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Hintergrund Putin und die Oligarchen

28.10.2003 ·  Abramowitsch, Beresowski, Gussinski - wie der jetzt festgenommene Chodorkoswkij haben einige Russen als Unternehmer in der „Gründerzeit“ der russischen Wirtschaft einflußreiche Konzerne aufgebaut.

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Seit seinem Amtsantritt im Jahr 2000 versucht der russische Präsident Wladimir Putin, die Macht der unter seinem Vorgänger Boris Jelzin in Schlüsselpositionen der Wirtschaft gelangten so genannten Oligarchen zu brechen.

Zu den Wirtschaft- und Pressegroßunternehmern, die in der „Gründerzeit“ der russischen Wirtschaft einflußreiche Finanz- und Medienkonzerne aufgebaut haben und in das Visier Putins gerieten, gehört auch der jetzt festgenommene Erdölmilliardär Michail Chodorkowskij.

Chodorkowskij hat seinen Weg zum Reichtum als Chemie-Ingenieur begonnen. Doch schon ein Jahr nach Erhalt seines Diploms an der Moskauer Mendelejew-Institut hielt er 1987 seine Urkunde als diplomierter Volkswirt des nicht minder angesehenen Plechanow-Instituts in den Händen. Von da ab begann sein Aufstieg an die Spitze von Rußlands Finanzwelt.

Noch zu Sowjetzeiten unter Präsident Michail Gorbatschow gelangte er an die Spitze einer kommerziellen Innovationsbank, die er 1990 aufkaufte und in Menatep-Invest umbenannte. 1995 sattelte Chodorkowskij schließlich fest auf das Geschäft mit Erdöl um. Seine Ölgesellschaft Rosprom fusionierte schnell mit der Konkurrenzfirma Yukos - unter öffentlich kaum bekannten Geschäftsbedingungen. Seitdem hat er Yukos zum zweitgrößten Ölkonzern Rußlands hochgearbeitet.

Vor dem zum Kreml in Opposition gegangenen Chodorkowskij hatte es eine ganze Reihe weiterer Oligarchen getroffen, gegen die Justiz und Steuerbehörden immer offensiver vorgehen. Schon im Juli war Platon Lebedjew, einer der wichtigsten Männer des Yukos-Konzerns, wegen angeblichen Betrugs bei einem Privatisierungsgeschäft festgenommen worden. Lebedjew, der die Finanzgruppe Menatep leitete, ist noch in Untersuchungshaft.

Zuflucht in London und Spanien

Zwei der ehemals mächtigen Wirtschaftsbosse leben heute als Verfolgte im Ausland: Der Medien- und Aluminiumunternehmer Boris Beresowski und der Medienunternehmer Wladimir Gussinski. Beide hatten sich offen gegen Putin gestellt und mit Hilfe ihrer Medien Oppositionspolitik betrieben. Der milliardenschwere Beresowski, gegen den ein russischer Haftbefehl wegen „räuberischer Erpressung“ besteht, ging 2000 nach London, wo er politisches Asyl erhielt. Einen Auslieferungsantrag Rußlands lehnte Großbritannien im September ab und gewährte Beresowski Flüchtlingsstatus. Auch Gussinski, dessen Fernsehsender NTW im Jahr 2001 von der Regierung übernommen und dessen Konzern Media-Most zerschlagen worden war, hatte sich vorzeitig abgesetzt und lebt heute vorwiegend in Spanien.

Einstieg beim Fußballklub Chelsea

Nicht ganz in das Stereotyp der russischen Oligarchen paßt ein weiterer Prominenter: Von dem Milliardär Roman Abramowitsch (36) wird vermutet, daß er sein gesamtes Vermögen in Rußland verkaufen will, um Problemen mit Putin zu entgehen. Abramowitsch, der an 40 verschiedenen Unternehmen wie einem Aluminium- und einem Ölkonzern beteiligt ist, hatte im Juli den traditionsreichen britischen Fußballklub Chelsea gekauft und will - dem Vernehmen nach - dauerhaft nach London gehen.

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