05.04.2010 · Die Erfolge des Präsidenten blieben so bescheiden wie die der internationalen Truppen. Nun scheint der Druck so groß zu werden, dass Karzai auf eine bisher nicht gekannte Distanz zur Weltgemeinschaft geht.
Von Wolfgang Günter LerchDass der afghanische Staatspräsident Hamid Karzai einen der undankbarsten, auch mit Lebensgefahr verbundenen Posten der Weltpolitik innehat, war schon immer klar; doch nun scheint der Druck auf ihn in seinem Land so groß zu werden, dass er seit einigen Tagen zumindest verbal eine bisher nicht gekannte Distanz zwischen seine Regierung und die Weltgemeinschaft legt, die - immerhin ausgestattet mit einem Mandat der Vereinten Nationen - seit Jahren versucht, sein Regiment zu konsolidieren, was vor allem heißt: die radikalislamischen Taliban an einer neuerlichen Machtübernahme zu hindern.
Die internationale Gemeinschaft hofft darauf, dass militärische Aktionen und ein ziviles Aufbau-Programm dazu führen werden, dass die Afghanen immer mehr selbst imstande sind, Stabilität und Sicherheit zu gewährleisten. Doch nun nannte Karzai die Truppen aus etwa vierzig Staaten „Eindringlinge“. Für einen Afghanen, der seit 2001 den schwierigen Stabiliserungs-Prozess mit Unterstützung der UN, der Amerikaner und Europäer anführt, ist das, gelinde gesagt, ungewöhnlich.
Kaftan und Fellmütze als Markenzeichen
Der am 24. Dezember 1957 in der Ortschaft Karz geborene Karzai, dessen usbekischer Kaftan und Fellmütze längst zum internationalen Markenzeichen geworden sind, entstammt einem der seit vielen Jahrhunderten führenden Clans am Hindukusch: den Popolzai. Diese ihrerseits gehören zu den Durrani, einem der wichtigsten paschtunischen Stämme, der in den vergangenen Jahrhunderten etliche Herrscher Afghanistans gestellt hat. Zu seinen Vorfahren gehört zum Beispiel der legendäre Ahmad Schah Durrani, dem es einst gelungen war, die traditionell miteinander rivalisierenden Stämme und Ethnien unter einer starken Zentralgewalt zu einen.
Obwohl selbst Paschtune, galt der auch in Amerika ausgebildete Karzai bis heute als ausgewiesener Gegner der Taliban, die fast ausnahmslos aus Paschtunen bestehen. Als die Taliban 1996 Kabul eingenommen hatten, verließ Karzai zusammen mit seinem Bruder und Vater das Land in Richtung des benachbarten Pakistan. In der Stadt Quetta rief er zusammen mit seiner Familie eine Oppositionsbewegung ins Leben, die den Kampf mit den Taliban aufnahm. Es galt, Waffen zu beschaffen und nützliche Netze zu afghanischen und internationalen Feinden der Taliban zu knüpfen.
Auch zu dem im Exil lebenden König Zahir Schah, der das Land 1974 nach dem Putsch Mohammad Dauds verlassen hatte und nach dem Sturz der Taliban zurückkehren konnte, pflegten die Karzais Kontakte. Im Jahre 1999 wurde Karzais Vater Opfer eines Mordanschlages, Hamid und sein Bruder Ahmed Wali konnten sich retten. Es war nicht der letzte Attentats-Versuch.
Seit 2004 amtiert der im Dezember 2001 zunächst nur provisorisch eingesetzte Hamid Karzai als gewählter Präsident. Seine Erfolge blieben so bescheiden wie die der internationalen Truppen. Seit seiner umstrittenen Wiederwahl im vorigen Jahr ist die Lage nicht einfacher geworden, nicht nur militärisch, sondern auch innenpolitisch.
Nicht länger fackeln...
Uwe Wagner (view)
- 05.04.2010, 17:06 Uhr
Soll er doch enden wie Nadschibullah
Wolfgang Schmid (w.schmid)
- 05.04.2010, 18:54 Uhr
Danke, Herr Karzai
Hartmut Albrecht (Drahtfuchs)
- 05.04.2010, 20:13 Uhr
"Der Klügere gibt nach", ... (Uwe Wagner)
Detlef Stark (wool-web)
- 05.04.2010, 20:48 Uhr
Held Hamid hat fertig
Konstantin Schneider (bundesboy)
- 06.04.2010, 00:30 Uhr