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Deutscher lehrt in Nordkorea : „Die Studenten sind sehr qualifiziert und interessiert“

Die Elite Nordkoreas lernt auf der privat finanzierten Universität PUST in Pjöngjang. Bild: Reuters

Tilman Driessen aus Bonn lehrt derzeit als Dozent an einer privaten Universität in Nordkorea. Wie er dazu gekommen ist und was er dort mit den Studenten erlebt, schildert er exklusiv in E-Mails aus Pjöngjang.

          Wer in Nordkorea war, kennt die Frage, ob man denn überhaupt in dieses abgeschottete Land reisen könne. Die Antwort ist: ja. Die größere Überraschung allerdings: Man kann sogar in Nordkorea arbeiten. Unter Schwierigkeiten und nicht ganz so frei wie auf dem brummenden deutschen Arbeitsmarkt, aber doch erstaunlich einfach. Wenn man denn will. 

          Einer der wollte, ist Tilman Driessen. Der promovierte Wirtschaftsingenieur aus Bonn, 58, arbeitet seit Jahren als Unternehmensberater und hat nebenbei noch einen Lehrauftrag an einer privaten Hochschule. Seine Idee, seinen Lehrauftrag für drei Monate ausgerechnet an die Privathochschule “Pyongyang University of Science & Technology“ (PUST) nach Pjöngjang zu verlegen, kam ihm im Zuge der dramatischen Geschichte um den 2017 verstorbenen amerikanischen Studenten Otto Warmbier, der nach langer Haftzeit in Nordkorea kurz vor seinem Tod nach Amerika ausgeflogen worden war. Im Nachgang hatte die amerikanische Regierung ihren Bürgern verboten, nach Nordkorea zu reisen.  „Daher nahm ich an, dass die PUST qualifizierte Lehrkräfte benötigt.“

          Das hat Driessen offenbar ganz richtig eingeschätzt, tatsächlich sucht die private Universität händeringend Wissenschaftler und Dozenten aus dem Ausland, auf der Homepage kann man sich direkt bewerben. Die Offenheit der PUST für den internationalen Wissenschaftler-Markt ist eine dieser Überraschungen, denen man in Nordkorea immer wieder begegnet. Die Hochschule existiert seit 2010, hat eine Partneruni in China und wird von amerikanischen und südkoreanischen evangelikalen Christen durch Spenden finanziert.

          Tilman Driessen lehrt für drei Monate in Nordkorea.

          Gründer der Uni war politischer Gefangener

          Der Gründer der Uni ist Kim Chin-kyung. Er wurde 1935 in Seoul geboren, als die beiden Koreas noch zusammengehörten. Für sein Herzensprojekt sammelte er mehr als 35 Millionen Dollar. Die Konstellation ist atemberaubend: Obwohl er eine Großspende der südkoreanischen Regierung bekam und zwischenzeitlich sogar als politischer Gefangener in einem nordkoreanischen Gefängnis saß, erlaubte die Staatsführung um den verstorbenen Diktator Kim Jong-il ihm später, in Nordkoreas Hauptstadt eine Dependance seiner chinesischen Uni aufzubauen. Das Kalkül des Regimes: Wissenstransfer zum Nulltarif aus Ländern, die Nordkorea technologisch und wirtschaftlich weit voraus sind. Driessens Zwischenbilanz nach anderthalb Monaten in Pjöngjang: „Mein Eindruck geht dahin, dass sich – ähnlich wie in China in den Jahren nach Maos Tod – allmählicher Wandel und Öffnung abzeichnen.“

          Für den Unternehmensberater, der in Pjöngjang Kurse in Unternehmensgründung und Investition gibt, begann die Reise schon vor dem Abflugtermin Ende August. Nach der Zusage der Uni bekam er ein Handbuch mit Verhaltensknigge zugemailt, das deutlich macht: Die ausländischen Fachkräfte sollen unter sich bleiben und möglichst keinen Kontakt zu den nordkoreanischen Studenten und der sonstigen Bevölkerung bekommen. Sie werden auf dem Unigelände untergebracht, wo es auch eine eigene Infrastruktur mit Wäscherei, Friseur und sogar Internetzugang gibt. Seine Studenten sind die künftige Elite in Politik und Wirtschaft. Da Kim Jong-un bei mehreren Gelegenheiten seinen Willen bekundet hat, in Zukunft stärkeren Wert auf die wirtschaftliche Entwicklung zu legen, kommt der wirtschaftlich-technologischen Expertise der Ausländer besondere Bedeutung zu.

          Driessen: „Die Studenten sind sehr qualifiziert und interessiert, offenbar bewusst selektiert, auch wenn der genaue Auswahl-Mechanismus unklar ist. Als weiteres Privileg müssen sie anscheinend keinen Wehrdienst leisten, aber manche tun dies offenbar freiwillig. Im ersten Jahr erhalten sie konzentriert Englischunterricht, daneben auch Chinesisch und Deutsch, letzteres insbesondere für Medizinstudenten. Sie bezahlen nicht für ihr Studium, sondern bekommen (neben kostenlosem Essen und Zimmer) noch ein Taschengeld von circa zehn Euro im Monat, mit dem sie Schreibwaren oder Süßigkeiten kaufen können.“

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