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Im Gespräch: Karzais Sicherheitsberater „Unser Präsident wurde unfair behandelt“

11.04.2010 ·  Der afghanische Präsident Hamid Karzai hat seine Verbündeten mit anti-westlichen Äußerungen provoziert. Sein Sicherheitsberater, der frühere Außenminister Rangin Dadfar Spanta, erklärt im Gespräch mit FAZ.NET die Ausbrüche des Staatschefs.

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Der afghanische Staatschef Karzai hat seine amerikanischen Verbündeten mit anti-westlichen Äußerungen provoziert. Sein Sicherheitsberater, der frühere Außenminister Rangin Dadfar Spanta, erklärt im Gespräch mit FAZ.NET warum.

Präsident Karzai hat dem Westen Wahlfälschung und Einmischung in innere Angelegenheiten vorgeworfen. Wendet sich Afghanistan von seinen wichtigsten Verbündeten ab?

Nein. Die Freundschaft zu den Vereinigten Staaten ist eine der Grundsäulen unserer Außen- und Sicherheitspolitik. Sie ist von einer besonderen Qualität und nicht ersetzbar. Es geht hier auf keinen Fall um eine strategische oder auch nur taktische Neuausrichtung der afghanischen Außenpolitik. Sondern nur um Diskussionen unter Freunden.

Ist es nicht recht ungewöhnlich, Freunde als „Eindringlinge“ zu bezeichnen, wie der Präsident das getan hat?

Wir, das heißt Afghanistan und unsere Partner, stehen vor sehr schwierigen Aufgaben. Dem Staatsaufbau, der Bekämpfung des Terrorismus, der Korruptionsbekämpfung. Auf dem Weg zur Erreichung dieser gemeinsamen Ziele haben wir manchmal unterschiedliche Meinungen. Unter dem bestehenden Druck kann es passieren, dass wir mit falschen Mitteln kommunizieren. Manche Leute in Washington und auch die britischen und amerikanischen Medien haben unseren Präsidenten nicht fair behandelt. Aus unserer Sicht handelte es sich bei den Berichten zum Teil um Versuche, den Präsidenten durch propagandistische Mittel unter Druck zu setzen. Wie von der anderen Seite manche Herangehensweise falsch war, so war wahrscheinlich auch auf unserer Seite nicht alles adäquat.

Macht der Präsident die Regierung in Washington für die amerikanische Medienberichterstattung verantwortlich?

Ich war bei allen Diskussionen mit unseren Verbündeten nach der Präsidentschaftswahl dabei. Manchmal kann man durch eine falsche Herangehensweise viel Schaden anrichten. Selbst dann, wenn man recht hat. Ich war Zeuge von nicht adäquater Behandlung unseres Präsidenten. Unsere Verbündeten sollten ernst nehmen, dass wir eine stolze Nation sind. Wir sind arm, aber stolz. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass dieses Land nie kolonisiert wurde, während alle unsere Nachbarländer unter Fremdherrschaft standen.

Vor Stammesältesten hat Präsident Karzai die Nato-Offensive auf Kandahar in Frage gestellt. Was hat er sich dabei gedacht?

Die militärische Offensive selbst ist nicht unser Ziel, sie ist nur ein Mittel zu dem Zweck, den Terror zu beseitigen und die staatlichen Strukturen zu stärken. Solch eine Strategie kann erst dann erfolgreich sein, wenn wir die Unterstützung der Bevölkerung haben. Deshalb müssen wir sie mobilisieren und ihren Sorgen Rechnung tragen. Zum Beispiel in Bezug auf Hausdurchsuchungen. Sie wissen, dass die afghanische Gesellschaft konservativ ist. Kein Afghane akzeptiert, wenn ein nichtafghanischer Mann sein Haus betritt und die Kleidung der Frauen durchsucht. Wir müssen unsere Bevölkerung mental darauf vorbereiten, diese Operation zu unterstützen. Ich bin sicher, das wird der Fall sein.

Den westlichen Regierungen fällt es immer schwerer, ihren Wählern zu erklären, warum ihre Soldaten in Afghanistan sterben und warum Milliarden Steuergelder am Hindukusch ausgegeben werden. Sind die Äußerungen des Präsidenten da nicht kontraproduktiv?

Dieses Problem haben wir auch in Afghanistan. Zum Beispiel hat die Regierung von den gesamten Entwicklungsgeldern nicht mehr als 20 Prozent verwaltet. Aber wenn es um den Missbrauch oder den ineffektiven Einsatz dieser Hilfen geht, wird der Präsident für alles verantwortlich gemacht. Wir werden an den Pranger gestellt. Ich plädiere dafür, dass wir miteinander kommunizieren, wie es zwischen Verbündeten üblich ist. Und das werden wir am 12. Mai in Washington noch einmal unterstreichen. Ich bin zuversichtlich, dass wir die Diskussion wieder in die richtigen Bahnen lenken können.

Am 12. Mai reist Präsident Karzai nach Washington. Was hat er sich für das Treffen vorgenommen?

Vorher haben wir eine große Versammlung mit 1400 Volksvertretern in Kabul, mit denen wir über Friedensperspektiven diskutieren werden. Über die Frage, unter welchen Bedingungen wir die Taliban einbeziehen können, um den Konflikt zu beenden. Über die Ergebnisse dieser Versammlung werden wir in Washington diskutieren. Darüber hinaus wollen wir über die afghanischen Prioritäten des Wiederaufbaus sprechen. Landwirtschaft, Infrastruktur, Energieversorgung. Damit wir als Staat in der Lage sind, die Unterstützung der Bevölkerung zu gewinnen. Damit auch die amerikanische Politik die Unterstützung der Bevölkerung bekommt.

Amerika bezieht Pakistan immer stärker in seine Afghanistan-Politik ein. Das wird in Kabul mit Sorge gesehen. Warum?

Eine verstärkte regionale Kooperation ist in unserem Interesse. Aber eine Appeasement-Politik gegenüber jenen, die Terror für ihre Außen- und Sicherheitspolitik benutzen, wird all unsere Errungenschaften der vergangenen neun Jahre vernichten und die Region wieder in einen Rückzugsort für internationalen Terrorismus verwandeln. Davor müssen wir unsere Verbündeten warnen. Unsere Forderung, die Quellen und nicht die Symptome des Terrors zu bekämpfen, hat die internationale Gemeinschaft seit Jahren systematisch ignoriert. Wir müssen gegen die Trainingslager und die Finanzquellen des Terrors vorgehen.

Die Fragen stellte Friederike Böge.

Quelle: FAZ.NET
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