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Honduras Mindestens ein Toter und Dutzende Verletzte in Tegucigalpa

24.09.2009 ·  In Honduras ist bei Zusammenstößen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Zelaya und der Polizei eine Person erschossen worden. Zelaya wies ein Gesprächsangebot seines Nachfolgers Micheletti als „Manipulation“ zurück

Von Josef Oehrlein
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In Honduras ist bei Zusammenstößen zwischen Anhängern des gestürzten Präsidenten Manuel Zelaya und der Polizei nach Angaben aus Justizkreisen eine Person erschossen worden. Der Vorfall habe sich am Dienstag in einem Armenviertel der Hauptstadt Tegucigalpa ereignet, sagte ein Vertreter der Gerichtsmedizin am Mittwoch. Bei der Räumung des Geländes vor der brasilianischen Botschaft in Tegucigalpa sind derweil mehrere Dutzend Anhänger Zelayas verletzt worden. Nachrichtenagenturen berichteten von einem weiteren Toten, der Mann sei in einem Krankenhaus seinen Verletzungen erlegen.

Nach Schätzungen wurden bis zu 200 Personen festgenommen und in ein Sportstadion gebracht. Bis zu 300 Gefolgsleute Zelayas, der am Montag in die diplomatische Vertretung geflohen war, haben sich auf dem Botschaftsgelände aufgehalten, fast 150 Personen haben dort die Nacht verbracht. Die Telefonverbindungen sowie die Versorgung mit Strom und Wasser waren zeitweise unterbrochen. Eine Gruppe von UN-Mitarbeitern brachte Wasser und Nahrungsmittel in die Botschaft. Mitarbeiter Zelayas, die das Gelände verließen, suchten in Privathäusern Zuflucht.

Die Regierung des vom Parlament ernannten Präsidenten Roberto Micheletti verlängerte abermals die Ausgangssperre. Ihre Reaktion auf die Anwesenheit Zelayas in Tegucigalpa blieb widersprüchlich. Zum ersten Mal seit dem Wiederaufflammen des Konflikts zeigte sich Micheletti gesprächsbereit. Er sagte aber auch, Zelaya könne zehn Jahre in der brasilianischen Botschaft bleiben, er werde jedoch auf keinen Fall wieder ins Präsidentenamt zurückkehren können.

In Honduras haben trotz Ausgangssperre abermals Anhänger des zurückgekehrten Präsidenten Zelaya demonstriert. Dieser sucht weiterhin in der Botschaft Brasiliens Zuflucht vor dem Militär.

Wie kam Zelaya unerkannt nach Tegucigalpa?

Zelaya bezeichnete das Dialogangebot seines Widersachers als „Manipulation“. Er warf Micheletti vor, nicht zu einer Verhandlungslösung bereit zu sein. Micheletti versicherte, die diplomatische Vertretung Brasiliens werde nicht von Sicherheitskräften angegriffen. Zuvor hatte der brasilianische Präsident Luiz Inácio Lula da Silva, der sich in New York aufhält, Zelaya aufgefordert, der Regierung keinen Vorwand zu liefern, der eine Erstürmung der Botschaft rechtfertigen könnte. Lula verlangte eine Dringlichkeitssitzung des UN-Sicherheitsrates.

Lateinamerikanische Regierungen und Menschenrechtsorganisationen kritisierten das Vorgehen der honduranischen Sicherheitskräfte und forderten beide Seiten auf, nach einer einvernehmlichen Lösung zu suchen. Das amerikanische Außenministerium bekundete, der beste Weg sei die Annahme des Vermittlungsvorschlags des Friedensnobelpreisträgers Oscar Arias, der eine Rückkehr Zelayas ins Präsidentenamt unter bestimmten Bedingungen vorsieht. Der Generalsekretär der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), José Miguel Insulza, bezeichnete die Anwesenheit Zelayas in Honduras als „große Gelegenheit“, um eine friedliche Beilegung des Konflikts herbeizuführen.

Unklar ist weiterhin, wie Zelaya unerkannt nach Tegucigalpa gelangen und in der brasilianischen Botschaft Aufnahme finden konnte. Er selbst sagte nur, er habe eine 15 Stunden dauernde Reise über Berge und über Flüsse hinter sich gebracht. An den Tagen zuvor war er in verschiedene mittelamerikanische Länder gereist, vermutlich um seine Spuren zu verwischen. Als wahrscheinlich gilt, dass er von El Salvador aus nach Honduras eingereist ist und in einem Diplomatenfahrzeug eines Drittlandes in die brasilianische Botschaft gebracht wurde.

Schlüsselfigur im Konflikt ist Präsident Micheletti

Mit der Aufnahme Zelayas, der sich von der Botschaft aus ungehindert politisch betätigen und öffentliche Stellungnahmen abgeben kann, habe Brasilien eines seiner ehernen diplomatischen Gesetze gebrochen und sich direkt in die inneren Angelegenheiten eines Staates eingemischt, sagen Kritiker. Brasília wolle damit seine Absicht bekunden, als Friedensstifter in der Region angesehen zu werden. Allerdings habe es sich gerade durch die Parteinahme für Zelaya als Vermittler selbst ausmanövriert.

Schlüsselfigur in der neuerlichen Phase des Konflikts ist nach allgemeiner Anschauung der amtierende Präsident Micheletti, der sich nach wie vor unbeugsam gibt. Er werde erst nachgeben, wenn er den - noch vorhandenen, aber offenbar allmählich bröckelnden - Rückhalt beim Unternehmertum und im Militär vollkommen verloren habe, sagen Personen, die ihn seit langer Zeit kennen. Die einzige Alternative bestehe darin, ihn mit Gewalt aus dem Amt zu entfernen.

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