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Christ-Urteil in Indonesien : Ein Sieg des politischen Islam

Jakartas christlicher Gouverneur, Basuki Tjahaja Purnama, bekannt als „Ahok“, bei der Gerichtsverhandlung Bild: AFP

In Jakarta hat ein Gericht einen christlichen Gouverneur wegen „Blasphemie“ zu zwei Jahren Haft verurteilt. Zu Unrecht – und zur Freude zahlreicher Islamisten.

          Die Schar indonesischer Islamisten, die sich am Dienstag vor dem Gericht in Jakarta versammelt hatte, brach bei der Urteilsverkündung in Jubel aus. Für sie ist die Verurteilung des ehemaligen Gouverneurs der indonesischen Metropole zu zwei Jahren Haft ein Triumph. Sie hatten Basuki Tjahaja Purnama vorgeworfen, er habe bei einer Wahlveranstaltung den Koran beleidigt. Mit einigen der größten Massendemonstrationen der indonesischen Geschichte hatten sie die Behörden gezwungen, ihn vor Gericht zu zerren. Die Kontroverse hat den einst höchst populären Gouverneur und effizienten Verwalter vermutlich schon seinen Job gekostet. Bei der Stichwahl am 19. April war er dem Herausforderer unterlegen, dem ehemaligen Bildungsminister Anies Baswedan.

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Nach dem unerwartet harten Urteil wird Purnama nun womöglich direkt ins Gefängnis geschickt. Der Vorwurf, für den der 50 Jahre alte Politiker verurteilt wurde, lautete „Gotteslästerung“. Er bezieht sich auf ein jahrzehntealtes Blasphemie-Gesetz, das vielen liberalen Politikern längst als überholt galt. Dabei hatte Purnama, den in Jakarta alle mit seinem Spitznamen „Ahok“ anreden, nachweislich nicht den Koran beleidigt. Er hatte vielmehr seine Gegner dafür kritisiert, dass sie einen Vers aus der Schrift zu seinen Ungunsten interpretiert hatten. Denn Purnama ist nicht nur chinesischer Herkunft, was in Indonesien für einen erfolgreichen Politiker schon ungewöhnlich ist, sondern er ist auch noch Christ. Muslime dürften aber nur für Muslime stimmen, hatten die Islamisten unter Berufung auf den Vers verkündet. Purnama hatte diese Interpretation zu Recht als „Lüge“ bezeichnet.

          So wie die Ernennung des Christen einst ein Symbol der religiösen Toleranz Indonesiens war, ist die Gerichtsentscheidung nun ein Sieg für die Vertreter des politischen Islam. Er könnte auch ein Vorzeichen dafür sein, wie sich Indonesien in den kommenden Jahren weiterentwickeln wird. Auch im Hinblick auf die Präsidentenwahlen im Jahr 2019 ist zu befürchten, dass die islamistischen Hardliner das Land weiter in ihre Richtung lenken werden. Dabei war ihr vehementes Auftreten von Beginn an auch als ein politisches Manöver der alten indonesischen Eliten zu werten. Sie wollen den weiteren Machtaufstieg Purnamas und seines politischen Ziehvaters, des amtierenden Präsidenten Joko Widodo, aufhalten.

          Diese Kräfte mögen dem radikalen Islam selbst nicht einmal besonders zugeneigt sein. Für sie war es aber der einfachste Weg, dem politischen Gegner Schaden zuzufügen. Das Anheizen religiöser Empfindlichkeiten ist jedoch ein sehr gefährliches Spiel. Es spaltet das Land noch mehr: In einen moderat-liberalen Teil der Bevölkerung und den orthodoxen Rand, der sich für die Einführung von Scharia-Gesetzen einsetzt und dem die Rechte von Minderheiten nichts wert sind. Diesem konservativen Rand unter den 250 Millionen Indonesiern, die zu 87 Prozent dem Islam angehören, ist in den vergangenen Monaten und Jahren bereits sehr viel Raum gegeben worden.

          Die Hoffnung liegt deshalb weiter bei den Moderaten, die auch in der Regierung von Präsident Widodo eine Rolle spielen. Dieser hat in den vergangenen Wochen noch einmal auf das Wesen der indonesischen Toleranz verwiesen, die aus dem Nebeneinander verschiedener Religionen und ethnischer Gruppen auf dem Inselstaat geboren ist. Seine Regierung sucht den Dialog mit den politischen Gegnern, scheut sich aber hoffentlich auch nicht mehr länger, gegen radikale Gruppierungen vorzugehen. Gerade erst am Montag, einen Tag vor der Urteilsverkündung, hatte der zuständige Minister angekündigt, die radikale Organisation Hizb ut-Tahrir zu verbieten. Sie war zuvor maßgeblich an den Märschen gegen den Gouverneur mitbeteiligt.

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