz Al Anbar kamen am Montag bei einem Armeeeinsatz zwei amerikanische Soldaten im Kampf ums Leben. Die Marineinfanteristen seien an einem „Sicherheits- und Stabilitätseinsatz“ beteiligt gewesen, teilte das Militär am Dienstag ohne weitere Angaben mit. In der Provinz Al Anbar liegt die sunnitische Widerstandshochburg Falludscha.

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