Home
http://www.faz.net/-gq5-sixz
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Irak Al Qaida bestätigt Zarqawis Tod

08.06.2006 ·  In einem Luftangriff haben amerikanische Truppen Abu Musab al Zarqawi getötet. Der Al-Qaida-Führer im Irak war einer der meistgesuchten Terroristen und für viele Anschläge und Entführungen verantwortlich. FAZ.NET-Spezial.

Artikel Bilder (1) Video (1) Lesermeinungen (0)

Der jordanische Terrorist Abu Musab al Zarqawi ist tot. Ministerpräsident Nuri al Maliki erklärte am Donnerstag auf einer Pressekonferenz, amerikanische Truppen hätten Zarqawi bei einem Luftangriff nördlich von Baquba „ausgeschaltet“. Dabei seien sie von irakischen Kräften unterstützt worden. „Wenn ein anderer Zarqawi auftauchen sollte, dann werden wir auch ihn bekämpfen bis zum Tode“, sagte Maliki. Seine Ankündigung wurde mit Beifall aufgenommen.

Bewohner der Gegend sollen den Sicherheitskräften einen Hinweis auf Zarqawi gegeben haben. Maliki sagte: „Was geschehen ist, ist das Ergebnis der Zusammenarbeit des irakischen Volkes, die eine gemeinsame Operation der Polizei und der multinationalen Streitkräfte erleichtert hat.“ Die Terrororganisation Al Qaida hat den Tod ihres Anführers im Irak bestätigt. Eine der Gruppe nahestehende islamistische Internetseite veröffentlichte am Donnerstag eine entsprechende Mitteilung.

Auch Scheich Abdel Rahman getötet

Der Kommandeur der amerikanischen Truppen im Irak, General George Casey, sagte, man habe Zarqawis Versteck am Mittwoch um 18.15 Uhr Ortszeit aus der Luft angegriffen. Ranghohe Vertreter der Al Qaida im Zweistromland hätten berichtet, daß ihr Führer dort ein Treffen leiten wollte. Irakische Polizisten seien nach dem Angriff als erste vor Ort eingetroffen. Die multinationalen Truppen hätten Zarqawi später anhand von Fingerabdrücken, Fotoabgleichen und Narben identifiziert. Laut Casey wurde bei dem Angriff auch Zarqawis geistlicher Berater Scheich Abdel Rahman getötet.

Video: Terrorführer Zarqawi tot

Zarqawi war einer der meistgesuchten Terroristen und stand auf der Fahndungsliste der Vereinigten Staaten ganz oben. Er führte die Gruppe Al Qaida im Zweistromland, die sich zu Dutzenden Anschlägen, Entführungen und Überfällen bekannte. Darunter waren die Anschläge auf Hotels in der jordanischen Hauptstadt Amman im November 2005, bei denen etwa 60 Menschen getötet wurden.

Zarqawi stammt aus Jordanien und war dort wegen der Beteiligung an Anschlägen in Abwesenheit zum Tode verurteilt worden. (Siehe auch: Porträt: Abu Musab al Zarqawi) Nach Angaben eines jordanischen Regierungsvertreters war auch der jordanische Geheimdienst an der Tötung Zarqawis beteiligt.

„Schlag für Al Qaida im Irak“

Der amerikanische Botschafter Zalmay Khalilzad sprach von einem guten Zeichen für den Irak und den neuen Ministerpräsidenten. Er gratuliere Maliki zu dem Erfolg und rief alle Iraker auf, sich nun hinter ihrem Regierungschef zu einen. In London nannte der britische Premierminister Tony Blair die Nachricht vom Tode Zarqawis einen „Schlag für Al Qaida weltweit“.

General Casey sagte, die Bedrohung sei mit dem Tode Zarqawis nicht zu Ende: Mitglieder der Terrorbewegung „werden weiterhin versuchen, die irakische Bevölkerung zu terrorisieren und ihre Regierung zu destabilisieren.“ Die irakischen und multinationalen Truppen würden sie aber solange weiter jagen, „bis der Terrorismus im Irak ausgerottet ist“.

Baquba liegt 60 Kilometer nordöstlich von Bagdad. Die Stadt gilt als Hochburg von Aufständischen und Extremisten. In den vergangenen Tagen hatte die Polizei dort mehrere Menschenköpfe gefunden, die in Säcken auf der Straße abgelegt worden waren.

15 Tote bei Anschlägen in Bagdad

Bei einem Anschlag auf einen Markt im Osten Bagdads sind unterdessen 13 Menschen getötet und 28 verletzt worden, teilte die Polizei mit. Fast gleichzeitig detonierte eine Bombe in der Nähe einer Polizei-Patrouille ebenfalls im Osten der Hauptstadt. Dabei wurden zwei Menschen getötet und acht verletzt.

Knapp drei Wochen nach Amtsantritt der neuen irakischen Regierung sind am Donnerstag auch die Schlüsselressorts für Verteidigung, Inneres und nationale Sicherheit besetzt worden. Als Verteidigungsminister wurde der Sunnit General Abdul Kadre Mohammed Dschassim vereidigt, die Schiiten Dschawad al Bolani und Scherwan al Waili übernahmen die Ministerien für Inneres und nationale Sicherheit. Die sunnitischen, schiitischen und kurdischen Parteien hatten sich zunächst nicht auf geeignete Kandidaten einigen können.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Systemwechsel mit gebrochener Logik

Von Georg Paul Hefty

Es gibt wenige Entscheidungen, die der Staat seinen Bürgern abverlangt, indem er sie zur Stellungnahme aufruft. Dabei darf der Gesetzgeber fast alles - jedoch niemals einen falschen Anschein erwecken. Für das Transplantationsgesetz gilt das erst recht. Mehr 6 6