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Indischer Slum Ravi Dass Der Fluch der Bestie

 ·  Die brutalen Vergewaltiger von Delhi lebten in dem Slum Ravi Dass. Dessen Bewohner wehren sich dagegen, dass ihre Heimat als Brutstätte zügelloser Gewalt beschrieben wird.

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© Michael Radunski Vergrößern Kaum Chancen auf Aufstieg: Arbeiter in einer der Gassen von Ravi Dass

Zu Ram Singh?“, fragt Surij und wiegt dabei herausfordernd seinen Kopf hin und her. Ram Singh - diesen Namen kennt inzwischen fast jeder in Indien. Er gilt als der mutmaßliche Anführer jener sechs Männer, die am 16. Dezember eine 23 Jahre alte Inderin in einem Bus mehrfach vergewaltigt und mit einer Eisenstange brutal malträtiert haben, und sie so schwer verletzten, dass sie später ihren Verletzungen erlag. Viele nennen Ram Singh nur noch „die Bestie“ und fordern für ihn die Todesstrafe. 33 Jahre ist Ram Singh alt. Ursprünglich kommt er aus dem indischen Bundesstaat Rajasthan, doch seit einigen Jahren lebt er in Delhi, im Slum Ravi Dass.

Auch Surij kennt Ram Singh. Nicht aus der Zeitung wie die meisten Inder. Surij kennt Ram Singh persönlich. „Natürlich kenne ich ihn, schon lange. Hier kennt jeder jeden.“ Surij ist 15 Jahre alt. Und wie der mutmaßliche Täter lebt auch er in Ravi Dass, direkt in der Gasse neben Ram Singhs Bleibe, weniger als zehn Meter entfernt.

Östlich von Ravi Dass liegt der exklusive Bezirk Vasant Vihar, von dem es 2010 hieß, die dortigen Mieten gehörten zu den höchsten der Welt. Östlich befindet sich der angesagte Künstlerbezirk Hauz Khas - beide sind Ikonen einer aufstrebenden Weltmacht, an deren boomender Wirtschaft die neue Mittelschicht von zirka 400 Millionen Indern teilhaben kann. Zwischen diesen beiden Stadtteilen Delhis liegt wie eingezwängt der Slum Ravi Dass, mitten im Stadtteil Rama Krishna Puram. 500 bis 600 Menschen sollen in Ravi Dass hausen, so genau kann das niemand sagen. Sie gehören zu den Verlierern des indischen Aufstiegs genauso wie rund 800 Millionen ihrer Landsleute, die wegen grassierender Korruption, Vetternwirtschaft und einem archaischen Kastenwesen nicht oder nur in sehr geringem Maße an Indiens Aufstieg teilhaben.

Fleiß, harte Arbeit und Bildung reichen nicht aus in Indien

„Hier entlang,“ ruft Surij und biegt in eine schmale Gasse, keine zwei Meter breit. Die Behausungen der Slumbewohner sind keine Zelte oder Bretterbuden, wie man sie aus Slums in Afrika, Südamerika und auch aus Indien kennt. Die Menschen von Ravi Dass leben in mannshohen Verschlägen aus Stein und Lehm. Die Wände sind allesamt bunt bemalt und leuchten in kräftigen Farben: türkis und lila, manche hellblau, einige gelb. „Einige von uns arbeiten als Maler. Wenn mal etwas Farbe übrig bleibt, nehmen wir sie mit nach Hause und bemalen damit unser Häuser“, sagt Surij. An der Tür einer türkisfarbenen Hütte steht in orangen, grünen und gelben Buchstaben „Happy Diwali“. Diwali ist das „Fest der Lichter“, das in Indien immer im November gefeiert wird. Den Hütteneingang versperrt graues Wellblech; auf dem Dach stehen ein paar schwarze Herrenschuhe, daneben ein grauer Blechtopf, auf dem Dach der Nachbarhütte liegen in der Sonne ausgebreitet braune Hosen, schwarze und grüne T-Shirts, ein grauer Wischmopp. Surij dreht sich um und fragt: „Accha lagta hai, hai na?“ „Sieht gut aus hier, oder?“

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