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Preisexplosion : Chinas völlig verrückter Häuserboom

Begehrte Immobilien: Viele können sich eine eigene Wohnung in China nicht mehr leisten. Bild: Reuters

Immobilien in den Städten Chinas sind irre teuer. Schon ist von einer neuen Zweiklassengesellschaft die Rede: Wohneigentümer gegen Mieter. Für die Regierung ist vor allem eine Gruppe nützlich.

          Der Angestellte aus Peking ist Mitglied der Kommunistischen Partei und kommt nicht so leicht ins Schwanken. Wer ihn nach der chinesischen Politik fragt, der bekommt die Parteilinie wiedergegeben: Alles geht aufwärts mit China unter Xi Jinping, das Land ist stabil, das Land hat einen starken Führer. Aber ein Thema gibt es doch, das den Optimismus des Mannes kurz zum Wackeln bringt: Was passiert eigentlich, wenn der Immobilienmarkt einbricht?

          Petra  Kolonko

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Der 33 Jahre alte Angestellte hat Grund, sich über diese Frage Gedanken zu machen. Als er vor drei Jahren geheiratet hat, wollte er sich zusammen mit seiner Frau eine Wohnung in Peking kaufen. Doch für ein junges Paar sind die Immobilienpreise in der Hauptstadt exorbitant. Eine Hundert-Quadratmeter-Wohnung zwischen der dritten und der vierten Ringstraße war für unter 700.000 Euro nicht zu haben.

          Hohe Belastung für Käufer

          Das Paar verdient gemeinsam etwa 5000 Euro im Monat und hatte nicht genügend Ersparnisse für die geforderte Anzahlung für den Wohnungskredit. Also beschlossen die Familien der beiden, den jungen Leuten unter die Arme zu greifen. Eltern und Schwiegereltern investierten ihre Ersparnisse und verkauften eine Wohnung in ihrer Heimatstadt in der Provinz, um bei der Anzahlung zu helfen.

          Hongkong : Wohnen im Sarg

          Jetzt zahlt Zhang Lei monatlich etwa 1200 Euro ab, und der Rest des Gehaltes muss reichen für Lebenskosten und die Ausgaben für den kleinen Sohn, dessen Kindergartenbesuch allein 500 Euro im Monat verschlingt. Zhang Lei klagt über die hohe Belastung, doch kann er sich damit trösten, dass der Wert seiner Wohnung in den vergangenen zwei Jahren um ein knappes Drittel gestiegen ist. Es war eine gute Investition.

          Seit der Privatisierung der Wohnungen vor zwanzig Jahren sind die Preise stetig gestiegen. Wer vor einem oder zwei Jahrzehnten eine Wohnung erworben hat, kann sich heute über ein gutes Geschäft freuen. Die Immobilienpreise in chinesischen Städten, besonders aber in den Metropolen wie Peking, Schanghai und Tianjin sind teilweise höher als in Europa und in den Vereinigten Staaten. In diesem Sommer lagen die durchschnittlichen Quadratmeterpreise in Peking und Schanghai bei etwa 11.000 Euro, in New York bei 9900 Euro. Allein letztes Jahr stiegen die Wohnungspreise in Peking und Schanghai um jeweils ein knappes Drittel. Wer jetzt noch dabei sein will, der muss tief in die Tasche greifen. Aber trotz hoher Preise wird weiter gekauft.

          Für viele Chinesen ist die Investition in eine Wohnung die einzig sichere Geldanlage. Wer das erforderliche Eigenkapital zusammenbekommt und kreditwürdig ist, wird jederzeit einen Wohnungskauf der Miete vorziehen. Denn bislang kannte die Entwicklung der Immobilienpreise nur eine Richtung: nach oben.

          Auch die Journalistin Yang Yang, die aus der Provinz Sichuan kommt und in Peking arbeitet, hat es deswegen eilig, eine Wohnung zu kaufen. Bald könnte alles noch teurer werden. Ihre Eltern haben eine Wohnung in der Provinz Sichuan verkauft, wo die Preise noch niedriger sind. Mit dem Erlös kauft sie in der Pekinger Vorstadt Tongzhou, etwa 45 Fahrminuten von Peking entfernt, ein kleines Appartement. Wenn der Preis dieser Wohnung dann gestiegen ist, will sie verkaufen und eine andere weiter in der Nähe des Stadtzentrums kaufen. So machen es viele junge Leute, sagt die Maklerin Xue Wenjing: Man kauft am Stadtrand und verkauft dann wieder, um sich allmählich dem Zentrum zu nähern. Alle Käufer rechnen fest damit, dass die Preise weiter steigen.

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