26.04.2006 · Erstmals wurde im Internet eine mutmaßliche Videobotschaft von Al-Qaida-Führer Zarqawi veröffentlicht. Donald Rumsfeld und Condoleeza Rice haben unterdessen mit Blitzbesuchen in Bagdad den designierten Ministerpräsidenten Maliki unterstützt.
Der amerikanische Verteidigungsminister Donald Rumsfeld und Außenministerin Condoleezza Rice haben bei einem unangemeldeten Besuch in Bagdad Unterstützung für Iraks designierten Ministerpräsidenten Dschawad al Maliki demonstriert. Von Maliki erhoffen sich die Vereinigten Staaten eine Stabilisierung der Lage im Irak.
Nach monatelangem Streit hatte sich das irakische Parlament vergangene Woche auf eine Regierung geeinigt. Bei der Besetzung der Fachministerien sei es jetzt wichtig, Personen nach ihrer Kompetenz und nicht nach ihrer Religionszugehörigkeit auszuwählen, sagte Rice. Sie hatte am Mittwoch eine Europareise unterbrochen und war in den Irak geflogen, wo wenige Stunden zuvor schon Rumsfeld eingetroffen war. Maliki hatte zuvor angekündigt, als Verteidigungs- und Außenminister wolle er zwei unabhängige Politiker ernennen.
Erstes Video von Zarqawi veröffentlicht
Zwei Tage nach einer neuen Tonbotschaft von Al-Qaida-Führer Usama bin Ladin ist unterdessen erstmals eine mutmaßliche Videobotschaft von Abu Mussab al Zarqawi aufgetaucht. Zarqawi führt den irakischen Arm Al Qaidas an. „Bei Gott, Amerika wird im Irak besiegt werden“, sagt der Mann, der sich als Zarqawi ausgibt, in dem Video, das am Dienstag auf einer Internetseite verbreitet wurde. Amerika werde aus dem Irak verjagt und gedemütigt werden, prophezeite er.
Allen Irakern, die mit den Vereinigten Staaten und der irakischen Polizei oder Armee zusammenarbeiteten, drohte Zarqawi mit einem „scharfen Schwert“ und „Kämpfen, bei denen Kinder weiße Haare bekommen werden“. Die Echtheit des Videos konnte zunächst nicht bestätigt werden.
In dem Film wird der Mann bei einem Treffen mit Kämpfern gezeigt, die ihn über Rebellenaktionen in der westirakischen Stadt Ramadi unterrichten. In einer anderen Szene feuert der mit einem schwarzen Kopftuch und schwarzer Kleidung bekleidete Mann mit einem automatischen Gewehr.
Kopfgeld von 25 Millionen Dollar
Den Vereinigten Staaten drohte Zarqawi mit einem anhaltenden Krieg im Nahen Osten. „Unser Emir Usama bin Ladin hat euch einen langfristigen Waffenstillstand angeboten, aber eure Arroganz hat euch daran gehindert, ihn anzunehmen“, sagte er. „Juden, Kreuzfahrer, Schiiten und Abtrünnige“ würden keinen Frieden im Land des Islams genießen können.
Bislang gab es nur Tonaufnahmen von dem zu den meistgesuchten Terroristen gehörenden Zarqawi. Das amerikanische Militär kam bei einem Einsatz in Ramadi im Februar 2005 in den Besitz von Fotos, die den Jordanier zeigen, der sich zu zahlreichen Anschlägen und Geiselnahmen im Irak bekannt hat. Auf seine Ergreifung haben die Vereinigten Staaten ein Kopfgeld von 25 Millionen Dollar ausgesetzt.
Umstrittenes Innenministerium
Der von den irakischen Schiiten nominierte Maliki hat unterdessen Koalitionsgespräche über eine Regierung der nationalen Einheit aufgenommen. Dabei pochen die Schiiten laut seinen Worten nicht auf Schlüsselressorts wie das Innen- und Verteidigungsministerium. Er habe alle Ministerien zur Diskussion gestellt und seine Gesprächspartner aufgefordert, ihre Wünsche für die Verteilung zu nennen, sagte der Schiite in einem am Dienstag ausgestrahlten Interview.
Vor allem das Innenministerium ist wegen seiner Zuständigkeit für die Sicherheitskräfte umstritten. Die sunnitische Minderheit wirft der bislang von Schiiten geleiteten Behörde vor, schiitische Todesschwadronen zu unterstützen und damit für die Ermordung von zahlreichen Sunniten mit verantwortlich zu sein. Die schiitische Allianz hat die Vorwürfe wiederholt zurückgewiesen.