Bei drei Bombenanschlägen auf gut besuchte Märkte in Bagdad sind am Montag mindestens 76 Menschen getötet und 164 weitere verletzt worden. Ein Jahr nach dem Attentat auf die den Schiiten heilige Al-Askari-Moschee in Samarra detonierten der Polizei zufolge in kurzen Abständen zunächst zwei Autobomben auf dem Großmarkt Schordscha im Zentrum der irakischen Hauptstadt. Dabei wurden mindestens 71 Menschen getötet.
Bei einer dritten Explosion einer Autobombe kurze Zeit später auf einem weiteren Markt starben mindestens fünf Menschen. Die Behörde für Katastrophenschutz teilte hingegen mit, alle drei Anschläge seien durch simultan gezündete Bomben am Straßenrand verübt worden. Nach den Detonationen schlugen riesige schwarze Rauchwolken und Flammen aus einem mehrstöckigen Hochhaus. Menschen mit einfachen Holzkarren kümmerten sich nach Augenzeugenberichten um die Schwerverletzten und brachten sie in Krankenhäuser. Etwa 75 Fahrzeuge seien zerstört worden.
Zehntausende Opfer
Die Anschläge ereigneten sich, als die irakische Regierung um Ministerpräsident Nuri al Maliki mehrere Schweigeminuten wegen der Moschee-Bombardierung vor einem Jahr abhielt. Der als gemäßigt geltende schiitische Großajatollah Ali al-Sistani hatte seine Anhänger zuvor aufgerufen, von Rache für den Angriff abzusehen. Zehntausende Iraker sind in den religiösen Auseinandersetzungen zwischen Schiiten und Sunniten bereits ums Leben gekommen. Hunderttausende sind auf der Flucht.
Maliki hatte einen von der amerikanischen Regierung unterstützten Sicherheitsplan für die irakische Hauptstadt vorgestellt. Mit dessen Hilfe soll ein Bürgerkrieg im Land abgewendet werden. Der amerikanische Präsident George W. Bush hat der irakischen Regierung die Entsendung von zusätzlich 21.500 Soldaten zugesagt.
Ahmadineschad wehrt sich gegen Anschuldigungen
Irans Präsident Mahmud Ahmadineschad hatte in einem Interview mit dem amerikanischen Fernsehsender ABC erklärt, dass im Irak erst wieder Frieden einkehre, wenn alle ausländischen Truppen abziehen würden. Er wies die Anschuldigung der Vereinigten Staaten zurück, sein Land beliefere die Aufständischen mit Waffen. „Wir scheuen vor jedem Konflikt und Blutvergießen zurück“, sagte Ahmadineschad.
Sechs Wochen nach der Hinrichtung Saddam Husseins hat das Oberste Gericht im Irak am Montag auch dessen ehemaligen Stellvertreter Taha Jassin Ramadan zum Tode verurteilt. UN-Vertretern und Menschenrechtsgruppen hatten an das Gericht appelliert, die Todesstrafe nicht zu verhängen. Er war zunächst zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Berufungsgericht hatte jedoch die Todesstrafe gefordert und den Fall zurückverwiesen.
