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Kampf gegen den IS : In Syrien wächst die Enttäuschung über Luftangriffe

  • Aktualisiert am

Amerikanische F-18E fliegen über dem Irak, nachdem sie IS-Stellungen in Syrien angegriffen hatten Bild: AFP

Zivilisten und Rebellen in Syrien haben sich von den Bombardements der Amerikaner gegen den „Islamischen Staat“ mehr versprochen. Die Luftangriffe würden die Islamisten kaum schwächen, Machthaber Assad helfen - und die einfache Bevölkerung erheblich beeinträchtigen.

          Bei den moderaten Rebellen in Syrien wächst offenbar der Unmut über die Luftangriffe der Amerikaner. Wie die „Washington Post“ berichtet, sind viele der Kämpfer der Ansicht, dass die Bombardements hauptsächlich dem Regime des syrischen Machthabers Baschar al Assad helfen. Mittlerweile würden jene, die einst Luftangriffe der Vereinigten Staaten gefordert hatten, amerikanische Flaggen verbrennen. Die Wut über die Angriffe könne einen langfristigen Erfolg der Vereinigten Staaten sogar erschweren. Die Zeitung beruft sich dabei auf syrische Sicherheitsexperten sowie auf Augenzeugen vor Ort.

          „Jeder ist wütend über die Luftangriffe“, zitiert das Blatt einen syrischen Rebellen, „wir bitten den Westen seit drei Jahren um Unterstützung und jetzt greift er nur den Islamischen Staat an?“. Die Luftschläge dürften die Terroristen zwar schwächen, aber vor allem auch den syrischen Machthaber stärken.

          Bevölkerung leidet unter Angriffen

          Auch bei einigen Zivilisten wächst die Enttäuschung. Da die Amerikaner auch die Infrastruktur in der vom IS kontrollierten Region bombardieren würden, sei die einfache Bevölkerung erheblich beeinträchtigt. So habe beispielsweise die Bombardierung von Ölanlagen und Getreidespeichern die Preise steigen lassen. Für die Terroristen ist Öl eine der wichtigsten Einnahmequellen.

          Dennoch seien in vielen Teilen des Landes die Terroristen weiter in der Offensive, schreibt die „Washington Post“. Der IS habe sich auf die Bombardements bereits eingestellt. So würden die Terrormilizen nicht mehr in gekaperten Militärfahrzeugen durch eroberte Städte fahren, sondern nur noch in normalen Autos.

          Allerdings gibt es keine eindeutige Antwort darauf, welche Auswirkungen die Luftschläge der Alliierten bislang haben. Nach Angaben des Pentagon bombardieren die Vereinigten Staaten und mehrere Verbündete seit mehreren Wochen auch IS-Stellungen im Nord- und Westirak, um den Vormarsch der islamistischen Extremisten zu stoppen. Weitere größere Gebietsgewinne seien so in der Anbar-Provinz westlich der Hauptstadt Bagdad verhindert werden, auch der strategisch wichtige Staudamm in Haditha und die Stadt Ramadi seien von den Regierungstruppen gehalten worden. Allerdings könnten diese auch kaum Positionen vom IS zurückerobern, so das amerikanische Verteidigungsministerium.

          Ein anderer Pentagon-Offizieller kritisierte die irakischen Streitkräfte: „Sie starten einen Einsatz, und nach einem Kilometer stoppen sie wieder“, sagte er. „Das ist keine gute Situation.“ Die Lage im Norden des Landes, wo kurdische Peschmerga gegen die sunnitischen Extremisten kämpfen, sei anders, sagten Pentagon-Vertreter. „Die Kurden kommen voran, sie erobern Städte und Gebiete zurück, und wir können uns mit ihnen abstimmen“. Die kurdischen Kämpfer seien wesentlich besser als die irakischen Regierungstruppen, es gebe „keinen Vergleich“ zwischen diesen.

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