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Im Gespräch: Marie-Janine Calic „Die Deutschen waren eingeschüchtert“

 ·  Am 15. Januar 1992 erkannte die Europäische Gemeinschaft auf Drängen Deutschlands Slowenien und Kroatien an. Der diplomatische Schritt bedeutete den endgültigen Zerfall Jugoslawiens. Trug Berlin damit die Schuld am Krieg in Bosnien? Die Münchner Südosteuropa-Historikerin Marie-Janine Calic weist den Vorwurf zurück.

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Alexander Nowak
Alexander Nowak (Ploy) - 16.01.2012 17:08 Uhr

Briten, Niederländer und Franzosen dachten in den Kategorien der beiden Weltkriege

Großenteils ist die Tragödie der jugoslawischen Zerfallskriege auf die britische, niederländische und französische Regieirung zurückzuführen, die sich von den Denkschemata von 1914 nicht lösen wollten: Sie hatten die deutsche Wiedervereinigung 1989 nicht gewollt und fürchteten eine deutsche Vormachtstellung in Europa. Daraus erwuchs die geradezu neurotische Vorstellung, Deutschland und Österreich könnten ein deutsch dominiertes Mitteleuropa von der Ostsee bis einschließlich Bosnien "wiederherstellen". Folgerichtig dachten sie auch in den alten Bündniskategorien und stärkten nach Kräften Milosevic gegen die "pro-deutschen" Kroaten, Slowenen und Bosniaken.
So folgten Aktionen, die nur Milosevic`s großserbischen Ambitionen dienten, wie das Waffenembargo, (wirkte faktisch nur gegen die angegriffenen Kroaten und Bosnier), die zahnlose WEU-Überwachungsmission in der Adria, die nichtdurchgesetzten Flugverbotszonen, etc. Daß Deutschland 1991 nicht mehr das von 1914 war, dämmerte ihnen zu spät

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nikolaus hesse

alles beim alten

"Trug Berlin damit die Schuld am Krieg in Bosnien? Die Münchner Südosteuropa-Historikerin Marie-Janine Calic weist den Vorwurf zurück."
die aussagen der frau calic lassen nun wirklich nicht den schluss zu, dass berlin keine schuld
am krieg in bosnien trage.
im gegenteil. die vielen "wenn und abers" scheinen eher das kurzsichtige und unprofessionelle
verhalten der deutschen zu bestaetigen.

warum heisst es denn?:„Die Deutschen waren eingeschüchtert“.
sie waren eingeschuechtert von dem, dass sie angerichtet hatten.
das ist doch wohl der einzig moegliche schluss.
aber. dummheit schuetzt vor strafe nicht.
frau calic spricht dann ja auch von der "inkonsistenz" der deutschen politik.
hoefliche umschreibung fuer was, wenn nicht...
zu "inkosistenz" hinzudenken darf man sich dann noch "inkontinenz".
die chronische schwatzhaftigkeit und das kindliche geschnatter der deutschen politiker
und diplomaten. etwa so, wie heute.
also alles beim alten.

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Zerfall eines Kunstproduktes

Der Vielvölkerstaat Jugoslawien war durch den Wegfall der kommunistisch-diktatorischen Klammer unweigerlich auf dem Weg des Zerfalls. Bereits nach Titos Tod 1980 setzte dieser Prozeß langsam und schleichend ein.

Mit dem Niedergang des Kommunismus in der UDSSR und in den europäischen Ostblockstaaten in den Jahren 1989 bis 1991 wurden die ethnischen Konflikte immer deutlicher. Die gemeinsame Idee des Sozialismus mit einer zentralistischen Staatsmacht verlor Boden gegenüber demokratischen Wegen mit Autonomiebestrebungen der Einzelvölker. Dieser Prozeß war in den den Neigungen der unterschiedlichen Gesellschaftsgruppen selbst begründet und daher auch unaufhaltsam.

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Atomon Marx
Atomon Marx (Atomon) - 16.01.2012 03:17 Uhr

Jugoslawien und Deutschland

Warum behauptet Ihre Mitarbeiterin, nur serbische Nationalisten und Linksextremisten würden die These der Zerstörung Jugoslawiens durch die deutsche Anerkennung Sloweniens und Kroatiens vertreten? Im Gegenteil, dies ist weltweit die gängige Sichtweise. Slowenien und Kroatien wurden damals wie heute als quasideutsche Protektorate betrachtet, die sich nur wegen der Niederlage Deutschlands im 2. Weltkrieg in einen südslawischen Gesamtstaat integrieren mußten. Beide Staaten sind auch heute ohne offene und nichtoffene, direkte und indirekte deutsche Hilfe nicht überlebensfähig.

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Peter Slater

Deutschland braucht kein Erlaubnis, welches Land sie anerkennen mussen und welches nicht !

Also, Deutschland braucht sich von Europa nichts sagen lassen, denn jedes Land ist unabhangig in seinen Entscheidungen und Jugoslawien hatte keine Chancen zu uberleben, weil die Belgrader Hassprediger die Serben und serbische Volksgruppen verruckt machten und hatte Deutschland und Osterreich nicht politischen und militarischen Druck auf Belgrad ausgeubt, dann ware auch noch Slowenien dem Burgerkrieg zum Opfer gefallen und welches Land will schon ein Burgerkrieg an seinen Grenzen haben ? Also, zur Anerkennung Slowenien und Kroatien gab es kein anderen Weg. Der Burgerkrieg, die Abspaltung und der Tod von vielen 10.000den hatte vermieden werden konnen, hatte Moskau politischen und militarischen Druck auf Belgrad ausgeubt, aber Moskau gab grune Signale fur ein Gross-Serbien und damit war Europas Staaten gezwungen, zu entscheiden und Deutschland nahm Verantwortung war, ohne sich einschuchtern zu lassen, Moskau dagegen nicht und tragt nach Belgrad die Hauptschuld.

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 16.01.2012 11:45 Uhr
Lea Karow
Lea Karow (karow) - 16.01.2012 11:45 Uhr

"Also, Deutschland braucht sich von Europa nichts sagen lassen...

... denn jedes Land ist unabhangig in seinen Entscheidungen"

Das klingt zwar sehr kernig und frisch-fromm-fröhlich-frei - aber so funktioniert Außenpolitik nunmal nicht. Bismarck (der wusste, wie wichtig es ist, eine Isolierung zu vermeiden) lässt grüßen...

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Wolfgang Richter

Voll berechtigt

Die Unterstützung der slowenischen und kroatischen Unabhängigkeitsbestrebungen von Milisevics serbischem Unrechtsregime war der einzige mögliche Schritt.
Andernfalls hätte man sich zum Komplizen seiner Herrschaft gemacht.
Die föderative Republik Jugoslawien war zu einer Diktatur Serbiens unter dem Milosevic-Regimes degeneriert. Besserung war unter dieser gewalttätigen Clique nicht zu erhoffen, friedliche Veränderung leider ausgeschlossen.
Alos blieb keine andere Wahl.

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piet medem
piet medem (pit24) - 15.01.2012 22:27 Uhr

Wären die Serben keine othodoxen Christen und Slawen, dann gäbe es keinen Antiserbitismus aus D

"Die kroatischen Serben fürchteten tatsächlich eine Diskriminierung, als Zagreb 1991 die Unabhängigkeit vorbereitete und dabei Staatssymbole einführte, die auch der faschistische Ustascha-Staat verwendet hatte, zum Beispiel die historische rot-weiß gewürfelte Schachbrett-Fahne oder die Währung Kuna"

Aus Wiki:
Das Konzentrationslager Jasenovac... war im damaligen „Unabhängigen Staat Kroatien“ (NDH), einem Vasallenstaat der faschistischen Achsenmächte, das größte Vernichtungslager während des Zweiten Weltkriegs im besetzten Südosteuropa...Zwischen 1941 bis 1945 gab es etwa 20 Konzentrationslager und Tötungsstätten im ehemaligen, nach der Besetzung Jugosl. durch die deutsche Wehrmacht im April 1941 gestützten Großkroatien... nach kroat. Angaben sind bisher bewiesen allein in Jasenovac 80.914 namentlich bekannte Personen, darunter rund 46000 Serben, 16000 Roma, 13000 Juden..."
Serbische Historiker gehen von ü 1 Million Opfern aus. Noch Fragen?

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Antwort (1) zu dieser Lesermeinung anzeigen neueste Antwort: 16.01.2012 11:48 Uhr
Martin Klocke
Martin Klocke (mampo) - 16.01.2012 11:48 Uhr

nicht so einseitig aufzählen!

man könnte sich jetzt natürlich die diversesten Opferzahlen von beiden Seiten um die Ohren hauen. Auf kroatischer Seite gibt es da auch jede Menge, vor allem vor dem zweiten Weltkrieg, während und danach! Die Familie meines Vaters (Kroate) hat die überwiegende Zahl an Männern am Ende des zweiten Weltkrieges und im Gefangenenlager danach verloren(Bleiburg+Tezno). Sein Bruder wurde im eigenen Haus vor aller Augen von Cetniks hingerichtet. Im darauf folgenden Jugoslawien wurden viele Freunde von ihm inhaftiert und/oder mussten fliehen. Insofern bestanden Ängste sowohl auf kroatischer als auch auf serbischer Seite. Die Verbrechen auf kroatischer Seite während des Ustascha-Staates stehen ohne Zweifel und es gibt keinen Grund sie zu entschuldigen. Aber Einseitigkeit für die Serben ist ebenso fehl am Platz, wie in Ihrem Beitrag. Warum die Verbrechen der Serben über Jahrzehnte unerwähnt lassen? Die Pro-Kroatien Position Ds ist die alte Entsprechung aus KuK Zeiten. (F u UK u RUS pro S etc.)

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TOBIAS RÜGER
TOBIAS RÜGER (t.ruger) - 15.01.2012 21:32 Uhr

Nicht die BRD hat den Zerfall Jugoslawiens betrieben.

Das waren vielmehr dieTeilrepubliken, die mit dem Verbleib im Bundesstaat unzufrieden gewesen waren. Diese machten von ihrem demokratischen Recht, auszutreten Gebrauch. Es zeugt von einem bizarren Rechtsverständnis, die darauffolgende Aggression Rest-Jogoslawiens als legitime Reaktion auf die diplomatische Anerkennung und die BRD als Kriegstreiber darzustellen. Ursächlich für den Abspaltungwunsch von Slowenien und Kroatien, sowie später Bosnien-Herzegowina, Mazedonien und Montenegro war die Reformunfähigkeit der jugoslawischen Machthaber der Post-Titoära. Zur Erinnerung: Bis zum Eingriff der NATO im Zusammenhang mit dem Kosovo-Konflikt fiel in Serbien kein einziger Schuss.

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15.01.2012, 20:27 Uhr

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