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Im F.A.Z.-Gespräch: Diplomat Kramer „Moskau schürt die Stimmung“

22.02.2008 ·  David J. Kramer, stellvertretender Abteilungsleiter im State Department der Vereinigten Staaten, spricht über die Unabhängigkeit des Kosovos und Russlands Rolle als Schutzmacht Serbiens.

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David J. Kramer, stellvertretender Abteilungsleiter im State Department der Vereinigten Staaten, spricht über die Unabhängigkeit des Kosovos und Russlands Rolle als Schutzmacht Serbiens.

Herr Kramer, in Belgrad brannte die amerikanische Botschaft. Moskau hatte Washington davor gewarnt, das Kosovo anzuerkennen.

Natürlich sind wir sehr besorgt, wenn eine unserer Botschaften angegriffen wird. Es sollte aber alle Staaten der Welt umtreiben. Es waren Ausschreitungen am Rande einer Großdemonstration. Ich glaube zwar nicht, dass Russland hieran direkten Anteil hatte. Es trägt dafür keine Verantwortung. Wohl aber schürte Russland die Grundstimmung mit, die zu solchen Exzessen führte. Es verurteilte die Unabhängigkeit des Kosovos als Verletzung internationalen Rechts. Russland ist nun in der Pflicht, ebenso seinen Einfluss auf Serbien zu nutzen, damit solche Gewalt sich nicht wiederholt.

Russland gibt sich weiterhin als Schutzmacht Serbiens. Steckt dahinter die Furcht vor einem Großalbanien?

Ehrlich gesagt glaube ich nicht, dass das eine ernstgemeinte Sorge Moskaus ist. Russland will vielmehr der Welt seine eigene Macht demonstrieren. Es mag tatsächlich brüderliche Gefühle für die Serben hegen, es gibt ohne Zweifel panslawische Verbindungen. Aber mit seiner Ablehnung der Unabhängigkeit des Kosovo von Anbeginn wollte es an seine machtpolitisch wichtige Rolle auf der Welt zu erinnern. Wir haben russische Bedenken über Jahre sehr ernst genommen und versucht, eine einvernehmliche Lösung zu finden. Das gelang nicht.

Russland benutzt demnach das Kosovo, um seine Einflusssphäre auszuweiten?

Sollte das die Strategie Moskaus sein, dann geht sie nicht auf. Täglich erkennen mehr Staaten die Republik Kosovo an und widersprechen damit eindeutig der russischen Haltung.

Andere applaudieren Moskau, sogar Georgien. Putin gilt als Garant für die Einheit von Staaten.

Das Kosovo ist kein Präzedenzfall, es taugt nicht als Beispiel für andere Regionen, die Unabhängigkeit suchen. Und es kann nicht in Moskaus Interesse sein, es dazu zu stilisieren. Aber eben das könnte die Folge von Putins Handeln sein, wenn er eine Machtprobe daraus macht.

Wie weit wird Russland für die Serben gehen? Wird es die UN-Mitgliedschaft des Kosovos auf Dauer verhindern?

Russland wird unseren Erkenntnissen nach nicht militärisch in den Konflikt eingreifen. Es wird keine Truppen zur Unterstützung Serbien entsenden. Diplomatisch aber gibt Moskau sich hartnäckig: Derzeit verweigert es die Aufnahme Kosovos nicht nur in die Vereinten Nationen, sondern in alle internationalen Organisationen. Es hängt vom künftigen Frieden im Kosovo und Serbien ab, wie lange Russland sein "Njet" aufrechterhalten kann.

Das Gespräch führte Wulf Schmiese.

Quelle: F.A.Z.
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