18.02.2007 · Nach dem überraschenden Besuch der amerikanischen Außenministerin wurden bei der schwersten Anschlagsserie seit Beginn der neuen Offensive gegen Aufständische in Bagdad mehr als 60 Menschen getötet.
Bei der schwersten Anschlagsserie seit Beginn einer neuen amerikanischen Offensive sind am Sonntag in Bagdad mehr als 60 Menschen getötet worden. Die Sprengsätze detonierten einen Tag nach einem Überraschungsbesuch der amerikanischen Außenministerin Condoleezza Rice in der irakischen Hauptstadt.
Rice hatte sich am Samstag noch betont optimistisch über den Verlauf der Großoffensive gegen Aufständische geäußert und gesagt: „Wir sind auf gutem Wege.“
Nach Polizeiangaben detonierten zwei Autobomben in rascher Folge im Osten der irakischen Hauptstadt. Dabei seien 60 Menschen getötet und 131 verletzt worden. Im schiitisch dominierten Stadtteil Sadr fuhr ein Selbstmordattentäter kurze Zeit später mit einem mit Sprengstoff beladenen Wagen in eine Polizeikontrolle. Die Explosion in dem Armenviertel, das als Hochburg von Anhängern des radikalen Schiiten-Predigers Muqtada al Sadr gilt, riss einen Polizisten mit in den Tod. Zudem wurden zwei Zivilisten verletzt.
„Offensive eine Erfolg“
Das amerikanische Militär und die irakische Armee hatten ihre Großoffensive gegen Aufständische in Bagdad am vergangenen Mittwoch begonnen. Die irakische Führung hat diese Offensive bereits als Erfolg bezeichnet. Razzien und Patrouillen in überwiegend sunnitischen Vierteln hätten zu einem Rückgang von „Verbrechen und Terrorangriffen“ um 80 Prozent geführt, sagte Brigadegeneral Kassim Mussawi. Die amerikanische Militärführung und die Polizei in Bagdad sprechen von einem deutlichen Rückgang der Gewalt zwischen den Religionsgruppen.
Nach drei Tage langer Schließung wurden am Sonntag die irakischen Grenzübergänge zu Iran wieder geöffnet. Die Schließung war Bestandteil der Offensive in Bagdad. Die Polizei erklärte, sie habe in Bagdad am Samstag lediglich fünf Gewaltopfer geborgen. Dies war eine der geringsten Totenzahlen seit rund einem Jahr - üblicherweise werden pro Tag zwischen 40 und 50 Menschen gefoltert und erschossen aufgefunden.
Atempause für die irakische Regierung?
Rice sagte in Bagdad, die Offensive verschaffe der irakischen Regierung eine Atempause, die sie zur Aussöhnung von Schiiten und Sunniten nutzen sollte. Sie forderte Ministerpräsident Nuri al-Maliki und Präsident Dschalal Talabani drängte auf, das Zeitfenster für einen Aussöhnung der rivalisierenden Gruppen zu nutzen. Kurz vor dem Besuch von Rice im Irak hatte das amerikanische Repräsentantenhaus in einer nicht bindenden Resolution gegen die Truppenaufstockung im Irak gestimmt. (Siehe auch: Resolution gegen Bushs Irak-Politik erfolglos)
Die Präsidentschaftskandidatin und Senatorin der Demokraten, Hillary Clinton, fordert, binnen 90 Tagen mit dem Abzug der amerikanischen Truppen aus dem Irak zu beginnen. Im Senat mussten die Demokraten allerdings eine Niederlage hinnehmen. Die Kammer lehnte am Samstag zum zweiten Mal binnen zwei Wochen eine Debatte über eine Resolution ab, die die von Bush geplante Truppenerhöhung im Irak um 21.500 Soldaten kritisieren sollte. (Siehe auch: Resolution gegen Bushs Irak-Politik erfolglos)
Parallel zu den Offensive in Bagdad gingen auch britische Streitkräfte im Südirak gegen Aufständische vor. Dabei wurden nach britischen Angaben drei Rebellen getötet. Im Norden des Landes wurden bei zwei Bombenanschlägen mindestens zehn Menschen getötet und 60 verletzt. Nach Angaben der Polizei zündeten Attentäter die Sprengsätze in zwei Fahrzeugen auf einem belebten Marktplatz in der Stadt Kirkuk.
Neue Al-Qaida-Strategie?
Die jüngsten tödlichen Angriffe auf amerikanische Hubschrauber im Irak sind Ergebnis einer Strategie der Terroristengruppe Al Qaida, Attacken im Irak auf die Luftwaffe der Koalitionsstreitkräfte zu konzentrieren. Das berichtet die Zeitung „New York Times“ unter Berufung auf einen Bericht amerikanischer Nachrichtendienste. In dem Bericht werde auf Dokumente Al Qaidas zu Angriffen auf Hubschrauber der Koalitionsstreitkräfte mit Boden-Luft-Raketen und Maschinengewehren verwiesen; die aus Syrien stammenden Dokumente seien in der Nähe von Bagdad bei Aufständischen gefunden worden.
Nach Angaben des amerikanischen Militärs sind seit dem 20. Januar dieses Jahres im Irak sieben Hubschrauber abgeschossen worden, mehr als im gesamten Vorjahr. Auf die Abschüsse folgten Angriffe von Aufständischen auf amerikanische Truppen, die der Hubschrauberbesatzung zu Hilfe eilen wollten. In dem Geheimdienstbericht wird die Sorge geäußert, dass die Hubschrauberangriffe während der Offensive zur Stabilisierung von Bagdad wahrscheinlich noch zunehmen werden.
Anschläge in Bagdad trotz amerikanischer Offensive
ryszard schiedemann (gotenhafenlangfuhr)
- 19.02.2007, 01:11 Uhr
Außenministerin Rice sollte lieber den Mund halten
Servet Kizilkaya (Sergen)
- 19.02.2007, 11:58 Uhr