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Interview mit Stanford-Wissenschaftler „Drohnen schüren Angst und Hass“

Amerikanische Drohnenangriffe in Pakistan terrorisieren und radikalisieren die Bevölkerung. Zu dem Ergebnis kommt die Studie „Living Under Drones“. Im Interview berichtet Studienleiter Stephan Sonnenberg über die Folgen des Drohneneinsatzes.

© AP Vergrößern Eine amerikanische Drohne im Einsatz: Die „MQ-9 Reaper“ wird von den Streitkräften der Vereinigten Staaten im Kampf gegen die Taliban und Aufständische eingesetzt

In der vergangenen Woche entfachte die international beachtete Studie „Living Under Drones“ abermals die Debatte über die umstrittenen Drohnenangriffte der Amerikaner in Pakistan. Der Stanford-Dozent Stephan Sonnenberg ist einer von drei Leitern des Gemeinschaftsprojekts der Stanford und New York University. Er sagt, der Einsatz der Drohnen terrorisiere eine ganze Region.

An diesem Montag sind abermals drei Personen durch einen amerikanischen Drohnenangriff in Pakistan getötet worden. Aufständische sollen getroffen worden sein. Warum schaden solche Angriffe womöglich dennoch der Sicherheit Amerikas?

Attacken gegen einfache Mitglieder der Taliban oder von Terrornetzen wie Al Qaida schaden auf lange Sicht der Sicherheit im Westen. Denn die Bevölkerung in den halbautonomen Stammesgebieten nahe der afghanischen Grenze wird durch die Drohnenangriffe terrorisiert und radikalisiert. Alleine in Pakistan wurden durch Drohnenangriffe seit dem Juni 2004 mehrere hundert Zivilisten getötet. In unserer Studie gehen wir von bis zu 881 zivilen Opfern aus.

Welche Folgen hat der Drohneneinsatz für den Alltag der Menschen?

Der Alltag der Bevölkerung wird von Angst bestimmt. Die Menschen in den Stammesgebieten wissen nicht, wann Gefahr droht und meiden größere Versammlungen. Sie trauen sich nicht mehr, auf dem Markt einzukaufen, ihre Kinder zur Schule zu schicken oder in die Moschee zu gehen. Ein Bauer berichtete, er würde kaum noch auf seinem Feld arbeiten, weil er Angst hat, sich draußen aufzuhalten. Die Bevölkerung wird außerdem daran gehindert, ihre alltäglichen Konflikte zu lösen. In den Stammesgebieten treffen sich dafür eigentlich die Stammesältesten. Auch solche Treffen wurden in der Vergangenheit das Ziel eines Drohnenangriffs. Seitdem finden sie seltener statt. Sogar eine Beerdigung wurde mit Drohnen angegriffen. Dadurch sollte vermutlich eine Führungsfigur von einer Terrorgruppe getötet werden. Bei der Trauerfeier waren Zivilisten anwesend.

Die Studie basiert vor allem auf Interviews mit Augenzeugen, Angehörigen oder Opfern von Drohnenangriffen. Wie wurde eigentlich der Kontakt hergestellt?

In Pakistan gibt es einige Nichtregierungsorganisation, die sich für Drohnenopfer einsetzen. Sie haben uns dabei geholfen. Erst waren die Befragten uns Ausländern gegenüber äußerst misstrauisch. In den Stammesgebieten glauben die meisten Menschen, dass sich der Westen für sie nicht interessiert. Unsere Interviewpartner waren uns dann letztlich für die Dokumentation ihrer Erlebnisse dankbar.

Stephan Sonnenberg © Stanford Law School Vergrößern Stanford-Dozent Stephan Sonnenberg

Waren Sie selbst in den Stammesgebieten?

Wir sind nicht bis dorthin gekommen. In dem Gebiet halten sich Terroristen und Kämpfer der Taliban auf und das pakistanische Militär hätte uns nicht in die Region gelassen. Deswegen haben wir die Interviews außerhalb der Stammesgebiete geführt – etwa in Peshawar, Islamabad oder Lahore -, wo vom Drohneneinsatz betroffene Menschen zu uns kommen konnten.

Während Barack Obamas Präsidentschaft haben die Drohnenangriffe massiv zugenommen haben. Was veranlasst Obama, die Drohnen zu einzusetzen?

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