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Homo-Ehe in Frankreich : Ein Kulturkampf

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Mit dem Gesetz zur Homo-Ehe wollte Präsident Hollande die Linke hinter sich versammeln, nun hat er die Rechte mobilisiert. Denn die Angelegenheit ist in Frankreich durchaus Ausdruck eines Kulturkampfes.

          Es ist schwer vorzustellen, dass die Debatte über die Ehe zwischen Personen gleichen Geschlechts (“Homo-Ehe“) in Deutschland die Schärfe und Hitze erreichen könnte, wie sie die Auseinandersetzung in Frankreich in den vergangenen Wochen angenommen hatte. Die Gegner der „Mariage pour tous“ brachten in Paris eine Million Demonstranten auf die Beine, ihre Befürworter einige hunderttausend.

          Und selbst jetzt, da das entsprechende Gesetz von Nationalversammlung und Senat mit deutlichen Mehrheiten angenommen wurde, nimmt der Kulturkampf kein Ende - die Gegner haben bereits neue Massendemonstrationen angekündigt.

          Protest gegen die Homo-Ehe in Paris am 13. Januar
          Protest gegen die Homo-Ehe in Paris am 13. Januar : Bild: AFP

          Denn ein Kulturkampf, dessen sich die politischen Parteien bedienen, ist die Angelegenheit durchaus. Die französische Bevölkerung ist in der Frage in zwei fast gleich starke Hälften gespalten, und man erkennt, dass sich da der alte Konflikt zwischen dem laizistischen, progressistischen Teil des Landes und den traditionalistischen, der katholischen Kirche nahestehenden Milieus reproduziert (in diesem Fall haben sich auch die Vertreter der jüdischen Gemeinde und der Muslime auf die Seite der Katholiken geschlagen).

          Es ist eine Spaltung, die das geistige und gesellschaftliche Leben seit dem 19. Jahrhundert geprägt hat und die bis heute üblicherweise in Form eines „Schulkampfes“ ausgetragen wird: Da geht es immer wieder um den Gegensatz zwischen der strikt laizistischen „Education nationale“ und den privaten, in ihrer überwältigenden Mehrheit katholischen Schulen, die in den vergangenen Jahren wegen des Qualitätsverfalls öffentlicher Schulen Zulauf bekommen haben.

          Der vormalige sozialistische Präsident Mitterrand, selbst Eleve einer katholischen Anstalt, hatte den Streit in den achtziger Jahren entschärft, sein Erbe Hollande hat ihn jetzt mit der Einführung der Homo-Ehe wieder neu angefacht.

          Der Gedanke dahinter war, die Linke hinter einem symbolischen Thema zu versammeln, weil sie sich als Ganzes in der Wirtschafts- und Finanzpolitik des Präsidenten nicht wiederfinden kann. Doch dieses Ablenkungsmanöver ist angesichts der desaströsen Wirtschaftslage des Landes nicht gelungen. Dafür ist der Rechten ein Mobilisierungsthema auf dem Silbertablett gereicht worden. Ob das allerdings den von Fraktions- und Positionskämpfen zerrissenen bürgerlichen Parteien nützt, ist eine andere Frage.

          Quelle: F.A.Z.

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