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Irak Amerikaner planen ihren Rückzug

13.03.2007 ·  Noch hofft George W. Bush, der Lage im Irak durch mehr Truppen Herr zu werden. Sollte auch diese Strategie scheitern, erwägen die Amerikaner ihre Soldaten rasch abziehen - ein Rückzugsplan liegt vor. In Israel führt das zu Unruhe.

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Das Weiße Haus hat am Dienstag amerikanische Presseberichte bestätigt, wonach im Pentagon Planungen für einen Truppenrückzug aus dem Irak für den Fall begonnen haben. Sie dienten für den Fall, dass die gegenwärtige Verstärkung der Kampftruppen nicht zu der erhofften Verringerung der Gewalt führen sollte.

Ein Präsidentensprecher erinnerte zugleich an eine Aussage von Verteidigungsminister Robert Gates vor dem Verteidigungsausschuss des Senats, wonach es unverantwortlich wäre, wenn das Pentagon nicht bei jeder größeren Operation auch für den Fall von deren Scheitern Vorkehrungen treffen würde.

Talabani gegen raschen Rückzug

Der irakische Präsident Talabani warnte vor einem schnellen Abzug der amerikanischen Soldaten. Die irakische Regierung befürchte, dass Hunderttausende kurdische und schiitische Milizangehörige die Kontrolle übernehmen würden, sollten die Amerikaner das Land demnächst verlassen, sagte Talabani der jordanischen Zeitung „Al Rai“. Ein Abzug wäre nicht „im Interesse des Landes“, solange nicht eine „wirkliche irakische Streitkraft unter Beteiligung aller Teile des irakischen Volkes“ bereitstehe.

Der israelische Ministerpräsident Olmert äußerte in einer per Videoschaltung übertragenen Rede vor der jüdischen Lobbyorganisation „American Israel Public Affairs Committee“ (AIPAC) seine Befürchtung, dass ein rascher Rückzug die Region weiter destabilisieren würde. Wem an der Sicherheit Israels und der Golfstaaten sowie der Stabilität der gesamten Region liege, der müsse „die Notwendigkeit eines amerikanischen Erfolges im Irak und eines verantwortlichen Rückzugs“ anerkennen. „Wenn Amerika im Irak Erfolg hat, ist Israel sicherer. Die Freunde, denen Israel am Herzen liegt, wissen das“, sagte Olmert.

Planungen noch in einem Anfangsstadium

Wie die Zeitung „Los Angeles Times“ in ihrer Ausgabe vom Montag unter Berufung auf Pentagon-Mitarbeiter berichtet hatte, befinden sich die Planungen noch in einem Anfangsstadium und sollen jeweils an die Entwicklung der Lage im Irak angepasst werden. Als Modell für eine drastische Reduzierung der amerikanischen Truppen in relativ kurzer Zeit wird von Mitarbeitern des Pentagons der Einsatz in El Salvador während achtziger Jahre genannt.

Seinerzeit entsandten die amerikanischen Streitkräfte 55 Mann der Eliteeinheit „Green Berets“ als Militärberater für die salvadorianische Armee, um diese in deren Kampf gegen marxistische Rebellen zu unterstützen. Im Irak würde die Zahl der benötigten Berater deutlich größer sein als in El Salvador. Verteidigungsminister Gates hatte im Senat im vergangenen Monat schon angedeutet, dass die amerikanischen Streitkräfte bei einem Scheitern der derzeitigen Sicherheitsoffensive „aus der Gefahrenzone abgezogen“ würden. Einen ähnlichen Vorschlag zur Verringerung statt zu der von Präsident Bush angeordneten Verstärkung der Truppen hatte auch die unabhängige Kommission „Iraq Study Group“ unterbreitet.

Heftige Debatten im Pentagon

Die Zeitung berichtete weiter von heftigen Debatten im Pentagon über das taktische Vorgehen im Irak, wobei sich die Denkschulen des früheren Chefs des Zentralkommandos, Abizaid, und des neuen Befehlshabers der Koalitionstruppen im Irak, Petraeus, gegenüberstünden. Abizaid hatte für einen baldigen Beginn der Verringerung der amerikanischen Truppen und für eine rasche Übergabe der Verantwortung an die irakischen Sicherheitskräfte plädiert.

Dagegen hatte Petraeus die Überzeugung geäußert, die irakischen Streitkräfte könnten noch nicht alleine Recht und Ordnung wiederherstellen, weswegen vorübergehend nicht weniger, sondern mehr amerikanische Soldaten sowie von diesen aufgebaute und unterhaltene Kontrollpunkte und kleinere Stützpunkte benötigt würden. Dem wiederum setzten andere ranghohe Pentagonmitarbeiter entgegen, dass es im Nahen Osten „eine Allergie gegen die Präsenz ausländischer Truppen“ gebe und dass deshalb die Erfolgsaussichten für die jetzt begonnene Operation mit dem Laufe der Zeit sinken könnten.

„Modell El Salvador“

Konsens scheint dagegen zu herrschen, dass sich bald - in den kommenden Wochen und Monaten, nicht erst in Jahren - entscheiden werde, ob die gegenwärtige Sicherheitsoffensive Erfolg hat oder nicht. Kritiker des „Modells El Salvador“ geben zu bedenken, dass es die von den amerikanischen Militärberatern seinerzeit unterstützten Streitkräfte des Landes mit nur einer Rebellengruppe zu tun gehabt hätten. Im Bürgerkrieg in El Salvador (1981-1992) hatten die Vereinigten Staaten 55 Spezialkräfte eingesetzt, die die Armee in ihrem Kampf gegen die Rebellen berieten. Nach Ansicht von Historikern gelang es, die Armee El Salvadors zu professionalisieren, ohne dass die Amerikaner sich mit einem massiven Militäraufgebot engagieren mussten.

Bei mehreren Anschlägen in Bagdad kamen unterdessen am Dienstag insgesamt sieben Menschen ums Leben, darunter drei Polizisten. In Ramadi wurde eine Ausgangssperre verhängt. Ministerpräsident Maliki war in die Stadt gereist, um sich ein Bild der Sicherheitslage in der Provinz Anbar zu machen.

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