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Hmong Das Elend der Bergbewohner

 ·  Den 4400 Hmong, die Thailand nach Laos abgeschoben hat, droht in ihrer Heimat Verfolgung durch das kommunistische Regime. Doch für Thailand sind sie keine politischen, sondern Wirtschaftsflüchtlinge.

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Nur wenige Stunden benötigten die etwa 5000 thailändischen Soldaten, Beamten und zivilen Helfer, um die knapp 4400 Angehörigen der Volksgruppe der Hmong am Montag aus einem Lager im Nordosten des Landes in Lastwagen und Bussen über den Grenzfluss Mekong nach Laos zu bringen. Was die Hmong in dem kommunistischen Land erwartet, schildert Rebecca Sommer, die Vertreterin der Gesellschaft für bedrohte Völker (GbV) in New York, die Kontakt mit einigen der Flüchtlinge hat: Unmittelbar nach der Ankunft seien zwei Anführer der Hmong gefoltert worden, 24 weitere seien sofort von den anderen isoliert worden. Tilman Zülch, der Gründer und ehemalige Generalsekretär der GbV, sagt, in Laos seien Teile der Hmong-Minderheit "schleichender Diskriminierung und Repressionen" ausgesetzt.

Bis heute leben dort etwa 450.000 Hmong, sie stellen damit acht Prozent der Bevölkerung. Tilman Zülch vergleicht die Lage der Hmong in Laos mit der Lage der Tibeter und Uiguren in China: Die Stadtbevölkerung der Minderheit werde weniger diskriminiert, einzelne Vertreter hätten Gelegenheit zu sozialem Aufstieg und Teilnahme an der politischen Herrschaft. Ein Hmong ist Mitglied im elfköpfigen Politbüro der kommunistischen Partei. Aber die Hmong auf dem Land, sagt Zülch, würden immer wieder bedroht, da ihnen Verbindungen zu Rebellentruppen und "feindseligen ausländischen Kräften" vorgeworfen würden. Das diene als Vorwand für Ausbeutung und Repressionen.

Guerillatruppe von CIA unterstützt

Seit jeher sind die Beziehungen der Hmong zu den jeweiligen Machthabern in ihren Siedlungsgebieten schwierig. Sie stammen ursprünglich aus dem Südosten Chinas, wo sie nach und nach durch die Zuwanderung von Han-Chinesen verdrängt wurden. Im Laufe des 18. und 19. Jahrhunderts verstreuten sich die Hmong über ganz Südostasien, siedelten besonders in Vietnam, Laos und Thailand. Ein großer Teil von ihnen fand sich im 20. Jahrhundert in Indochina unter der Kolonialherrschaft der Franzosen wieder, die die Hmong als "Montagnards" bezeichneten, als Bergbewohner, da sie vor allem in gebirgigen Regionen lebten. Den Franzosen galten die Hmong als kriegerisch, da sie immer wieder gegen die Kolonialverwaltung rebellierten. 1918 begann ein als "Krieg der Verrückten" bekannter Konflikt zwischen den Truppen der Kolonialherren und Hmong-Aufständischen. Der Krieg endete mit der Enthauptung einiger Anführer der Hmong, jedoch gestanden die Franzosen den Hmong erstmals besondere Rechte als Minderheit zu.

Während des Vietnamkrieges wurde Laos zum Schauplatz eines "geheimen Krieges" zwischen den von den Vereinigten Staaten unterstützten Truppen der "Königlichen Armee Laos" und den kommunistischen "Pathet Lao", die von China Geld und Waffen erhielten. Die Hmong schlugen sich mehrheitlich auf die Seite der Amerikaner. Nach dem Sieg der Kommunisten 1975 formierte sich die "United Lao National Liberation Front" unter dem Hmong Vang Pao. Diese 30.000 Mann starke Guerrillatruppe, die vor allem aus Hmong bestand und vom amerikanischen Geheimdienst CIA gestützt wurde, bekämpfte bis in die neunziger Jahre hinein das kommunistische Regime in Laos.

Wirtschafts- statt politische Flüchtlinge

Von 1975 an flohen mehr als 100.000 Hmong über den Mekong nach Thailand, um der Verfolgung durch das laotische Regime zu entgehen. Rund 20.000 Hmong mit Verbindungen zur alten Regierung und den Amerikanern kamen in laotische "Seminare", in Umerziehungslager. Nie erkannte Thailand die Hmong als politische Flüchtlinge an; vielmehr galten sie dort stets als "Wirtschaftsflüchtlinge", als illegale Einwanderer.

Von denjenigen, die nach Thailand flüchteten, fanden später Zehntausende ihren Weg in die Vereinigten Staaten, die von 1980 an die Aufnahme von Hmong aus humanitären Gründen erleichterten. Die Exilgemeinschaft der Hmong wird mittlerweile auf 250.000 Personen geschätzt und konzentriert sich besonders auf Kalifornien, Wisconsin und Minnesota. In diesem Bundesstaat sind sie mit zwei Abgeordneten im Parlament vertreten. Immer wieder weisen die Hmong im Exil auf die schwierige Lage ihrer Verwandten in Laos und Thailand hin. Auch ein Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnet die Lage der Hmong in Laos als dramatisch. Tausende Angehörige der Minderheit würden sich im Dschungel vor den Sicherheitskräften der Machthaber verstecken. Der Bericht erwähnt unter anderem einen Angriff von Regierungstruppen auf ein Hmong-Dorf im April 2006. Die laotische Armee soll mit Maschinengewehren und Panzergranaten auf das Dorf geschossen haben, 26 Personen seien getötet worden. Auch soll es gewaltsame Umsiedelungen ganzer Dörfer geben, Angehörigen der Minderheit würde die Regierung Lebensmittel und medizinische Hilfe verweigern.

Berichte wie der von Amnesty basieren auf den Erzählungen von nach Thailand geflüchteten Hmong und können nicht von unabhängigen Beobachtern bestätigt werden, da die laotische Regierung deren Einreise in das Land nicht zulässt.

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