09.12.2009 · Indianer spielen in den Vereinigten Staaten fast keine Rolle. Die übrige Bevölkerung hat kaum Kontakte zu ihnen. Viele fühlen sich diskriminiert - das fängt schon bei ihrem Namen an. Als lukrativ hat sich das Glücksspiel erwiesen: Erfolgreich betreiben sie mehr als 400 Spielkasinos im Land.
Von Christiane Heil, Los AngelesSchon der Name „native American“ sorgt in den Vereinigten Staaten immer wieder für heftige Debatten. Von der Regierung in Washington einst eingeführt, um die Mitglieder der amerikanischen Indianerstämme sprachlich von „Indians“, den Bewohnern Indiens, zu unterscheiden, fühlen sich viele Amerikaner indianischer Herkunft durch den Begriff bis heute diskriminiert.
Der Name sei ihnen aufgezwungen worden, sagen Aktivisten wie Russell Means, ein Oglala Sioux aus South Dakota, der zu den prominentesten Vertretern des „American Indian Movement“ zählt. Um auf die Rechte der mehr als 550 in Amerika heimischen Indianerstämme und Nationen aufmerksam zu machen, besetzte Means vor 40 Jahren mit einer Gruppe von Indianern fast 19 Monate lang die Gefängnisinsel Alcatraz vor San Francisco.
Kaum Berührungspunkte
Es scheint, als habe dieser Protest wenig genützt, da die Indianer bis heute in der amerikanischen Gesellschaft nur eine untergeordnete Rolle spielen. Wie eine Studie der Organisation „Public Agenda“ aus den Jahren 2006 und 2007 zeigt, gibt es weiterhin kaum Berührungspunkte zwischen Indianern und Nicht-Indianern. Die meisten Amerikaner verurteilen zwar ihre Vertreibung durch Siedler, kennen die „eingeborenen Amerikaner“ aber in der Regel nur von einem kurzen Stopp am Straßenrand in der Nähe von Reservaten, um Silberschmuck oder indianisches Kunsthandwerk zu kaufen.
Die Kommunikation wird auch durch die eigene Sprache erschwert, die viele Nationen wie die Navajo bis heute sprechen. Gerade in den Bundesstaaten Kalifornien und Arizona, die neben Oklahoma die größte indianische Bevölkerung aufweisen, leben die Indianer zudem häufig in abgelegenen Reservaten mit äußerst dürftiger Infrastruktur. Auf vielen Landkarten sind die trostlosen Gebiete, die für ihre hohe Zahl von Alkohol- und Drogensüchtigen bekannt sind, nicht einmal verzeichnet.
Die räumliche Trennung schlägt sich auch im Verhältnis der mehr als 2,8 Millionen Indianer zu der Regierung in Washington nieder. Seit im Jahr 1975 das Gesetz zur indianischen Selbstbestimmung und Bildungsbeihilfe verabschiedet wurde, verfügen die einzelnen Stämme und Nationen ähnlich den amerikanischen Bundesstaaten über ihre eigene Rechtssprechung und Steuergesetze. Immer wieder kommt es jedoch zu Konflikten, da sie gleichzeitig der amerikanischen Regierung unterstehen und daher politisch nicht völlig souverän sind. So obliegt der Kontakt zwischen Washington und den indianischen Nationen nicht dem Außenministerium, wie von vielen Stämmen gefordert, sondern dem Innenministerium, bei dem auch das Büro für Indianische Angelegenheiten angesiedelt ist. Von dort werden die fast 225.000 Quadratkilometer Land verwaltet, die den „native Americans“ zur treuhänderischen Verwaltung überlassen wurden. Auch das Konzept des „held in trust“ bietet immer wieder Grund für Diskussionen, da den Indianern das Land nicht im klassischen Sinne gehört.
Indianische Traditionen am sichtbarsten im amerikanischen Sport
Wie die Muwekma Ohlone aus Nordkalifornien bemühen sich viele Stämme weiterhin, überhaupt von Washington anerkannt zu werden. Der genealogische Nachweis ist oft schwer zu erbringen, da in den vergangenen Jahrhunderten wegen Heirat außerhalb der Stämme oder Nationen die eigentliche Stammeszugehörigkeit schwer zu belegen ist. Die Anerkennung durch die amerikanische Regierung ist jedoch Voraussetzung für Kredite und andere Leistungen, die Indianern vorbehalten sind.
Die Anerkennung als Nation oder Stamm ermöglicht zudem, auf dem treuhänderisch verwalteten Land Spielcasinos zu betreiben. Seit der Supreme Court in den siebziger Jahren verkündete, dass die amerikanische Regierung von Indianern in Reservaten keine Steuern verlangen und wirtschaftliche Aktivitäten dort auch nicht regulieren darf, hat sich das Glücksspiel zu einem lukrativen Wirtschaftszweig für Indianer entwickelt. Es gibt inzwischen mehr als 400 Kasinos in den Vereinigten Staaten, die von „native Americans“ betrieben werden. Nach Schätzungen erwirtschaften sie jährlich mehr als 20 Milliarden Dollar. Das Kasino des Mashantucket Pequot Stammes in Connecticut soll mittlerweile erfolgreicher sein als die Konkurrenz im Spielerparadies Las Vegas.
Am sichtbarsten sind indianische Traditionen heute jedoch im amerikanischen Sport. Die den „native Americans“ historisch zugeschriebenen Werte wie Mut, Stärke und Unerschrockenheit schlagen sich in den Namen von Sportteams wie den North Dakota Fighting Sioux und den Washington Redskins nieder. Lange galt es auch als unterhaltsam, zu Beginn eines Spiels einen als Indianer verkleideten Sportler mit Kriegsbemalung ins Stadion reiten zu lassen. Nach Protesten einzelner Stämme ist das „Indianerspielen“ in den Vereinigten Staaten jedoch inzwischen verpönt. Vor einigen Jahren hat die Nationale Vereinigung der Universitätsathleten daher beschlossen, es einzuschränken: Nur noch bei wichtigen Spielen der Saison und nach Beratungen durch „echte“ Indianer sind derartige Verkleidungen erlaubt.
Vor fast 30 Jahren war alles viel schlimmer !
K. Peter Luecke (microplan2002)
- 10.12.2009, 02:03 Uhr
Sühne und Völkermord?
Walter Schäfer (Bongard1)
- 10.12.2009, 11:32 Uhr
Allen recht getan..
Manfred G. Osel (Shmilblick)
- 10.12.2009, 16:54 Uhr
@Hr.Schäfer
Günter Busse (guenter.b)
- 10.12.2009, 17:48 Uhr