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Hamas und Fatah Klare Verhältnisse

17.06.2007 ·  Mit der Machtübernahme im Gazastreifen hat die radikalislamische Hamas nicht nur klare Verhältnisse geschaffen. Sondern auch die eigene Abhängigkeit von Israel erhöht. Ein Kommentar von Jörg Bremer.

Von Jörg Bremer
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Die Spirale der Gewalt dreht sich immer weiter, und die Aussicht auf Frieden schwindet dahin – und doch hat die jüngste Entwicklung in den palästinensischen Gebieten zumindest einen „Vorteil“: Seit der Machtübernahme der radikalislamischen Hamas im Gazastreifen herrschen klare Verhältnisse. In diesem dichtbesiedelten Landstrich am Mittelmeer hat die Hamas jetzt ihren Wahlsieg von Anfang 2006 durchgesetzt – mit aller Brutalität. Jetzt kann sie zeigen, ob sie regieren kann. Und die unterlegene Fatah muss nicht mehr so tun, als sei ihr Wahlverlust nur ein Irrtum gewesen.

Diese Klarheit gilt auch für das Westjordanland, wo die Fatah bei den Wahlen im vergangenen Jahr zwar auch verlor, aber vor allem wegen taktischen Ungeschicks. Die Mehrheit der städtischen und ländlichen Bevölkerung lief nicht zu den Islamisten über. Auch wird jetzt für alle sichtbar, was die israelische Besatzungsmacht seit Jahren gefördert hat und was die Palästinenser nicht verhindern konnten: Das Westjordanland und der Gazastreifen gehören – fürs Erste zumindest – nicht mehr zusammen. Freilich hilft die Feststellung nicht weiter, im Gazastreifen regierten nun die Islamisten, die von der Welt zu ächten seien. 1,4 Millionen Palästinenser müssen halbwegs würdig leben können.

Jetzt muss die Hamas Israel anerkennen

Der mit der Regierung betraute Finanzfachmann Fajad besteht darauf, dass trotz der politischen Unterschiede letztendlich beide Teile eine Einheit bilden. So wenig die Hamas im Gazastreifen von den Geschehnissen im Westjordanland abgekoppelt werden will, so stark werden die Palästinenser zwischen Hebron und Nablus letztendlich auf der Einheit bestehen, selbst wenn beide Teile für die nächsten Jahre getrennte Wege gehen werden.

Die dramatischen Ereignisse der vergangenen Tage geben Israel und der Welt Anlass, ihre Strategie gegenüber dem Krisengebiet zu überdenken. Letztendlich wird Israel nicht daran vorbeikommen, mit Hamas-Leuten zu sprechen. Weil die Hamas im Gazastreifen von der Hilfe Israels abhängig ist, von dessen Wasser, Strom und Benzin, wird sie sich anpassen müssen; mindestens zu einer faktischen Anerkennung Israels ist sie gezwungen. Es ist paradoxerweise nicht Israel, das die Anerkennung der Hamas braucht. Hamas braucht Israels Anerkennung – und die wird sie nicht ohne Gegenleistung erhalten.

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Jahrgang 1952, politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

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