28.12.2012 · Die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in Delhi in einem fahrenden Bus erschüttert den Subkontinent. Greueltaten wie diese aber sind nur die Spitze des Eisbergs. Denn fast nirgends leben Frauen so gefährdet, wie in der größten Demokratie der Erde.
Von Christoph Hein, SingapurRichtlinien für Lesermeinungen
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Keine Demokratie, bestenfalls ein trügerischer Schein
Ein Land in dem ein rigides Kastensystem herrscht kann sich nicht unbedingt eine Demokratie nennen. Stimmenabgaben machen keinen Rechtsstaat mit Rechten für alle Bürger.
Sie haben ihr Vagina und Rektum zerrissen, sie starb an der Unfähigkeit des Gesundheits-wesens und der langen Wegezeit bis zu den OP. Inzwischen war eine Sepsis eingetreten. Im Grunde war sie unter dortigen Umständen bereits im Bus zum Tod verurteilt. Der Umgang der Behörden mit Vergewaltigern dürfte recht nachsichtig sein. Wenn Frauen quasi als Ware angesehen werden, als Arbeits- und Reproduktionskraft, die durch das Hochzeitsritual erst aufgewertet werden muss, dürfte hierin der Kern des Übels liegen. Indien fehlt die Frauen-rechtsbewegung, die alle Wahlen mitentscheidet ! Wenn Gandhi (unter britischem Mandat) schon 1921 gesagt haben soll ... zeigt dies die mittelalterliche Langsamkeit der Anpassung an die Moderne. Ich bin aber sicher, dass das Verbrechen in Deutschland auch hätte geschehen können. Sogar unter Deutschen. Hormonstau plus Rauschmittel erzeugt Verbrechen. Diese Kausalkette können nur die Bürger, die Familien, selbst unterbrechen.
Wenn 52 % der heranwachsenden Inderinnen glauben, daß ...
... Ehemänner ein Recht haben, ihre Ehefrauen zu schlagen, wenn 260
Politiker gewählt werden wollen, gegen die Verfahren wegen
Mißbrauch und Vergewaltigung von Frauen laufen, und wenn solche
Politiker öffentlich die wütenden, demonstrierenden Frauen als
"maoistischen Terror" verleumdnen können, was ist das
denn für eine Demokratie?
Muß ich das verstehen? Muß ich als Frau eine solche
Demokratie akzeptieren und sogar respektieren? Ich meine "Nein!".
Wie rückständig und verengt ist denn diese gesellschaftliche
Moral - nicht allein in Indien, sondern in vielen Staaten dieser Welt?
Es bedarf wohl noch weiterer 100 Jahre, bis die "Wut der
Frauen" in "Rechte der Frauen" umgewandelt worden ist und
die gleichberechtigte, die gleichwertige Teilnahme und Gestaltung von
Demokratie, des Wirtschafts- und Berufsleben sowie des Privatlebens mit
und durch Frauen absichert.
Gratulation zu Ihrer informativen und differenzierten Berichterstattung. Ich wünsche mir, dass Berichte über das Gute weiter Gutes bewirken. Traurig, wenn das Kind mit der Todesstrafe ausgeschüttet werden sollte um über populistisches Handeln die Gegenwart zu zementieren. Martin Winkler
Toleranz ist, wenn man über einen sterbenden Bettler einen
längeren Schritt macht und weitergeht. Toleranz ist, wenn eine Frau
in einem Bus vergewaltigt (und faktisch umgebracht) wird und keiner
etwas dazu sagt.
Jetzt wird demonstriert, für Vergewaltiger die Todesstrafe
gefordert. Dabei wurde ein Polizeioffizier umgebracht. Für
Totschlag an uniformierten Polizisten gibt es die Todestrafe nicht, so
etwas ist doch kaum die Rede wert. War ja auch nur ein Mann.
Da bin ich Ihrer Meinung
Auch der Totschlag des Polizeioffiziers und allen anderen Polizisten sind Morde und gehören - wie alle Morde - verurteilt.
das mit dem Quatsch war fuer Sie gemeint........:)
sonst sag ich dazu nix ausser: lesen Sie ein bisschen mehr!
Jetzt ist das Mädchen den Verletzungen erlegen
Traurig und unfassbar, was sind das bloß für Menschen, wenn
"Taten wie diese (..) nur die Spitze des Eisbergs" sind, dann
muss darüber geredet werden.
Ich wundere mich dennoch, denn bisher war Indien und das Alltagsleben
der Frauen nie Thema in der deutschen Öffentlichkeit! Ist das
niemanden aufgefallen, war das übersehbar oder war es den
Korrespondent schlichtweg egal?
Was sagte eigentlich unser Außenministerium und unsere Ministerin
für Frauenfragen dazu? Nicht erst jetzt dürften die
Verhältnisse bekannt gewesen sein.
Die Wut der jungen Leute ist ein Hilfeschrei den wir nicht
überhören sollten. Indien ist eben nicht Bollywoodromantik,
ich hoffe, dass jetzt die FAZ Redakteure ihren Sitz von China nach Delhi
verlegen und uns ausführlich über die Zustände
unterrichten.
Das bisherige Schweigen erstaunt, wo wir doch sonst so gerne die
Frauenfragen / Alice Schwarzer in den Mittelpunkt rücken.
Wir kritisieren 15 Millionen Abtriebungen und
haben selber in den letzten 30 Jahren mehr als 1,5 Mllionen Mädchen
durch Abtreibung töten lassen. Proportional auf die Einwohnerzahl
gerechnet bedeutet das wir in der BRD eine höhere
Mädchen-Abtreibungsquote als in Indien haben. Einziger Unterschied:
In der BRD sind etwa genauso viele Jungs wie Mädchen abgetrieben worden.
Ich zeige das auf um deutlich zu machen das auch bei uns vieles im argen liegt.
Was soll denn das sein, im argen?
Ists arg, wenn eine Mutter ihrem Kind lieber eine Erziehung erspart, die
es als ungewolltes Baby bekommen würde? Ists arg, wenn sich eine
Mutter das einfach nicht leisten kann?
Seien Sie - vor allem als Mann - nicht so überheblich in Ihrem
Urteil, eine Abtreibung macht keine Frau zum Spass.
Auf jedem zweiten Politologenkongress postuliert man die kommende Weltmacht Indien. Diese Beobachter kennen nur Universitäten von Bangalore, aber nicht die Realitäten.
... wo uns doch immer so viel vom friedlichen Hinduismus und Bhuddismus und dessen Überlegenheit berichtet wird (vom friedlichen Islam ganz zu schweigen). Gelehrte Brahmanen, heilige Schriften, Veden, Yoga und friedliche Bewußtseinsweiterung im All-Ich. Ich habe das nie geglaubt. Das ist nur eine Folie für gefrustete Westlerinnen. Der gemeine, ungebildete Inder ist nicht mehr, aber auch nicht weniger brutal, als ein irgendein anderer Idiot... Und das es viele ungebildete Inder gibt, rein demographisch bedingt, ist das Risiko auf einen zu treffen, natürlich hoch...
Antworten (2) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.12.2012 19:00 Uhr.... das ist nicht der Punkt ...
... man hat uns immer weis gemacht, dass die Gesellschaften als solche friedlicher / überlegener / besser seien. Die Zahl für Schweden kannte ich nicht. Aber auch Schweden soll ja immer viel, viel besser sein ...
Wer war das?
Die Taeter sind gefasst? Weiss man etwas ueber ihre
Religionszugehoerigkeit? Nicht dass ich wuesste. Also sollte man
vorsichtig sein bevor man irgendeine Religionszugehoerigkeit
verantwortlich macht, solange es darueber keine Statistiken gibt.
Schweden ist uebrigens laut Statistik das Land mit der hoechsten
Vergewaltigungszahl. Frage ist, wie hoch der Hindu und Buddhisten Anteil
in Schweden ist. ...
Schätzungen zufolge werden jedes Jahr bis zu 15.000
nepalesische Mädchen und Frauen in indische Bordelle entführt, wo sie mit Hilfe von Drogen gefügig gemacht, gefoltert und vergewaltigt werden. Eine Mitarbeiterin einer Institution, die sich um aus indischen Bordellen befreite Entführungsopfer kümmert, sagte, dass 12 bis 14-jährige befreite Mädchen und Frauen erzählen, dass sie pro Tag bis zu 30 Vergewaltigungen über sich ergehen lassen mussten. Angesichts der Tatsache, dass gegen 260 Politiker ein Verfahren wegen Missbrauchs von Frauen oder Vergewaltigung laufen, sich um Sitze in indischen Parlamenten beworben haben und teilweise auch gewählt wurden, glaube ich das gern. Sonia Gandhi, die Chefin der regierenden Kongresspartei, hat das 23-jährige Vergewaltigungsopfer zwar im Spital besucht. Aber weder sie noch andere hohe Regierungsvertreter haben darüber hinaus jedoch Handlungsbereitschaft gezeigt. Alles unerträgliche Heuchler, auch die so hoch geehrte und angesehene Sonia Gandhi.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 29.12.2012 04:24 UhrDanke für die Info
Ganz schön kranker Scheiß was da abgeht.
Die Demonstrationen sind ein guter Anfang
aber leider nur ein Anfang. Indien befindet sich im Wandel, das ist zumindest zu spüren.
Demokratie in Indien und was Grundsätzliches dazu:
Die abendländische Demokratie der Neuzeit fußt vor allem auf
dem jüdisch-christlichen Menschenbild, dass alle Menschen die
gleichen Rechte haben sollten, weil sie vor Gott gleich sind. Warum
sollten sie sie denn sonst haben? Dies drückt sich auch in einer
"Schnittmenge" zwischen Gott und Menschen aus, die in der
"Gottesebendbildlichkeit" seinen Ausdruck findet.
Auch dem Hinduismus wohnt prinzipiell diese "Schnittmenge"
durch die Seelenwanderung inne und ist auch in Form der
"Weltenseele" im Buddhismus verankert, weswegen Demokratie
etwa in Indien oder z.B. auch Japan grundsätzlich implementiert
werden konnte.
Beachtenswert ist, dass nach islamischem Menschenbild diese
"Schnittmenge" absolut nicht gibt. Eine grundsätzliche
Gleichwertigkeit aller Menschen ist in islamisch tradierter Denkweise
daher vollkommen ausgeschlossen. Über 13% der Bev. Indiens sind
Muslime (Vergl.: ~1% in Pakistan sind Hindus!).
Gewiss, von der größten Demokratie der Erde kann hier nicht gesprochen werden
Dennoch ist ein undifferenziert-hochmütige Herabsehen auf die
Anderen inhuman.
Bespielsweise maßen sich auch einflussreiche Vertreter der kath.
Kirche gelegentlich gern ein "Gottesurteil" zur
gesellschaftlichen Stellung der Frauen an.
Und trotz zureichender Möglichkeiten der Verfügbarkeit von
Rechten zum Gelingen von Demokratie muss konstatiert werden, dass unsere
real existierenden Machtverhältnisse ebenso mangels genügender
Durchdringung im Sinne von Aufklärung einen Geldmachtfeudalismus,
gestützt auf andienende Wissens- und Funktionseliten, spiegeln.
Kehren wir also gleichzeitig vor unserer Tür, kümmern wir uns
um das Gedeihen von Aufklärung!
Denken
Ich betrachte die europäische Demokratie als ein Produkt der Aufklärung, in Emanzipation von einer christlich legitimierten Ständegesellschaft. Es geht auch immer darum, was aus Religionen gemacht wird. Im indischen Kastensystem kann von Gleichheit der Menschen ebenfalls keine Rede sein. Der Islam kennt die Gleichheit der Menschen, trotzdem werden Unterschiede institutionalisiert. Man kann aus Religionen viel und wenig machen.
ist so ziehmlich das letzte was "Mann" sich erdreissten durfte
und fordere "Freiheit" für die Frauen, in Politik,
Wirtschaft und Privat und sage Frauen an die Macht ,denn wenn
Männer regieren sieht man wohin das führt!
Ein Mann!
Herr Schmidt
Frauen machen es auch nicht besser! ES gibt leider keine Frau, die Regierungschefin war, ihr Amt verlassen hat, ohne in einen Lrieg verwickelt gewesen zu sein.
gewagt !
na, daraus eine generell gültige Erkenntnis abzuleiten scheint doch sehr gewagt. Ganz sicher gibt es in der Welt von Männern regierte Länder, in denen nicht unbehelligt vergewaltigt wird. Das Problem der Themen-Tabuisierung in z.B. Indien scheinen Kastenstrukturen zu sein, in denen es aus hierarchischen Gründen unüblich ist, jedem gegenüber seiner Meinung Ausdruck zu verleihen. So ist auch das betretene Schweigen von Frau Ghandi möglicherweise zu erklären. Man kommt über den Versuch, die indischen Strukturen zu verstehen, sicher weiter, als über kategorische Bewertungen von Personen.
Nicht nur in den Wohnungen von Diplomaten hier bei uns.
Nicht nur bei den Zuwanderern.
Nicht nur in der Unterschicht.
Bei der erwähnten Studie handelt sich doch um einen Beitrag von TrustLaw der Thomson Reuters Stiftung. Eine Thomas-Reuters-Stiftung gibt es nicht.
Werter Herr Anton,
wundern Sie sich über das Schweigen hierzulande wirklich? Es wird
doch auch nicht über die Situation der Frauen in Somalia, Saudi
Arabien, Ägypten, Pakistan, Kongo, etc, etc berichtet. Das sind
alles Staaten bzw. Gesellschaften, die den Titel Apartheitsstaaten bzw.
Apartheitsgesellschaften mit Fug und Recht tragen. Denn 50% der
Bewohner, werden zum Teil schlimmer als Vieh gehalten. Warum keiner was
sagt? Weil es nicht opportun ist, die zivilisatorische
Rückständigkeit eines Landes beim Namen zu nennen. Jedenfalls
nicht im Namen der Frauenrechte. Da werden alle Männer zu
Brüdern und fast alle einigen sich darauf, von kulturellen
Unterschieden zu reden. Wo es doch der Unterschied zwischen Zivilisation
und Barbarei ist.
Wolfgang Hebold
wenn Frauen benachteiigt werden in einer "Demokrtie"
müssen Politiker nicht erst in den Fernen Osten reisen. Auf dem Weg dorthin bieten sich schon genügend Stationen in Nah- und MittelOst dazu an. Wo bleibt es, das Pfeifkonzert, in Anbetracht dieser Zustände? Empörend, wenn so was überhaupt geschieht; beschämend jedoch in einer Demokratie! Schluß mit der Phrase Wertegemeinschaft bis sich die Zustände ändern.
Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 28.12.2012 18:33 Uhrnein ,es geht sich
nicht um Menschenrechte, sondern um 60% der ERDBEVÖLKERUNG, die in vielen Teilen der Erde , als minder gesehen werden sowohl als mama , oma, tante usw, ! sie bringen die "Familie" immer irgenwie durch,wird aber NIE Anerkannt
Christoph Hein Jahrgang 1960, Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.
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