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Indien und Pakistan Propagandakrieg um Kaschmir

Indien beklagt tote Soldaten. Pakistan sagt, eigentlich sei gar nichts passiert. Und beide Seiten beschuldigen die jeweils andere, an allem schuld zu sein.

© AFP Vergrößern Letzter Weg eines indischen Soldaten

Zwischenfälle an der Demarkationslinie gehören zum Alltag im indisch-pakistanischen Grenzgebiet. Aber wenn die Angaben der Regierung in Delhi korrekt sind, handelt es sich bei dem jüngsten Ereignis um eine dramatische Verletzung des Waffenstillstandsabkommens von 2003. Laut indischer Darstellung übertraten Soldaten des 29. Balouch-Regiments in der Nacht zu Dienstag die Grenze im von beiden Seiten beanspruchten Kaschmir, verwickelten indische Soldaten in ein Feuergefecht und töteten zwei von ihnen. Mindestens einer der Gefallenen sei danach verstümmelt worden, sagte ein indischer Armeesprecher. Anderen Quellen zufolge wurden beide Soldaten enthauptet; ein Schädel soll dabei als Trophäe ins „freie Kaschmir“, wie der pakistanische Teil in Islamabad genannt wird, gebracht worden sein.

Jochen Buchsteiner Folgen:    

Die pakistanische Armee wies die Vorwürfe am Mittwoch zurück. Nach einer Untersuchung sei festgestellt worden, dass „nichts Derartiges“ passiert sei, hieß es in Rawalpindi. Außenministerin Hina Rabbani Khar sagte in Islamabad, man sei sich dessen so sicher, dass gern UN-Beobachter den Vorfall untersuchen dürften. Die Generalität in Pakistan ging sogar in die Offensive und bezichtigte Delhi der Propaganda, deren Ziel es sei, von einer früheren Grenzverletzung indischer Soldaten abzulenken. Laut pakistanischer Darstellung hatten indische Soldaten am vergangenen Sonntag einen Grenzposten an der „Line of Control“ erschossen und zwei weitere schwer verletzt. Am Montag war deshalb der indische Botschafter in Islamabad ins pakistanische Außenministerium einbestellt worden. Delhi bestreitet den Hergang.

Empörte Reaktionen auf indischer Seite

Am Mittwoch wurde nun der pakistanische Botschafter in Delhi ins indische Außenministerium einbestellt. Der indische Außenminister Salman Khurshid nannte den Vorfall im Fernsehen „absolut unakzeptabel, grauenhaft, richtig schrecklich und extrem kurzsichtig“. Nach Beratungen mit Verteidigungsminister A.K. Antony werde „etwas dagegen unternommen werden müssen“. Kurshid insinuierte, dass Kreise in Pakistan an einer Störung des Friedensprozesses gelegen sei und verlangte eine „angemessene Reaktion“ der Regierung in Islamabad. Zugleich gelte es sicherzustellen, dass die Lage nicht weiter eskaliere.

Verteidigungsminister Antony sprach am Mittwoch von einer „unmenschlichen“ Behandlung indischer Soldaten und nannte das Dementi Pakistans „höchst fragwürdig“. Die hindunationalistische Opposition in Delhi behandelte den Vorfall als Grundsatzfrage. Die Regierung von Premierminister Manmohan Singh müsse alarmiert sein und nunmehr „rote Linien“ im Umgang mit Pakistan definieren, verlangte der BJP-Politiker Arun Jaitley.

Infografik / Karte / Jammu Kaschmir

Auch wenn der institutionalisierte Dialog bislang keinen Durchbruch erzielt hat, gilt er als halbwegs stabil. Das Waffenstillstandsabkommen von 2003 ist eine der Grundlagen für die Friedensgespräche, die zumeist auf Staatssekretärsebene geführt werden und über vertrauensbildende Maßnahmen eine dauerhafte Befriedung des Kaschmirkonflikts anstreben. Insofern kann besorgen, dass in den vergangenen Jahren die Zahl der Grenzzwischenfälle zugenommen hat - von 28 im Jahr 2009 auf 44 im Jahr 2010 und von 51 im Jahr 2011 auf 71 im vergangenen Jahr. Seit Anfang Januar fielen schon viermal Schüsse an der Demarkationslinie.

Der Ursprung des jahrzehntealten Gebietsstreits liegt in der Teilung des Subkontinents nach dem Abzug der britischen Kolonialmacht im Jahr 1947. Sowohl Indien als auch das neu gegründete Pakistan beanspruchten das überwiegend muslimisch bevölkerte Kaschmir und vereinbarten 1949 einen ersten Waffenstillstand an der „Line of Control“. 16 Jahre später, im September 1965, begann und endete ein zweiter Krieg - ebenfalls unter internationaler Vermittlung; die „Line of Control“ blieb bestehen. In einem deutlich gefährlicheren Umfeld - Indien und Pakistan waren inzwischen Atommächte - vollzog sich dann der bislang letzte Waffengang im Jahr 1999. Mehrere Wochen lang hielten pakistanische Kämpfer die eisigen Höhen von Kargil im Norden Kaschmirs besetzt, bevor sie von den Indern im Mai entdeckt und schließlich bekämpft wurden. Mehr als eine Million Soldaten wurde zwischenzeitlich mobilisiert. Nach Vermittlung Washingtons zog Islamabad die „Freiheitskämpfer“ dann im Juli 1999 wieder ab.

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Quelle: F.A.Z.

 
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