14.01.2007 · Der schnelle militärische Sieg Äthiopiens über die somalischen Islamisten war beeindruckend. Dennoch besteht kaum Hoffnung, dass Somalia nach 16 Jahren Anarchie und Willkür endlich Frieden findet. Das Gegenteil dürfte der Fall sein, meint Thomas Scheen.
Von Thomas ScheenDer schnelle militärische Sieg der äthiopischen Armee über die somalischen Islamisten war beeindruckend. Dennoch besteht nach der Vertreibung der Scharia-Milizen aus allen größeren Städten des Landes kaum Hoffnung, dass Somalia nach 16 Jahren Anarchie und Willkür endlich Frieden findet.
Das Gegenteil dürfte der Fall sein, und das hat nicht alleine mit der Ankündigung der Islamisten zu tun, den Kampf mit Anschlägen à la Bagdad fortsetzen zu wollen. Es hat vielmehr mit der Tatsache zu tun, dass im Gefolge der Äthiopier die zuvor von den Islamisten vertriebenen Kriegsfürsten zurück in die Hauptstadt Mogadischu streben.
Plattform für alles Antiäthiopische
Einen Vorgeschmack darauf gab der Zwischenfall vom Freitag, bei dem sechs Menschen getötet wurden, als die Garde des Übergangspräsidenten Abdullahi Yusuf Ahmed und die Milizionäre eines mächtigen Kriegsfürsten sich nicht einigen konnten, ob die Kampfwagen des Warlords nun in den Innenhof des Präsidentenpalastes vorfahren durften oder nicht. Solche Panzerfaustduelle um Lappalien gehörten vor der sechs Monate währenden Herrschaft der Islamisten zum Alltag Mogadischus, und anscheinend sind die neuen Herren der Stadt schnell zu den alten Untugenden zurückgekehrt. Dabei war es just die Schaffung von einem Mindestmaß an öffentlicher Sicherheit, das den Islamisten so viel Zulauf bescherte.
Aus äthiopischer Sicht aber gab es keine Alternative zu der Intervention. Schließlich hatten die Islamisten aus ihrer Absicht, die heute zu Äthiopien gehörende, aber überwiegend von Somaliern bewohnte Region Ogaden zurückzuerobern, nie einen Hehl gemacht. Sie hatten wiederholt zum Dschihad gegen Äthiopien aufgerufen und damit die internationalen Söldner Allahs auf den Plan gerufen. Außerdem waren sie dank großzügiger Zuwendung diverser nahöstlicher Regime, insbesondere aber Eritreas, in den Besitz von modernen Lenkwaffensystemen gelangt.
Zum Schluss tummelte sich in Mogadischu so ziemlich alles, was den Sturz der äthiopischen Regierung betreibt: eritreische Soldaten und Geheimdienstler, Rebellen aus Ogaden und die Rebellen aus Oromo, einer nach Unabhängigkeit strebenden Volksgruppe Äthiopiens. Somalia war in den letzten sechs Monaten zu einer regelrechten Plattform für alles Antiäthiopische geworden. Vor diesem Hintergrund waren die aus Amerika kommenden Mutmaßungen, die Scharia-Richter um den ehemaligen somalischen Offizier Sheik Hassan Darweys kungelten mit Al Qaida, für Äthiopien willkommener Vorwand, nicht aber Anlass für die Intervention.
Al-Qaida-Lager in Eritrea
Dabei kann man über eine massive Präsenz Al Qaidas in Somalia nur mutmaßen. Es ist anzunehmen, dass Al Qaida längst versucht hat, im weitgehend rechtlosen Somalia Fuß zu fassen. Man kann sogar den amerikanischen Vorwürfen Glauben schenken, in Mogadischu hielten sich die Urheber der Bombenattentate auf die amerikanischen Botschaften in Nairobi und Daressalam von 1998 versteckt, deren Eliminierung Hintergrund des amerikanischen Luftangriffs vom vergangenen Sonntag war. Der amerikanische Botschafter in Nairobi aber musste eingestehen, dass die Aktion ein Fehlschlag war, womit sich die Frage stellt, ob diese Leute wirklich so clever sind, der geballten Militärmaschinerie der Amerikaner immer wieder von der Schippe zu springen, oder ob nicht vielmehr die Aufklärung der Amerikaner an Lausigkeit kaum noch zu überbieten ist.
Interessant im Zusammenhang mit den Al-Qaida-Spekulationen sind die bislang zwar nur spärlich eintreffenden, dafür aber sehr beredten Schilderungen ehemaliger Kämpfer der Scharia-Milizen, wo sie ihre militärische Ausbildung erhalten haben: nicht etwa in Al-Qaida-Lagern in Somalia, sondern in Eritrea, einer international anerkannten und eine Zeitlang kräftig mit Entwicklungshilfe versorgten Nation, die sich mit Äthiopien von 1998 bis 2000 einen erbitterten Grenzkrieg lieferte und seither nach dem Prinzip „Äthiopiens Feind ist mein Freund“ eine Politik der verbrannten Erde betreibt. Von Sanktionen gegen Eritrea aber ist bislang nicht die Rede.
All das sind außenpolitische Fragen, für die sich der Mann und die Frau auf den Straßen von Mogadischu nichts kaufen können, am allerwenigsten Sicherheit. Ob der Präsident der somalischen Übergangsregierung, Abdullahi Yusuf Ahmed, ihnen diese künftig garantieren kann, ist noch fraglich. Zwar gilt der ehemalige General als harter Hund. Doch in den Augen der Bevölkerung bleibt er die Marionette der verhassten Äthiopier. Zudem gehört Abdullahi dem Clan der Daarood an - das ist in der vom Clan der Hawiye dominierten Hauptstadt Mogadischu die denkbar schlechteste Voraussetzung.
Code: AL QAIDA
A. Malliki (a.malliki)
- 14.01.2007, 01:37 Uhr
beeindrukender Sieg!
hyder farhat (farhat)
- 14.01.2007, 12:14 Uhr
Thomas Scheen Jahrgang 1965, politischer Korrespondent für Afrika mit Sitz in Johannesburg.
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