http://www.faz.net/-gpf-13v2u
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 22.09.2009, 11:51 Uhr

Honduras Zelaya greift wieder nach der Macht

Der gestürzte honduranische Präsident Manuel Zelaya ist drei Monate nach seiner Vertreibung in sein Heimatland zurückgekehrt, um sein Amt zurückzufordern. Er suchte in der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa Zuflucht. Die Behörden verhängten eine Ausgangssperre und fordern seine Auslieferung.

© AP Wieder zurück in Honduras: der gestürzte Präsident Manuel Zelaya

Völlig unbemerkt von den derzeitigen Machthabern in Honduras ist der gestürzte Präsident Manuel Zelaya in das mittelamerikanische Land zurückgekehrt. Die Übergangsregierung reagierte am Montag mit einer landesweiten Ausgangssperre und forderte Brasilien, in dessen Botschaft Zelaya Unterschlupf fand, zur Auslieferung auf. Der gestürzte Präsident zeigte sich auf dem Balkon der brasilianischen Botschaft in der Hauptstadt Tegucigalpa seinen Anhängern, die zu Tausenden zusammenströmten. Offenbar aus Angst vor Unruhen verhängte die Übergangsregierung von Roberto Micheletti eine Ausgangssperre, die erst bis Dienstagmorgen 7.00 Uhr (Ortszeit, 15.00 Uhr MESZ) gelten sollte, dann aber bis zum Abend verlängert wurde. Die Behörden schlossen zudem den internationalen Flughafen und errichteten Straßensperren. Im Viertel, wo sich die brasilianische Botschaft befindet, wurde vorübergehend der Strom abgestellt. Der stellvertretende Innenminister des Landes, Mario Perdomo, erklärte, man habe Straßensperren auf den Zufahrtsstraßen nach Tegucigalpa errichtet, um zu verhindern, dass Anhänger Zelayas in die Hauptstadt kämen und dort „Ärger machen“.

Micheletti appellierte in einer von Radio und Fernsehen übertragen Ansprache an Brasilien, „die honduranische Justiz zu respektieren und Herrn Zelaya an die zuständigen honduranischen Behörden zu übergeben“. Die Interimsregierung hatte Zelaya im Fall seiner Rückkehr immer wieder mit juristischen Folgen gedroht. Erste Medienberichte über eine Rückkehr des vor drei Monaten von Militärs gestürzten Präsidenten hatte Micheletti zunächst als falsch zurückgewiesen und von „Medienterrorismus“ gesprochen. Zelaya befinde sich in Nicaragua, nicht in Honduras, versicherte Micheletti. Nur wenig später erklärte Brasilien dann offiziell, dass Zelaya in der Botschaft in Tegucigalpa sei. Die Botschaft sei der Bitte des gestürzten Präsidenten nach Asyl nachgekommen, sagte Außenminister Celso Amorim. Brasilien habe aber nichts mit der Rückkehr zu tun.

Mehr zum Thema

Zelaya sagte der Nachrichtenagentur AP, er wolle Kontakt mit der Übergangsregierung aufnehmen, um Verhandlungen über eine Lösung für die gegenwärtige Situation zu finden. Seine Landsleute rief er zu friedlichem Protest auf. Die Armee warnte er vor Übergriffen. „Das ist der Moment für eine Versöhnung“, sagte er. Die Reise sei genau geplant und „sehr lang, etwa 15 Stunden lang“ gewesen, sagte er in der Botschaft zu Journalisten. Seit Sonntag sei er in mehreren Ländern gewesen. Um Kontrollen von Polizei und Armee zu umgehen, habe er mehrmals das Transportmittel gewechselt. Nun sei er wieder in seinem Land - „um den Dialog zu suchen, um das Problem zu lösen“.

© reuters Zelaya greift wieder nach der Macht

Clinton: Chance für Honduras

Das Militär hatte Zelaya Ende Juni aus dem Amt geputscht und außer Landes gebracht. Die Armee begründete ihren Putsch offiziell mit Zelayas Streben nach einer in der Verfassung nicht vorgesehenen weiteren Amtszeit als Präsident nach den Wahlen im November. Der Putsch wurde von der internationalen Gemeinschaft aber nicht akzeptiert. Die Vereinigten Staaten und die Europäische Union sehen Zelaya weiter als legitimen Präsidenten an.

Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton warnte nach der Rückkehr von Zelaya vor Gewalt und sprach von einer Chance für Honduras. Clinton sagte in New York, Zelaya solle wieder sein Amt übernehmen; die für November geplanten Wahlen müssten abgehalten werden. Die verfassungsmäßige und demokratische Ordnung in Honduras müsse wieder hergestellt werden. Clinton äußerte sich am Rande eines Gesprächs mit den Präsidenten Costa Ricas, Oscar Arias, der in Honduras versucht hatte zu vermitteln. Mit Blick auf Zelayas Rückkehr sprach auch Arias von einer „guten Gelegenheit“ für Honduras.

Die Europäische Union hat die Konfliktparteien in Honduras zu einer friedlichen Lösung
aufgerufen. Nach der Rückkehr Manuel Zelayas müssten alle Seiten Ruhe bewahren und von Gewalt Abstand nehmen, erklärte der schwedische EU-Ratsvorsitz in einer am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Erklärung.

Quelle: FAZ.NET

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Trumps Außenpolitik Amerika über alles

Die Präsidentschaftskandidatur für die Republikaner ist Donald Trump kaum noch zu nehmen. Wie er mit seiner außenpolitischen Agenda, Amerikas Interessen zum obersten Maßstab zu machen, die Wähler verführt. Eine Analyse. Mehr Von Klaus-Dieter Frankenberger

28.04.2016, 14:11 Uhr | Politik
Kein Vertrauen Amtsenthebungsverfahren für Brasiliens Präsidentin rückt näher

Für die brasilianische Präsidentin Dilma Rousseff rückt das Amtsenthebungsverfahren näher. Ein wichtiges Mitglied des Komitees, das die Manipulation von Staatskonten untersucht, sagte, es gebe genug Gründe, einen Prozess gegen Rousseff zu starten. Mehr

07.04.2016, 12:19 Uhr | Politik
Obama-Besuch Treffen der Seelenverwandten

Barack Obama schätzt Angela Merkel mittlerweile in höchstem Maße. Wie die beiden trotz anfänglicher Probleme zueinander gefunden haben. Mehr Von Andreas Ross und Majid Sattar, Washington, Berlin

22.04.2016, 09:13 Uhr | Politik
Brasilia Olympisches Feuer brennt in Brasilien

Die Flamme ist in Brasiliens Hauptstadt Brasilia angekommen. Präsidentin Rousseff übergibt die brennende Olympische Fackel an die zweifache Volleyball-Olympiasiegerin Fabiana Claudino. Mehr

03.05.2016, 19:39 Uhr | Sport
Brasilien Parlamentspräsident Eduardo Cunha abgesetzt

Der Oberste Gerichtshof hat in Brasilien den Parlamentspräsidenten, einen Erzfeind Dilma Rousseffs, suspendiert. Für die Präsidentin dürfte der Sturz Eduardo Cunhas aber zu spät kommen. Mehr Von Matthias Rüb, São Paulo

05.05.2016, 17:06 Uhr | Politik

Erdogans Launen

Von Reinhard Veser

Mit dem Rücktritt von Ministerpräsident Davutoglu, der die Vereinbarung mit der EU in der Flüchtlingskrise ausgehandelt hat, dürfte die Zusammenarbeit mit der Türkei noch schwieriger werden. Sie hängt jetzt noch mehr von Präsident Erdogan ab. Mehr 0