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Irak Ausgrabungen nur noch in Massengräbern

 ·  Archäologen aus dem Westen ist die Arbeit im Irak schon lange zu gefährlich. Feldarbeit leisten nur noch forensische Archäologen, die Beweise über die Verbrechen des Regimes von Saddam Hussein zusammentragen.

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In den Irak war Susanne Osthoff erstmals als Archäologiestudentin gekommen. Zweihundert Kilometer südlich von Bagdad nahm sie in der sumerischen Stadt Isin an einer Grabung teil. Isin hatte das Erbe des Reiches von Ur angetreten. Bekannt geworden war die Stadt, weil ihr Herrscher Lipit-Ischtar (1934 bis 1924 vor Christus) bereits vor Hammurabi eine Gesetzessammlung in sumerischer Sprache herausgegeben hatte. Am vergangenen Freitag ist die 43 Jahre alte Archäologin Opfer der Gesetzlosigkeit im heutigen Irak geworden.

Wiederholt hatte die fließend Arabisch sprechende Frau Osthoff an Grabungskampagnen im Irak teilgenommen. Entführt worden ist sie freilich als Helferin bei der Lieferung humanitärer Güter. Seit 1991 bereiste sie regelmäßig den Irak, um die Lieferung von Medikamenten und anderen humanitären Gütern zu organisieren. 1998 trat sie in eine Münchner Unternehmensberatung ein. Zuletzt hatte sie im Oktober in Arbil, der Hauptstadt von Irakisch-Kurdistan, öffentlich über ihr Engagement gesprochen, über die Koordination von Projekten zum Aufbau des Gesundheitswesens im Irak, auch über ihren Einsatz gegen die Plünderung archäologischer Stätten.

Arbeit im Irak zu gefährlich

Archäologen aus dem Westen graben heute nicht mehr nach Zeugnissen vergangener Epochen. Die Innsbrucker Archäologin Helga Trenkwald hatte im Frühjahr 2003 die letzte wissenschaftliche Grabung ausländischer Archäologen durchgeführt. Nahe Hilla, das heute Teil des „Dreiecks des Todes“ ist, grub sie in der Stadt Babylon, 120 Kilometer südlich von Bagdad, fünf Wochen an einem Zikkurat, dem Tempel des Marduk. Zu jener Zeit war auch die Direktorin der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), Margarete van Ess, zum letzten Mal im Irak. Frau van Ess steht als kommissarische Leiterin der Außenstelle des DAI in Bagdad vor. Da diese seit 15 Jahren aber geschlossen ist, haben deutsche und irakische Archäologen das fünfzigjährige Bestehen der Außenstelle am 21. November in Berlin feiern müssen.

Den klassischen Archäologen ist die Arbeit im Irak schon lang zu gefährlich. Feldarbeit leisten nur noch forensische Archäologen. Sie arbeiten auf Massengräbern und tragen dort Beweise über die Verbrechen des Regimes von Saddam Hussein zusammen. Ausgebildet sind sie in der klassischen Archäologie, und bei der Aushebung der Massengräber wenden die etwa ein Dutzend, meist amerikanischen Archäologen auch ihre üblichen Grabungsmethoden an. Es sei wie bei einer klassischen Grabung, berichtet eine Teilnehmerin, nur seien eben die Artefakte jünger.

„Massive Schäden“

Sorgfältig würden alle Leichenfunde dokumentiert, achten müsse man auf alle Hinweise über die mögliche Todesursache. Patronenhülsen seien ebenso wichtig wie Augenbinden und Fesseln. Herauszufinden sei, wie und mit welchen Geräten ein Grab ausgehoben wurde.

Niemand weiß über das Schicksal der klassischen Ausgrabungsstätten Bescheid. Wahrscheinlich gingen die Plünderungen weiter, mutmaßen Archäologen. Schließlich gebe es ja nicht einmal genügend Sicherheitskräfte, um lebenswichtige Einrichtungen zu schützen. Eine gute Nachricht kommt aus dem Nationalmuseum in Bagdad. Die meisten der Ausstellungsstücke, die um das Kriegsende geplündert worden seien, sind dem Museum zurückgegeben worden. Von April 2003 bis Dezember 2004 hatten die amerikanischen Streitkräfte den antiken Ort Babylon beispielsweise als Stützpunkt genutzt. Das habe an der Stadt „massive Schäden“ hinterlassen, beklagt das DAI. (Her.)

Quelle: F.A.Z., 30.11.2005, Nr. 279 / Seite 3
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