08.07.2009 · Der neue indonesische Präsident wird der alte sein: Amtsinhaber Susilo Bambang Yudhoyono hat die Wahl nach vorläufigen Ergebnissen im ersten Wahlgang für sich entschieden. Sie verlief weitgehend friedlich.
Von Jochen Buchsteiner, JakartaDer indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ist als Sieger aus der Präsidentenwahl hervorgegangen. Erste Ergebnisse sahen den Amtsinhaber am Mittwochabend bei deutlich über fünfzig Prozent der Stimmen, womit keine Stichwahl im September nötig würde. Ein amtliches Endergebnis wird erst im Laufe des Monats erwartet.
Die Herausforderer des Präsidenten wurden abgeschlagen. Die frühere Präsidentin Megawati Sukarnoputri errang nach den vorläufigen Ergebnissen 27 Prozent der Stimmen. Yudhoyonos bisheriger Stellvertreter Jusuf Kalla wurde bei 15 Prozent vermutet. Das Ergebnis deckt sich in etwa mit den Umfragen der vergangenen Wochen. Das könnte von Bedeutung sein, weil kurz vor dem Wahltag Klagen über mangelhafte Wählerregistrierung laut geworden waren. Erst am Montag hatte das Verfassungsgericht entschieden, dass nicht registrierte Wähler nach Vorlage ihres Passes ihr Wahlrecht ausüben dürfen. Auch am Wahltag wurden kleinere Unregelmäßigkeiten gemeldet.
Wahl weitgehend friedlich
Seit dem Rücktritt des Militärherrschers Suharto vor elf Jahren ist das mehrheitlich muslimische Inselreich zur drittgrößten Demokratie der Welt geworden. Es war die zweite freie Präsidentenwahl seit dem Ende der Ära Suharto. Wie schon 2004 verlief sie weitgehend friedlich.
Am späten Nachmittag sammelten sich Anhänger des Präsidenten vor dessen Haus in Bogor und feierten ihn. Yudhoyono, der von den Indonesiern bei seinen Initialen „SBY“ genannt wird, sagte: „Gott sei Dank zeigen die Blitzumfragen, dass wir Erfolg hatten.“ SBY und sein Kandidat für den Vizepräsidenten-Posten, der frühere Zentralbankchef Boediono, hatten mit dem Slogan „Weiter so“ geworben. Trotz der internationalen Finanzkrise wächst die indonesische Wirtschaft in diesem Jahr um vier bis fünf Prozent. Bis 2011 will SBY sieben Prozent erreichen.
Auch wenn dem Präsidenten die politische und wirtschaftliche Stabilisierung des Landes gutgeschrieben wird, herrscht weiter Reformbedarf. Als unterentwickelt gelten insbesondere der industrielle Sektor sowie das Bildungs- und Gesundheitssystem. Auch der Kampf gegen die verbreitete Korruption steckt trotz erster Erfolge im Anfangsstadium. SBY hatte für seine zweite Amtszeit, die der Verfassung nach seine letzte sein wird, vor allem die weitere Konsolidierung der Wirtschaft versprochen. Fachleute sagten voraus, dass eine Bestätigung des Präsidenten das Investitionsklima begünstigen würde.
Yudhoyonos Herausforderer, die jeweils mit einem General aus der Suharto-Zeit als Kandidaten für den Vizepräsidenten-Posten angetreten waren, hatten den Amtsinhaber im Wahlkampf nicht sehr scharf kritisiert. Bis zum Abend äußerten sich die Unterlegenen nicht zu den Ergebnissen. Allerdings wurde Frau Megawatis Kandidat für den Vizepräsidenten-Posten, Prabowo Subianto, mit den Worten zitiert, die Resultate seien „gegenstandslos“ und „falsch“.
Jochen Buchsteiner Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Süd- und Südostasien sowie Australien mit Sitz in Jakarta.
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