Home
http://www.faz.net/-gq5-72i1u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

IAEA-Warnung Iran beschleunigt sein Atomprogramm

 ·  Ausbau der Urananreicherung und verwischte Spuren möglicher Nuklearwaffen-Experimente: Der neue Iran-Bericht der IAEA nährt die Sorge vor einer Atommacht Iran und einem möglichen Angriff Israels.

Artikel Bilder (2) Lesermeinungen (46)
© dpa Die Flagge der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA vor dem UN-Gebäude in Wien

Iran treibt den Ausbau seines umstrittenen Atomprogramms stetig voran und lässt sich dabei immer weniger in die Karten schauen. Das geht aus einem am Donnerstag in Wien vorgelegten Iran-Bericht der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA hervor. Vor allem die gesteigerte Urananreicherung und verwischte Spuren in der Militäranlage Parchin machen den Atomwächtern Sorgen.

Experten befürchten einen baldigen Angriff Israels auf die iranischen Nuklearanlagen, wenn es weiter keine Annäherung im Atomstreit gibt. Viele Länder sind sich inzwischen sicher, dass Iran unter dem Deckmantel der zivilen Nutzung der Atomenergie an Nuklearwaffen arbeitet. Auch die IAEA hält dies wegen fehlender Kooperation des Landes für immer wahrscheinlicher.

Dennoch bemüht sich die Behörde weiter um Zugang zu Informationen und Anlagen. Vergangene Woche blieben abermalige Iran-IAEA-Gespräche ohne Ergebnis. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon forderte den Iran am Donnerstag In Teheran auf, im Atomstreit eine rasche diplomatische Einigung mit dem Westen zu finden und ernsthaft mit der IAEA zusammenzuarbeiten.

Im Interesse von Frieden und Sicherheit müsse der Iran in der internationalen Gemeinschaft Vertrauen aufbauen, dass sein Atomprogramm ausschließlich friedlicher Natur sei, sagte Ban auf dem Gipfeltreffen der Blockfreien Staaten. Ban forderte die iranische Führung außerdem auf, ihre verbalen Angriffe auf Israel zu beenden.

„Wir stellen keine Atomwaffen her“

Erklärungen, wonach das UN-Mitglied Israel kein Existenzrecht habe, seien nicht nur total falsch, sondern untergrüben auch die Prinzipien der Vereinten Nationen. Der israelische Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu kündigte in Jerusalem an, er wolle Ende September vor der UN-Vollversammlung den Iran als „größte Gefahr für den Weltfrieden“ brandmarken.

Iran hat den IAEA-Bericht zum Ausbau seines Atomprogramms inzwischen als politisch motiviert zurückgewiesen. Der Zeitpunkt der Veröffentlichung während des Treffens der Blockfreien Staaten in Teheran zeige dies deutlich, sagte der Abgeordnete Kasem Dschalali am Freitag der Nachrichtenagentur Isna. „Es sieht so aus, als wäre dieser Bericht aus einem Szenario für psychologische Kriegsführung“, erklärte er weiter. Dschalali ist Mitglied der Ausschüsse für Nationale Sicherheit und Außenpolitik im Parlament.

Die Bundesregierung setzt weiter auf Diplomatie

Unterdessen drängt die Bundesregierung Israel ungeachtet zunehmender Sorgen über das iranische Atomprogramm, auf einen Militärschlag gegen das islamische Land zu verzichten. Allerdings bestätigte ein Sprecher der Bundesregierung am Freitag nicht einen Bericht der israelischen Zeitung „Haaretz“, nach dem Bundeskanzlerin Angela Merkel in einem Telefonat Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu persönlich gebeten habe, „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ keinen Alleingang zu unternehmen und die Atomanlagen anzugreifen.

Merkel habe sich dafür ausgesprochen, zunächst der Diplomatie mehr Zeit zu geben, bevor ein Angriff unternommen werde, berichtet die linksliberale Zeitung unter Berufung auf israelische Regierungskreise. Vize-Regierungssprecher Georg Streiter betonte aber, die Bundesregierung sei der festen Überzeugung, der Konflikt lasse sich nicht militärisch lösen. Iran sei aufgerufen, alle offenen Fragen zu seinen Atomprogramm zu klären.

Deutlicher Ausbau der Urananreicherung

Der IAEA geht es aktuell vor allem um Zugang zu der Militäranlage Parchin, in der sie Tests im Zusammenhang mit Atomwaffen vermutet. Jahrelang habe es rund um die Gebäude keine Arbeiten gegeben, heißt es im Bericht. Seitdem die IAEA im Januar 2012 aber Zugang zu Parchin gefordert habe, sei plötzlich viel passiert: Gebäude wurden abgerissen, Material abtransportiert und der Boden umgegraben. Eine effektive Kontrolle sei damit kaum noch möglich.

Ebenfalls Unbehagen bereitet den Atomwächtern der deutliche Ausbau der Urananreicherung im Land, deren Stopp eine zentrale Forderung der Weltmächte im Streit mit dem Iran ist: Nach IAEA-Informationen hat Teheran die Zahl seiner für die Anreicherung benötigten Zentrifugen seit dem vorangegangenen Iran-Bericht im Mai auf mehr als 2000 verdoppelt. Diese sind in der unterirdischen und vor einem Angriff gut gesicherten Anlage in Fordo installiert.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa, Reuters
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Hollandes Hand

Von Günther Nonnenmacher

Die Bundesregierung sollte sich klar darüber sein, was genau es bedeutet, wenn sie zur Krisenbewältigung „mehr Europa“ fordert. Mehr 33 35