03.05.2010 · Der einzige Überlebende Attentäter der Anschläge auf Hotels in Bombay im November 2008 ist unter anderem wegen Mordes schuldig gesprochen worden. Das Strafmaß für Ajmal Amir Kasab soll in den kommenden Tagen festgelegt werden.
Knapp eineinhalb Jahre nach der Terrorserie von Bombay hat ein Sondergericht in der westindischen Finanzmetropole den einzigen überlebenden Angreifer unter anderem wegen Mordes verurteilt. Ein Reporter des Nachrichtensenders NDTV, der zur Urteilsverkündung zugelassen war, sagte, Ajmal Amir Kasab sei am Montag in allen 86 Anklagepunkten schuldig befunden worden, darunter neben Mord auch „Kriegsführung gegen Indien“. Das Strafmaß für den Pakistaner soll in den kommenden Tagen verkündet werden. Die Staatsanwaltschaft hat die Todesstrafe beantragt; es könnte aber auch eine lebenslange Haftstrafe werden.
Kasab wurde vorgeworfen, am 26. November 2008 zusammen mit neun weiteren Kämpfern der radikal-islamischen Terrorgruppe Lashkar-e-Taiba in der Finanzmetropole Bombay 166 Menschen getötet zu haben. Unter den 26 ausländischen Opfern waren drei Deutsche. Außerdem starben neun der zehn Terroristen. Nur der heute 22 Jahre alte Kasab wurde lebend gefasst. Kasab kann gegen das Urteil Berufung einlegen. Zwei indische Mitangeklagte, denen Unterstützung der Angreifer vorgeworfen worden war, wurden nach Angaben des NDTV-Reporters freigesprochen.
Bei der beispiellosen Terrorserie hatten die Extremisten über drei Tage Geiseln genommen und Luxushotels sowie andere Gebäude in Bombay angegriffen und besetzt gehalten. Nach Überzeugung indischer Ermittler wurde die Terrorserie in Pakistan geplant. Die Anschläge belasten die Beziehungen zwischen den südasiatischen Atommächten Indien und Pakistan bis heute. Indien setzte die Friedensgespräche mit dem Nachbarland nach dem Blutbad aus.
NDTV berichtete, auch das Gericht habe sich in der Urteilsverkündung überzeugt gezeigt, dass die Angriffe in Pakistan geplant wurden. Die Staatsanwaltschaft wollte bei dem Verfahren Verbindungen zwischen Kasab, Lashkar-e-Taiba („Armee der Reinen“) und der pakistanischen Armee nachweisen.
Das Verfahren gegen Kasab war einer der schnellsten Terrorprozesse in Indien. Es war im April 2009 unter massiven Sicherheitsvorkehrungen in Bombay eröffnet worden. Insgesamt wurden mehr als 650 Zeugen vernommen. Für den Prozess war in einem Hochsicherheitsgefängnis eigens ein bombensicherer Gerichtssaal eingerichtet worden. Kasab hatte im vergangenen Juli zunächst seine Tatbeteiligung eingestanden. Später widerrief er das Geständnis und erklärte, es sei durch Folter erzwungen worden.
Auf den ersten Blick, trifft es den richtigen.
Oliver Weiss (diereinewahrheit)
- 03.05.2010, 17:49 Uhr